Abraham Hochwald

Der beredte Rebbe schweigt

von Rabbiner Joel Berger

Raw Abraham Hochwald ist tot. Er starb am 6. Juli nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 83 Jahren im Kreise seiner Familie in Antwerpen. Mit Abraham Hochwald verliert unsere Gemeinschaft einen der in Deutschland am längsten amtierenden Rabbiner und Lehrer.
Abraham Hochwald wurde am 9. Juni 1923 in Triest als Sohn polnischer Weltkriegsflüchtlinge geboren. 1939 flüchtete seine Familie ein zweites Mal, diesmal nach Jerusalem, wo er später an der Jeschiwa Chevron studierte. In Deutschland amtierte er zunächst in München, wo er neben Raw Jitzchak Grünewald sal. in den 60er und 70er Jahren als hochgeschätzte Persönlichkeit galt. Mit seiner einfühlsamen und hilfsbereiten Frau führte er ein offenes und stets gastfreundliches Haus, das für viele ehemalige DPs und alleingebliebene Menschen zum zeitweiligen Zuhause wurde.
Von München führte ihn sein Weg nach Norden. Raw Hochwald wurde Landesrabbiner in Niedersachsen. Auch hier wurde der Rabbiner als eine Persönlichkeit geachtet, die stets um Ausgleich zwischen den unterschiedlichen Strömungen in der Ge-meinde bemüht war. Seine Gemeindemitglieder lobten, neben seinem reichen Wissen, seine tolerante Einstellung und sein Taktgefühl. Später amtierte er lange Jahre in Düsseldorf und Aachen. Unter seiner Amtsführung wurde 1995 die neue Synagoge in Aachen eingeweiht.
Raw Hochwald besaß eine vielseitige Begabung. Sein geistreicher jüdischer, aus klassischen Quellen genährter Humor wird bei seinen Anhängern unvergeßlich bleiben. Eines seiner Bücher trägt den Titel: Die Weisen mehren den Frieden in der Welt. Dieses, aus dem Talmud stammende Zitat, beschrieb auch sein Lebensmotto. Allseits bewundert wurde seine Sprachgewandtheit. Er sprach nicht nur viele Sprachen, sondern gab gekonnt Wortspiele und Anekdoten zum Besten.
Das Ehepaar Hochwald hat zwei Kinder, Rabbiner Tuvia Hod, der sich als anerkannter Kenner der Kaschrut einen Namen gemacht hat, und die gleichermaßen gebildete Lehrerin der »Jessod Hatora« Schule in Antwerpen, Lea Hirsch.
Hinter dem Namen einer verstorbenen rabbinischen Persönlichkeit pflegt man drei hebräische Buchstaben zu setzen: Sajin, Jod und Ayin, eine Abkürzung für »Sechuto Jagen Alenu«, »seine Verdienste, die göttliche Gnade, die er erworben hatte, mögen auch uns schützen«. Die größte Gnade, die sich ein gesetzestreuer Jude wünschen kann wurde Raw Hochwald zuteil: Seine Kinder, sechs Enkel und drei Urenkel leben, arbeiten und werden im Geiste der Tora erzogen.

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