Maccabi

Die Botschafter

von Miryam Gümbel

Große Ehrung für Maccabi München: Der jüdische Sportverein mit rund 750 Mitgliedern ganz unterschiedlicher ethnischer und konfessioneller Zugehörigkeit wurde am Tag des Grundgesetzes am vergangenen Freitag in Berlin als »Botschafter für Demokratie und Toleranz« von Innenminister Wolfgang Schäuble und Justizministerin Brigitte Zypries ausgezeichnet.
Die Preisverleihung war Höhepunkt und Abschluss des Jugendkongresses zum Tag des Grundgesetzes, das am Veranstaltungstag sein 59-jähriges Bestehen feiern konnte. Der Geschäftsführer des Bündnisses für Demokratie und Toleranz, Gregor Rosenthal, betonte die Bedeutung des Kongresses auch für die Entwicklung zivilgesellschaftlichen Engagements für Demokratie und Toleranz.
Schäuble würdigte das verantwortungsvolle Handeln der insgesamt fünf Preisträger: »Sie stehen stellvertretend für eine Vielzahl von Menschen und Gruppen, die bereit sind, in ihrem Umfeld gegen jede Form von Extremismus Gesicht zu zeigen und für die Demokratie einzutreten.« Zypries betonte: »Solche tatkräftigen Menschen braucht unsere Gesellschaft!« Neben Maccabi wurde der Künstler Gunter Demnig für seine »Stolpersteine« geehrt. Ibraim Alberto hat ein Netzwerk gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit aufgebaut. Der Grenzdenkmalverein Hötensleben kämpft gegen Vergessen, Verdrängen und Verklären der DDR-Zeit an. Und der 86-jährige Hans Bonkan engagiert sich als Zeitzeuge, um weder Verfolgungen während des Naziregimes noch in der DDR in Vergessenheit geraten zu lassen. Als »Botschafter für Demokratie und Toleranz« aus Bayern vorgeschlagen und ausgewählt wurde Maccabi München aufgrund vielfacher Engagements. Der Verein zeichnet sich durch sein öffentliches Auftreten gegen jede Form von Rassismus und Diskriminierung aus und versucht durch zahlreiche sportliche und kulturelle Veranstaltungen für ein tolerantes und vorurteilsfreies Miteinander auch abseits des Fußballplatzes zu werben.
So beteiligten sich Vereinsmitglieder unter anderem bei der Organisation eines Freundschaftsspiels eines israelisch-palästinensischen Teams gegen die U17 des FC Bayern in der fast komplett gefüllten Allianz-Arena, um ein Zeichen für ihre Ziele zu setzen, und sie initiierten ein Treffen von 150 Fans aus Polen, England und Deutschland mit ehemaligen Häftlingen des Konzentrationslagers Dachau.
Maccabi hatte einen kleinen Film vorbereitet, in dem Aktivitäten aus dem Vereinsleben zu sehen waren. Ganz aktuell war der Beitrag des kürzlich stattgefundenen Sommerfestes, bei dem Kinder ebenso zu Wort kamen wie die Erwachsenen. Schmunzeln auf dem Podium und Lachen im Publikum löste die Bemerkung eines kleinen Sportlers aus, der meinte: »Bei Maccabi sind die Trainer nicht so streng wie bei anderen Vereinen«. Sportlich erfolgreich ist der Mehrspartenverein mit einer Vielzahl von Sportarten über den Fußball hinaus von Karate bis Hip Hop dennoch. Schach wird auch auf der großen Freilandanlage gespielt. Nicht zuletzt die neuen Gemeindemitglieder aus den GUS-Staaten sind hier besonders aktiv. Vor allem im Bereich der Jugendarbeit sind viele Trainer mit Migrationshintergrund aktiv, die, wie Schäuble in seiner Laudatio hervorgehoben hatte, »aufgrund ihrer Erfahrungen einen besonderen Beitrag zur Integration von ausländischen Jugendlichen leisten können«.
Dass Integration und vor allem Toleranz und Offenheit seit den Anfängen zu den Grundsätzen von Maccabi gehören, daran erinnerte im Film einer seiner Münchner Gründerväter. Von der Großleinwand berichtete Ehrenpräsident Fred Brauner den anwesenden Festgästen über alles, worauf er bei Maccabi stolz sein kann. Dass die Vereinsmitglieder auch stolz auf ihn sind und ihm seinen Einsatz danken, das war eines der Themen auch beim abschließenden Treffen.
Von der Maccabi-Delegation aus München nahmen Nathalie Scher-Kahn und Steven Guttmann die Ehrenurkunde in Empfang. Von dem Preisgeld in Höhe von 5000 Euro will der Sportverein weitere Aktionen finanzieren und einen Teil des Geldes in den Bau des neuen, ligafähigen Fußballplatzes auf seiner Sportanlage in Riem investieren, erzählten sie im Gespräch auf der Bühne mit Wolfgang Schäuble und Brigitte Zypries. Beim Mittagessen und auch noch beim Rückflug nach München blieb der Festakt weiter Gesprächsthema. Die Urkunde im Gepäck war da nur ein Teil, greifbar zwar und bald schon für alle sichtbar an einem Ehrenplatz im Vereinsheim.
Erste Gratulationen gab es schon übers Mobiltelefon von denjenigen, die auf Phönix die Übertragung gesehen hatten. Auch Gemeindepräsidentin Charlotte Knobloch ist stolz auf Maccabi. In einem Brief gratulierte sie dem Sportverein unter seinem Präsidenten Robert Rajber zu diesem Erfolg seiner engagierten, vorbildlichen ehrenamtlichen Tätigkeit. Sport kann junge Menschen verbinden. Maccabi widme sich dieser Aufgabe in herausragender Weise. Mit ihren Glückwünschen verband Charlotte Knobloch den Wunsch, dass Maccabi München neben allen Erfolgen, im sportlichen Bereich ebenso wie als Botschafter für Demokratie und Toleranz, auch bald die Realisierung des geplanten Fußballfeldes gelingen möge.
Das ist das nächste große Ziel. Doch auch hinsichtlich der Verständigung zwischen Kulturen und Religionen haben Maccabi München bereits jede Menge neuer Ideen. Schließlich, da waren sich alle, die bei der Auszeichnung in Berlin mit dabei waren, einig, ist diese Ehrung nicht nur Lob für Vergangenes, sondern auch Verpflichtung für die Zukunft.

Holocaust-Gedenken

Mendel und Wagner kritisieren Yad-Vashem-Entscheid

In Deutschland sollen zwei Niederlassungen der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem entstehen. Der jüdische Wissenschaftler Meron Mendel und der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Jens-Christian Wagner, sehen das in Teilen kritisch

 29.05.2026

Reisen

Kein Parkplatz am Ben-Gurion-Flughafen

US-Militärjets blockieren 70 Prozent des Flughafens. Flüge fallen aus, Airlines bleiben weg und kurz vor dem Sommer herrscht große Unsicherheit

von Sabine Brandes  29.05.2026

Diplomatie

Israels Präsident begrüßt ersten Botschafter Somalilands

Als weltweit erstes Land hatte Israel vor einem halben Jahr die muslimisch geprägte Region im Norden Somalias als unabhängigen Staat anerkannt. Jetzt kommt der erste Botschafter nach Israel

 18.05.2026

Internationaler Strafgerichtshof

Bericht: Geheime internationale Haftbefehle gegen Ben-Gvir und andere

»Haaretz« berichtet über mögliche neue Schritte gegen mehrere israelische Minister und Militärvertreter

von Sabine Brandes  17.05.2026

Stuttgart

Die Vorfreude steigt

Die Jüdische Allgemeine berichtet weiterhin live von der Jewrovision. Die Jugendzentren sind inzwischen nach und nach angekommen, das Madrichim-Team empfängt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor Ort. Die Vorfreude auf die Show steigt!

 15.05.2026

Genf

Döpfner fordert beim World Jewish Congress entschlossenen Kampf gegen Antisemitismus

Mit Blick auf die Hamas-Massaker vom 7. Oktober kritisiert der Springer-Chef die Reaktion: »Unmittelbar nachdem die Bilder der Opfer zu sehen waren, begann die Verharmlosung.«

 12.05.2026

In eigener Sache

Wir suchen Verstärkung

Wir suchen zum 1. Juli 2026 einen Politik-Redakteur (m/w/d) in Vollzeit

 07.05.2026

Jerusalem

Israel fordert von Großbritannien mehr Einsatz gegen Antisemitismus

Nach einem weiteren Terrorangriff auf Juden wirft Jerusalem London vor, die Lage nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Präsident Herzog: »Es ist an der Zeit, dass die Welt aufwacht.«

 30.04.2026

Polen

Israel fordert Konsequenzen nach Eklat mit Hakenkreuz-Flagge

Im Parlament hatte ein rechtsradikaler Abgeordneter eine israelische Flagge mit einem Hakenkreuz an Stelle des Magen David gezeigt

 22.04.2026