Sukkot

Ein Dach über dem Kopf

»In diesem Jahr werden wir zum ersten Mal das zu Sukkot gehörende Fest des Wasserschöpfens feiern«, erzählt Jelena Kostenko, Sekretärin der Jüdischen Ge- meinde Marburg. Regen und das Gebet um Niederschläge seien für Israel wichtig, habe Religionslehrer René Polak erklärt. Ansonsten haben die Marburger die Sukka schon den Vorschriften entsprechend gebaut. Sie darf nicht niedriger als einen Meter und nicht höher als zehn Meter sein und muss mindestens zweieinhalb Wände und ein Dach aus Baumzweigen haben. Am Wochenende wird sie dann von Ju- gendlichen der Gemeinde geschmückt, und sehe anschließend immer ganz be- sonders schön aus. Das Schmücken der Sukka ziehe übrigens nicht nur Gemeindemitglieder an, weiß Jelena Kostenko. Gerade viele Nichtjuden aus Marburg und Umgebung seien beim Sukkabau dabei.
Etwas größer als in Marburg fällt die Laubhütte der Israelitischen Religionsgemeinschaft in Stuttgart aus. »Wir haben eine große Gemeinde-Sukka, die den ganzen Hof des Gemeindezentrums bedeckt«, erzählt Landesrabbiner Netanel Wurmser. Die Kinder aus dem jüdischen Kindergarten und der Grundschule dekorieren sie. Fast 150 Menschen finden in ihr Platz. Im Laufe der Jahre sei die Laubhütte regelrecht gewachsen, denn man habe sie einfach immer mehr vergrößert. Nun sei aber Schluss, denn die Laubhütte müsse komplett im Freien stehen, sagt Wurmser. Dass die Sukka so groß ist, sei ein Vorteil. Viele könnten in ihr sitzen und essen. »Das ist für die Zuwanderer wichtig, damit sie die jüdischen Traditionen kennenlernen.« Der Aufenthalt in der Sukka trage zu einem geselligen Gemeindeleben bei.
Dass das vergangene Jahr ein Schmitta-Jahr war, also ein Ruhejahr, in dem nicht geerntet werden dufte, sei kein Hindernis bei der Beschaffung des Feststraußes, meint Wurmser. Man könne sich alles im Internet besorgen, wichtig sei nur, dass al- les koscher ist. Zum Strauß gehören: Etrog, die zitronenartige, süß duftende essbare Frucht, Lulaw, der nicht riechende essbare Zweig der Dattelpalme, Hadassim, die duftenden Myrtenzweige und schließlich die Arabot, die Bachweiden, die weder essbar noch gut riechend sind. Sie alle zusammen symbolisieren das Volk Israel.
»Bei uns weiß jeder, was er zu tun hat, die Abläufe sind eingespielt«, sagt Isi Meller von der Synagogen-Gemeinde Köln. Dank der To-do-Listen, Ablaufpläne für die jeweiligen Feiertage, sind die Mitarbeiter genau im Bilde, was zu ihren Aufgabenbereichen gehört und deswegen klappe alles reibungslos. Dabei legten die Mitarbeiter des Rabbinats auch selber Hand an, zum Beispiel beim Bau der Sukka. »Die ist zwar Sache des Hausmeisters und seiner Mitarbeiter, aber wir – das sind acht Leute – helfen ihm dabei, zum Beispiel, indem wir die Wände festhalten, damit sie montiert werden können.« Die Zusammenarbeit mache jedes Jahr aufs Neue Spaß, sagt Meller. Schön sei es auch, den Kindern dabei zu- zusehen, wie sie die Sukka schmücken und dann später Eltern und Freunden stolz zeigen, was sie geschaffen haben. Elke Wittich

Zeitgeschichte

Georges-Arthur Goldschmidt sieht Guillotine am Beginn der Schoa

Der französisch-deutsche Schriftsteller sagte in einem Interview »Diese Normalisierung der Todesstrafe hat Europa zerstört.«

 09.06.2026

Holocaust-Gedenken

Wagner und Mendel kritisieren Yad-Vashem-Entscheid

In Deutschland sollen zwei Niederlassungen der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem entstehen. Der jüdische Wissenschaftler Meron Mendel und der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Jens-Christian Wagner, sehen das in Teilen kritisch

 29.05.2026

Reisen

Kein Parkplatz am Ben-Gurion-Flughafen

US-Militärjets blockieren 70 Prozent des Flughafens. Flüge fallen aus, Airlines bleiben weg und kurz vor dem Sommer herrscht große Unsicherheit

von Sabine Brandes  29.05.2026

Diplomatie

Israels Präsident begrüßt ersten Botschafter Somalilands

Als weltweit erstes Land hatte Israel vor einem halben Jahr die muslimisch geprägte Region im Norden Somalias als unabhängigen Staat anerkannt. Jetzt kommt der erste Botschafter nach Israel

 18.05.2026

Internationaler Strafgerichtshof

Bericht: Geheime internationale Haftbefehle gegen Ben-Gvir und andere

»Haaretz« berichtet über mögliche neue Schritte gegen mehrere israelische Minister und Militärvertreter

von Sabine Brandes  17.05.2026

Stuttgart

Die Vorfreude steigt

Die Jüdische Allgemeine berichtet weiterhin live von der Jewrovision. Die Jugendzentren sind inzwischen nach und nach angekommen, das Madrichim-Team empfängt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor Ort. Die Vorfreude auf die Show steigt!

 15.05.2026

Genf

Döpfner fordert beim World Jewish Congress entschlossenen Kampf gegen Antisemitismus

Mit Blick auf die Hamas-Massaker vom 7. Oktober kritisiert der Springer-Chef die Reaktion: »Unmittelbar nachdem die Bilder der Opfer zu sehen waren, begann die Verharmlosung.«

 12.05.2026

In eigener Sache

Wir suchen Verstärkung

Wir suchen zum 1. Juli 2026 einen Politik-Redakteur (m/w/d) in Vollzeit

 07.05.2026

Jerusalem

Israel fordert von Großbritannien mehr Einsatz gegen Antisemitismus

Nach einem weiteren Terrorangriff auf Juden wirft Jerusalem London vor, die Lage nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Präsident Herzog: »Es ist an der Zeit, dass die Welt aufwacht.«

 30.04.2026