Felix Mendelssohn Bartholdy

»Eine Größe der Musikgeschichte«

Herr Schoeps, die Musikwelt feiert den 200. Geburtstag Felix Mendelssohn
Bartholdys. Ist das eine späte Anerkennung des Komponisten?
schoeps: Ja, denn die Nationalsozialisten hatten ihn aus den Annalen der Musikgeschichte gestrichen. Das geht zurück bis auf Richard Wagner und seine Epigonen, die ihn geächtet haben. Nun wird er wiederentdeckt. Er gehört – und das wird in der Öffentlichkeit zunehmend erkannt – zu den Größen der deutschen Musikgeschichte.

In Leipzig gibt es seit vergangenem Oktober im Stadtzentrum wieder ein Mendelssohn-Denkmal. Die Nazis hatten es demontiert. Steht es da richtig – neben Bach und Goethe?
schoeps: Vollkommen richtig. Auch Berlin könnte sich daran ein Beispiel nehmen. Hier trägt ein U-Bahnhof seinen Namen, was ich etwas unpassend finde. Gleichzeitig begrüße ich, dass jetzt eine Schule nach ihm benannt wurde. Aber er verdient mehr Anerkennung.

Mendelssohn Bartholdy gilt als Mittler zwischen den Religionen, weil er als Jude getauft worden ist. Wie sehen Sie seine Rolle?
schoeps: Wenn man ihn als den Propagandisten eines preußischen Christentums be-
zeichnet, halte ich das für falsch. Kirchenmusik ist etwas durchaus Interessantes, da hat er Großes geleistet. Aber es gibt auch eine Reihe von Hinweisen darauf, dass er genau wusste, woher er kam und in welchen Traditionen er durch seine Familie stand.

Aus Anlass des Geburtstages erscheint Ihr Buch »Das Erbe der Mendelssohns«. Worum geht es?
schoeps: Ein Schwerpunkt meiner Recherchen waren die Mendelssohns als Kunstsammler und Mäzene.

Dazu passt die Meldung, dass Sie als Sprecher der Mendelssohn-Erben mit dem New Yorker Museum of Modern Art eine Lösung im Streit um zwei Picasso-Gemälde gefunden haben. Wie sieht die aus?
schoeps: Ich bitte um Verständnis, dass ich mich zu Einzelheiten nicht äußern kann. Aber grundsätzlich bin ich der Ansicht, dass Ikonen der Kunstgeschichte in Museen gehören. Ich bin dagegen, dass Kunstwerke nach der Restitution in privaten Hinterzimmern verschwinden.

Mit dem Historiker und Mendelssohn-
Nachfahren sprach Detlef David Kauschke.

Doha

Indirekte Gespräche zwischen Iran und USA sollen begonnen haben

Die Lage zwischen den USA und dem Iran bleibt weiter angespannt. Dennoch laufen nun Gespräche im Golfstaat Katar

 01.07.2026

Diplomatie

»25 Gründe, warum ich Israel vermisse«

Der deutsche Botschafter Steffen Seibert verlässt in wenigen Tagen nach vier Jahren das Land und kehrt zurück nach Berlin

von Sabine Brandes  30.06.2026

Resümee

Felix Klein: Lebensqualität für Juden hat sich verschlechtert

Nach acht Jahren im Amt wechselt der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, im August den Job. Auf seine Amtszeit blickt der 58-Jährige mit gemischten Gefühlen zurück

von Corinna Buschow, Markus Geiler  29.06.2026

Bündnis Sahra Wagenknecht

Mit einer Portion Antisemitismus gegen den Zionismus

Das Jugendbündnis im BSW hat einen Beschluss zum Zionismus gefasst, der aufhorchen lässt. Auf Instagram verwendete der Verband zudem antisemitische Bildsprache aus der NS-Zeit

von Michael Thaidigsmann  22.06.2026

Zeitgeschichte

Georges-Arthur Goldschmidt sieht Guillotine am Beginn der Schoa

Der französisch-deutsche Schriftsteller sagte in einem Interview »Diese Normalisierung der Todesstrafe hat Europa zerstört.«

 09.06.2026

Holocaust-Gedenken

Wagner und Mendel kritisieren Yad-Vashem-Entscheid

In Deutschland sollen zwei Niederlassungen der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem entstehen. Der jüdische Wissenschaftler Meron Mendel und der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Jens-Christian Wagner, sehen das in Teilen kritisch

 29.05.2026

Reisen

Kein Parkplatz am Ben-Gurion-Flughafen

US-Militärjets blockieren 70 Prozent des Flughafens. Flüge fallen aus, Airlines bleiben weg und kurz vor dem Sommer herrscht große Unsicherheit

von Sabine Brandes  29.05.2026

Diplomatie

Israels Präsident begrüßt ersten Botschafter Somalilands

Als weltweit erstes Land hatte Israel vor einem halben Jahr die muslimisch geprägte Region im Norden Somalias als unabhängigen Staat anerkannt. Jetzt kommt der erste Botschafter nach Israel

 18.05.2026

Internationaler Strafgerichtshof

Bericht: Geheime internationale Haftbefehle gegen Ben-Gvir und andere

»Haaretz« berichtet über mögliche neue Schritte gegen mehrere israelische Minister und Militärvertreter

von Sabine Brandes  17.05.2026