Moshe Zimmermann

»Die meisten favorisieren Holland«

Herr Zimmermann, Sie sind nicht nur Professor für Deutsche Geschichte, sondern auch ein fußballbegeisterter Israeli. Wo werden Sie die EM erleben?
zimmermann: In Israel, vor dem Fernseher. Ich werde zwar zwischen Halbfinale und Finale in Österreich sein, aber ich habe keine Karten bekommen. Neulich war ich in Wien. Es war deutlich zu spüren, dass die Stimmung dort steigt. Das Fieber ist da.

Gibt es auch in Israel ein EM-Fieber?
zimmermann: Weil sich die eigene Nationalmannschaft nicht qualifiziert hat, kann sich die israelische Gesellschaft, so scheint es mir, für die EM nur wenig begeistern.

Beim Champions-League-Finale haben viele Israelis dem Chelsea FC die Daumen gedrückt – wegen des damaligen Trainers Avram Grant. Mit wem halten es Ihre Landsleute bei der EM?
zimmermann: England ist raus, mit denen kann man sich schon mal nicht identifizieren. Die meisten Israelis favorisieren traditionell Holland. Das liegt an historischen Mythen über den niederländischen Widerstand gegen die Nazis. Es gibt auch viele russische Einwanderer, die Russland die Daumen drücken. Und da sind noch die 20 Pro- zent arabische Israelis, die sich für andere Mannschaften begeistern. Polen, Kroatien, Österreich oder Deutschland reißen hier keinen mit, obwohl sich in Bezug auf die deutsche Mannschaft die Stimmung in den vergangenen Jahren deutlich verbessert hat.

Nimmt sich Israel durch den Fußball als europäische Gesellschaft wahr?
zimmermann: Ja, aus zwei Gründen: Zum einen ist die israelische Fußballtradition europäisch. Zum anderen ist Israel Mitglied des europäischen Fußballverbandes UEFA.

Wenn Fußball-Israel nach Europa schaut, wird dann auch eine Identität gesucht?
zimmermann: Ja, man sucht hier eine Anbindung an Europa. Großes Interesse weckt beispielsweise der belgische Fußball, weil in der dortigen ersten Liga viele Israelis spielen. Und wenn es keine Israelis gibt, dann schaut man, ob dort Juden spielen. Einfach, um sich mit der Mannschaft identifizieren zu können.

Mit dem Direktor des Richard-Koebner-Zentrums für Deutsche Geschichte an der Hebräischen Universität in Jerusalem sprach Martin Krauß.

Berlin

Urteil zu Angriff auf Lahav Shapira erwartet

Nach einem antisemitischen Angriff auf einen jüdischen Studenten in Berlin ist der Fall neu vor Gericht verhandelt worden. Im Mittelpunkt des Berufungsverfahrens steht die Höhe der Strafe. Ein Urteil wird am Montag erwartet

 13.04.2026 Aktualisiert

Fussball

Kopfball mit Kippa

Die Halle war voll, der Spaß groß: Zum ersten Mal trafen zwölf jüdische Teams beim Berlin Jewish Football Cup in Spandau aufeinander

von Jan Feldmann  01.04.2026

Podcast

»Arbeiten im Krieg ist eine große Herausforderung«

Zwischen Bomben und Bunker: Wie unsere Korrespondentin in Tel Aviv ihren Alltag erlebt

von Jan Feldmann, Sabine Brandes  01.04.2026

Video

Zwischen Matzen und Kneidlach: Stimmen aus einem koscheren Supermarkt

Kurz vor Pessach: Vorbereitungen auf den Feiertag – Stimmen aus »Kosherlife«

von Jan Feldmann  01.04.2026

Wirtschaft

Iran-Krieg treibt Inflation auf höchsten Stand seit 2024

Teurer Sprit, steigende Preise für Strom und Gas: Die Kämpfe im Nahen Osten haben schon im ersten Kriegsmonat die Verbraucherpreise angeheizt. Bald könnten auch andere Warengruppen betroffen sein

von Alexander Sturm und Christian Ebner  30.03.2026

Die israelische Raketenabwehr hat eine aus dem Libanon anfliegende Terror-Rakete im Visier.

Nahost

Libanon muss jetzt handeln

Die Hisbollah hat äußeren Druck jahrzehntelang in politische Stärke verwandelt. Doch ihr aktueller Legitimitätsverlust ist hausgemacht — und eröffnet dem Libanon erstmals die Chance, das Machtgefüge im eigenen Land zu verändern.

von Leo Benderski  26.03.2026

Berlin

»Grenzen der Erinnerung erweitern«

Argentinien hat von Israel die Präsidentschaft der International Holocaust Remembrance Alliance übernommen. In der Botschaft des südamerikanischen Landes wurde das mit einer Zeremonie gefeiert

 26.03.2026

Nahost

Israels Kriegsstrategie gegenüber Iran und der Hisbollah

Israels Armee greift Irans Führung unerbittlich an. Es gibt jedoch warnende Stimmen: Die gezielten Tötungen von Anführern könnten das System noch radikaler machen. Welche Ziele verfolgt Israel?

von Sara Lemel  19.03.2026

Forschung

Ukraine öffnet Archiv über KZ-Häftlinge

Mitten im Krieg mit Russland öffnet die Ukraine historische Geheimarchive. Für Forschende über die NS-Zeit und die Sowjetische Besatzungszone soll der Zugang erleichtert werden

 11.03.2026