Rabbiner-Attentäter

Dreieinhalb Jahre

Für die Messerattacke auf den Frankfurter Rabbiner Zalman Gurevitch (vgl. Jüdische Allgemeine vom 12.9.2007) muss der Angeklagte Said A. für dreieinhalb Jahre hinter Gitter. Das Frankfurter Landgericht verurteilte den 23-jährigen Deutsch-Afghanen am Dienstag wegen gefährlicher Körperverletzung. Gegen das Urteil können alle Parteien Revision einlegen. Die Staatsanwaltschaft hatte vier Jahre Haft gefordert, die Verteidigung drei Jahre und der Rechtsanwalt des Rabbiners fünf Jahre und acht Monate wegen versuchten Totschlags.
Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Said A. am 7. September 2007 in Frankfurt am Main alleine und ohne Tötungsvorsatz gehandelt habe. Dafür spreche, dass er zunächst an dem Rabbiner vorbeigegangenen sei und seine Tat nach dem ersten Stich abgebrochen habe. Von seinem Totschlagsversuch sei der junge Mann während der Tat freiwillig zurückgetreten, indem er nicht noch ein zweites Mal zugesto- chen habe, hatte die Staatsanwältin erklärt. Ein Zeuge habe zwar bestätigt, dass bei dem Handgemenge auch die Worte »Scheiß Jude« oder »Judenschwein« gefallen seien, Said A. aber nicht gedroht habe, den Rabbiner zu töten. Als strafmildernd führte das Gericht unter anderem das Teilgeständnis und die Entschuldigung von Said A. zu Beginn des Prozesses im April an. Als strafverschärfend wertete es die »erheblichen Verletzungen des Opfers« und die einschlägigen Vorstrafen des Täters.
Der Vorsitzende Richter Klaus Drescher stellte klar, dass es sich bei der Messerattacke »in erster Linie um einen Kriminalfall« gehandelt habe. Entsprechend sei das Urteil ausgefallen. Er halte es deshalb für inakzeptabel, wenn dem Gericht vorgeworfen werde, es sei antisemitisch.
Rabbiner Gurevitch (43) hatte durch den Angriff mit einem sieben Zentimeter langen Messer eine etwa 18 Zentimeter tiefe Stichwunde in den Unterleib davongetragen und überlebte nur dank einer Notoperation. Er musste sich später einer zweiten Operation unterziehen und leidet den Angaben zufolge noch immer an den psychischen Folgen des Angriffs. Gurevitch trat in dem Verfahren als Zeuge und Nebenkläger auf.
Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt, Salomon Korn, zeigte sich verwundert über das aus seiner Sicht milde Urteil. Er sei sehr erstaunt, dass gegen einen bereits mehrfach auffälligen Wiederholungstäter kein härterer Schuldspruch gefallen sei. »Das Gericht hat potenziellen Messerstechern keine eindeuti- ge Botschaft gesandt«, sagte Korn. So »können Nachahmungstäter in Zukunft auf ähnlich milde Urteile hoffen«. epd/dpa

In eigener Sache

Volontär/in gesucht

Wir suchen zum 15. Oktober 2026 einen Volontär (m/w/d) in Vollzeit

 06.07.2026

Holzstörche zur Geburt in Niederösterreich. Noch immer werden neben den klassischen Namen viele biblische Namen den Kindern gegeben.

Statistik

Diese hebräischen Vornamen in Österreich sind am beliebtesten

Österreichische Eltern wählen gern Klassiker. Unter den Top Ten sind auch viele Namen biblischen Ursprungs

von Nicole Dreyfus  04.07.2026

Bundesamt für Statistik

Dieser hebräische Vorname ist am beliebtesten bei Schweizer Eltern

Auch in der Schweiz wählen Eltern weiterhin häufig biblische Namen für ihr Neugeborenes

von Nicole Dreyfus  04.07.2026 Aktualisiert

Erhebung

Dieser hebräische Babyname ist in Deutschland am beliebtesten

Welche Namen geben Eltern ihren Sprösslingen in diesem Jahr am liebsten? In welchen Bundesländern gibt es Abweichungen?

 04.07.2026 Aktualisiert

Doha

Indirekte Gespräche zwischen Iran und USA sollen begonnen haben

Die Lage zwischen den USA und dem Iran bleibt weiter angespannt. Dennoch laufen nun Gespräche im Golfstaat Katar

 01.07.2026

Diplomatie

»25 Gründe, warum ich Israel vermisse«

Der deutsche Botschafter Steffen Seibert verlässt in wenigen Tagen nach vier Jahren das Land und kehrt zurück nach Berlin

von Sabine Brandes  30.06.2026

Resümee

Felix Klein: Lebensqualität für Juden hat sich verschlechtert

Nach acht Jahren im Amt wechselt der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, im August den Job. Auf seine Amtszeit blickt der 58-Jährige mit gemischten Gefühlen zurück

von Corinna Buschow, Markus Geiler  29.06.2026

Bündnis Sahra Wagenknecht

Mit einer Portion Antisemitismus gegen den Zionismus

Das Jugendbündnis im BSW hat einen Beschluss zum Zionismus gefasst, der aufhorchen lässt. Auf Instagram verwendete der Verband zudem antisemitische Bildsprache aus der NS-Zeit

von Michael Thaidigsmann  22.06.2026

Zeitgeschichte

Georges-Arthur Goldschmidt sieht Guillotine am Beginn der Schoa

Der französisch-deutsche Schriftsteller sagte in einem Interview »Diese Normalisierung der Todesstrafe hat Europa zerstört.«

 09.06.2026