Kulturförderung

Edle Spender

Geist und Geschmack bedürfen des Geldes. Denn all das, was uns begeistert, erschüttert oder bildet – Gegenstände der Kunst, der Wissenschaft und der historischen Überlieferung – sind selbst Ergebnisse harter Arbeit, die bezahlt sein will. Daher sind Kunst, Wissenschaft und Bildung (zumal in wirtschaftlich schwierigen Zeiten) auf großzügige Gönner angewiesen. Sie werden seit der Antike als »Mäzene« bezeichnet. Anders als »Sponsoren«, die ihr Sprudelwasser auf den Leibchen von Radfahrern bewerben, geht es Mäzenen nicht um Produktwerbung. Vielmehr ist ihre Generosität meist Ausdruck echter Liebe zu dem, was sie fördern.
Das Mäzenatentum jüdischer Bürger erlebte im Vorkriegsdeutschland eine Blüte: Die 1914 gegründete Goethe-Universität verdankt sich wesentlich dem Engagement jüdischer Frankfurter. Unvergessen bis heute ist zum Beispiel der Baumwollfabrikant James Simon, der die Nofretete nach Berlin brachte und sich um Wohlfahrt, Arbeiterbildung und Kunstmuseen kümmerte. Einen guten Klang haben auch die Namen Georg Arnhold, ein Unterstützer der Esperantobewegung, und Salman Schocken, der bekannte Zwickauer Unternehmer, Verleger und Philanthrop. Sie alle zeugen vom Willen dieses Bürgertums, die deutsche, aber auch speziell die jüdische Kultur zu fördern.
All das hat der Nationalsozialismus zerstört. Dass die winzige Gemeinschaft der überlebenden Juden nach 1945 keine Veranlassung sah, deutsche Kultur zu fördern, liegt auf der Hand. Wenn jüdische Kultur hierzulande zu unterstützen war – so die bis heute vorherrschende Einstellung –, sei dies vor allem die Bringschuld von Nichtjuden oder dem deutschen Staat. Daher spendeten Juden aus Deutschland großzügig und weitherzig für kulturelle Einrichtungen selten hierzulande, dafür aber umso mehr in Israel: Der Frankfurter Kaufmann Josef Buchmann hat sich höchste Verdienste um die Universität Tel Aviv erworben; seine Bestrebungen, in Frankfurt zum Mäzen zu werden, scheiterten aber an kommunalpolitischen Misshelligkeiten. Ignatz Bubis schenkte dem Frankfurter Jüdischen Museum historisches Synagogalgerät. Ein Angehöriger der zweiten Generation, Shimon Ajnwojner, bereicherte die Einrichtung um bibliografische Schätze.
Heute scheint sich dieser, lange Zeit nur zaghaft vorhandene Trend fortzusetzen. Vieles spricht dafür, dass eine (neue) jüdische Mäzenatenkultur im Entstehen begriffen ist, wenngleich deren Träger selbst in einem eher gebrochenen Verhältnis zu Deutschland stehen. Noch sind sie sich nicht sicher, ob dieses Land wirklich ihre kulturelle Heimat sein soll. Einer von ihnen ist der Berliner Rafi Roth. Ohne ihn kann man sich das Aufblühen jüdischer Kultur in der Bundeshauptstadt schwer vorstellen. Der Unternehmer unterstützt zwar an der Universität Haifa arabische Teilnehmer des »Community Leaders Program«, ist aber vor allem in Berlin aktiv: So fördert Roth das Theater »Komödie am Kurfürstendamm« und das Jüdische Museum.
Ein bisher wenig bekannter Wohltäter ist Eric F. Ross, der im Sommer das Verdienstkreuz aus der Hand des Bundespräsidenten erhielt. 1919 als Erich Rosenberg in Dortmund geboren, emigrierte der junge kaufmännische Angestellte kurz vor der Pogromnacht in die USA, um von dort aus 1942 in den Krieg zu ziehen und sein Teil dazu beizutragen, Europa vom Terror des Nationalsozialismus zu befreien. Später in der Chemiebranche tätig, wurde Ross rasch reich und machte sich in den USA einen Namen, weil er den Ausbau des Holocaust Memorial Museum in Washington massiv unterstützte. Für das Jüdische Museum in Berlin finanzierte er nicht nur mobile pädagogische Programme, sondern auch die nach ihm benannte Ausstellungsgalerie im Libeskind-Bau, die er seinen 1942 in Auschwitz ermordeten Eltern Regina und Albert Rosenberg gewidmet hat. Seit Kurzem beteiligt sich der Mäzen an dem kostspieligen Erweiterungsbau, der die Aktivitäten des Museums in Forschung und Bildung verstärken wird. Aber: Der Hochbetagte ist und bleibt ein amerikanischer Bürger, der sich zaghaft dem Land wieder annähert, das ihn vertrieben und seine Eltern umgebracht hat.
Ungeachtet der Wirtschaftskrise und des inzwischen verurteilten Bernard Madoff, der vielen Mäzenen mit seinen Betrügereien den finanziellen Boden unter den Füßen weggerissen hat, sind die Quellen der Großzügigkeit nicht gänzlich versiegt. Bei aller notwendigen Vorsicht: In Deutschland entwickelt sich ein, wenn auch noch zahlenmäßig geringes, neues spendables jüdisches Bürgertum. Ein Bürgertum, das die Förderung der Kultur des Landes, in dem es lebt und in dem seine Kinder aufwachsen, als seine ureigene Aufgabe ansieht. Salomon Korn, Vizepräsident des Zentralrats der Juden, hat einmal gesagt: »Wer ein Haus baut, will bleiben.« Allerdings fragt man sich, ob der Wille zum Bleiben so gefestigt ist, dass Juden in Zukunft jüdische, deutsche und deutsch-jüdische Kultur aktiv fördern werden.

Die Universität Pennsylvania will nicht auf die Forderung eingehen, Daten jüdischer Mitarbeitenden zu veröffentlichen.

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