Nach Absage in Belgien

Dirigent Shani in Berlin gefeiert

Der Schlussapplaus für Lahav Shani und sein Orchester dauerte über vier Minuten. Foto: picture alliance/dpa

Nach Absage in Belgien

Dirigent Shani in Berlin gefeiert

Nach der Ausladung von einem Festival werden die Münchner Philharmoniker und ihr künftiger Chefdirigent Lahav Shani in Berlin gefeiert. Bundespräsident Steinmeier hat für den Fall klare Worte

von Julia Kilian  15.09.2025 23:00 Uhr

Wenige Tage nach der Ausladung von einem belgischen Festival sind Dirigent Lahav Shani und die Münchner Philharmoniker bei einem Ersatzkonzert in Berlin gefeiert worden. »Während man andernorts jüdische Künstler und ein deutsches Spitzenorchester auslädt, setzt Berlin heute ein starkes Gegenzeichen«, teilte Kulturstaatsminister Wolfram Weimer mit.

Wer Künstler und Orchester boykottiere, schade nicht Israel, er beschädige Europa. »Europäische Bühnen dürfen niemals zu Orten werden, an denen Antisemiten den Spielplan diktieren«, teilte Weimer mit.

Bundespräsident: »Das ist klar antisemitisch«

Das Flanders Festival Ghent hatte die Absage damit begründet, dass Shani auch Musikdirektor des Israel Philharmonic Orchestra ist. Der in Tel Aviv geborene Musiker grenze sich nicht eindeutig genug von der israelischen Regierung ab. Die Ausladung ist in Deutschland scharf kritisiert worden.

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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier teilte nach einem Treffen mit Shani mit, die Ausladung sei durch nichts zu rechtfertigen. Der Auftritt eines jüdischen Künstlers, der ein deutsches Orchester dirigiere, werde davon abhängig gemacht, dass er sich von der israelischen Regierungspolitik distanziere. »Das ist klar antisemitisch.« Das verstärke die Gefühle von Schock und Ohnmacht, die Jüdinnen und Juden hier und in ganz Europa derzeit erlebten.

Shani ist der designierte Chefdirigent der Münchner Philharmoniker. Im Herbst 2026 soll er das Amt offiziell antreten. Das Musikfest Berlin hatte kurzfristig eine Einladung ausgesprochen. Der Bereich vor dem Konzerthaus am Gendarmenmarkt war am Montagabend weiträumig abgesperrt und Polizei vor Ort.

Intendant: »willkommen zu Hause«

Der Abend sei ein Zeichen für die verbindende und manchmal auch versöhnende Kraft von Kunst und Musik, sagte der Intendant der Berliner Festspiele, Matthias Pees. »Herzlich willkommen zu Hause in Berlin, Lahav Shani.«

Kulturstaatsminister Weimer verwies danach in einer Ansprache auf das Datum - vor genau 90 Jahren hätten die Nationalsozialisten die Nürnberger Gesetze erlassen. Der aktuelle Fall werfe Fragen nach dem Antisemitismus in Europa auf, der immer lauter und aggressiver werde.

Dirigent und Orchester wurden mit Applaus und Standing Ovations gefeiert. Die Einladung war eine Initiative der Berliner Festspiele und der Stiftung Berliner Philharmoniker mit dem Konzerthaus Berlin. Auf der Gästeliste standen unter anderem Ex-Kanzler Olaf Scholz und Dirigent Daniel Barenboim.

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