Antisemitismus

Die kruden Thesen eines AfD-Abgeordneten

Der AfD-Politiker Manuel Krauthausen bei einer Wahlkampfveranstaltung im Februar 2025 Foto: IMAGO/NurPhoto

Das Video, den der AfD-Bundestagsabgeordnete Manuel Krauthausen an Silvester als Story auf seinem Instagram-Kanal teilte, war mit dem hebräischen Klassiker »Hava Nagilah« unterlegt, gesungen vom belgischen Sänger Helmut Lotti. Doch die Botschaft war zutiefst antisemitisch.

Denn wie die »Welt« am Mittwoch berichtete, handelte es sich bei dem Clip um eine Verschwörungserzählung, die seit einigen Jahren im Umlauf, aber bereits widerlegt ist. Demnach soll die jüdische Rothschild-Familie mitverantwortlich sein für den Untergang der »Titanic« im Jahr 1912. Bei dem Unglück kamen 1635 Menschen ums Leben. Unter ihnen waren auch drei schwerreiche amerikanische Geschäftsleute, John Jacob Astor IV, Benjamin Guggenheim und Isidor Straus.

In der von Krauthausen geposteten Story wird suggeriert, dass die Rothschilds den Untergang der »Titanic« herbeigeführt haben soll, um unliebsame Rivalen aus dem Weg zu räumen. Demnach sollen Astor, Guggenheim und Straus entschiedene Gegner der Einführung einer Zentralbank gewesen sein, während die Rothschilds diese als für ihre Geschäftsinteressen förderlich angesehen hätten.

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Das Federal Reserve Board (»Fed«) wurde Ende 1913 nach langen Diskussionen in den USA eingeführt. Es basiert auf einem Verbund privater Geschäftsbanken, nimmt seitdem aber auch staatliche Aufgaben wie die einer klassischen Notenbank wahr. Schon vor der Gründung des »Fed« wurde die Bankiersfamilie Rothschild antisemitisch angefeindet. Ihr wurde unterstellt, heimlich die Wirtschaft zu kontrollieren und von Kriegen zu profitieren.

Der von einem Account names »rotepyramidenwahrheit« gepostete und vom AfD-Parlamentarier Krauthausen weiterverbreitete Post behauptet dies subtil. Dort heißt es: »Die Rothschilds: wir brauchen eine Zentralbank. Die reichsten Menschen der Welt: eigentlich nicht. Die Rothschilds: mögt ihr Bootsausflüge?«

Ursprünglich wurde nicht den Rothschilds, sondern dem Investment-Banker und Gründer der gleichnamigen Bank John Pierpont Morgan unterstellt, mit dem Titanic-Desaster Rivalen aus dem Weg geräumt zu haben. Morgan, der anders als die Rothschilds nicht jüdisch war, wollte ursprünglich auf der Jungfernfahrt des riesigen Passagierschiffes dabei sein. Er hatte sich bereits ein Erster-Klasse-Ticket gekauft, verpasste dann aber die Abfahrt der »Titanic« – anders als Guggenheim, Straus und Astor, die das Unglück nicht überlebten.

Die Behauptung, die damals überwiegend in Europa tätigen Rothschilds steckten hinter der Kollision des Schiffes mit einem Eisberg, ist nicht einmal ansatzweise belegt. Doch die Verbreitung solch kruder Thesen hat das nicht gestoppt.

Der Abgeordnete Krauthausen ist gelernter Schornsteinfeger. Er stammt aus Eschweiler in Nordrhein-Westfalen und sitzt seit einigen Monaten für die AfD im Bundestag. Während die AfD-Bundestagsfraktion sich gegenüber der »Welt« von dem Post distanzierte, sagte Krauthausen der Zeitung nach Veröffentlichung des Artikels: »Wenn ich Videos teile, bedeutet das nicht, dass ich mir deren Inhalt zu eigen mache. Das gilt auch in diesem Fall.« Allerdings hatte der 33-Jährige zuvor eine Grafik geteilt mit dem Slogan: »Ich will doch nur eine Welt ohne Zentralbanken.«

Sein Büroleiter sagte der »Welt«, Krauthausen distanziere sich »deutlich« von antisemitischen Verschwörungstheorien, kommentiere das Tagesgeschehen aber häufig »mit einer Prise Humor, Ironie und Sarkasmus«.

Der politische Gegner sieht dies hingegen anders. Der CDU-Ortsverband in Krauthausens Heimatstadt Eschweiler, deren Stadtrat der AfD-Politiker auch angehört, verurteilte den Post und forderte Konsequenzen. Es handele sich nicht um einen missglückten Witz oder einen jugendlichen Fehltritt, sondern um »antisemitische Hetze«. mth

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