Erstklässler

Das kleine Alefbet

von Miryam Gümbel

Am 18. September war es endlich so weit: Schulbeginn für die Erstklässler in der Sinai-Schule, und das erstmals in den neuen Räumen im Gemeindezentrum am Jakobsplatz. Bereits im Foyer fotografierten die Eltern begeistert ihre Kinder mit riesigen Schultüten. In der Aula mussten noch zusätzliche Stühle herangeschafft werden, weil so viele Verwandte der Schulanfänger diesen so wichtigen Tag erleben wollten.
In guter Tradition der Sinaischule begrüßten dann die Größeren, deren Ferien schon einen Tag zuvor zu Ende gegangen waren, die neuen Mitschüler. Die Schüler der zweiten Klassen brachten die Situation gesanglich auf den Punkt: »Das komische Gefühl im Bauch, das hatten wir am Anfang auch. Nach einem Tag in diesem Haus schaut alles schon ganz anders aus!« Und dann gaben die kleinen Sänger noch einen Vorgeschmack auf den Lehrplan: Gemeinsam mit ihrer Klassenlehrerin Petra Eichenlaub hatten sie ein Lied einstudiert, in dem alle Buchstaben des hebräischen Alphabetes vorgestellt wurden. Denn Hebräisch gehört ebenso zum Lehrplan wie jüdische Religionslehre und möglichst früh schon eine weitere Fremdsprache. Schulleiterin Antonia Ungar stellte die modern ausgestattete Tagesgrundschule mit Förderräumen, Computer-, Werk- und Musikraum sowie einer »Turnhalle mit olympischem Ausmaß« und großen hellen Klassenräumen vor.
Dass diese Schule nun Wirklichkeit geworden ist, dafür sei vor allem Gemeindepräsidentin Charlotte Knobloch zu danken, betonte Ungar. Ihr Dank, auch im Namen des Lehrerkollegiums, galt ebenfalls Hanna Hornik, »die mir persönlich und der Sinai-Schule seit Jahren zur Seite steht« – früher im Elternbeirat, jetzt einfach im Interesse der Kinder und der jüdischen Gemeinschaft Münchens. An die Eltern gewandt versicherte Ungar, dass sie selbst und alle Lehrerinnen stets zu Gesprächen und zur Zusammenarbeit bereit seien. Als Charlotte Knobloch ans Rednerpult trat, war ihr anzumerken, wie glüc-klich sie darüber war, dass nun endlich auch der letzte Baustein in das neue Gemeindezentrum am Jakobsplatz eingefügt war. Nach wenigen Worten ging sie erst einmal auf die kleinen Schulanfänger zu, suchte ein kurzes Gespräch mit ihnen. Die Kinder erzählten, was sie in ihren Schultaschen hatten, manch einer oder eine hatten auch schon in ihre Schultüten gespitzt. Bei den Stichworten Malblock und Federmäppchen wünschte sich die Präsidentin dann ganz spontan ein selbst
gemaltes Bild.
In ihrer Ansprache dankte Charlotte Knobloch dem Einsatz von Schulleiterin und Kollegium. Dass sie diesen Tag hier erleben durfte, war für sie die Erfüllung eines 20 Jahre lang andauernden Traums. Ganz besonders sei dies, und das wiederholte sie ausdrücklich an dieser Stelle, dem Münchner Oberbürgermeister Christian Ude zu danken. Er habe ihren Wunsch, das Judentum aus den Hinterhöfen heraus ins Herz der Stadt zurückzuführen, »zur Chefsache erklärt und in die Hand genommen«. Ihr Dank galt auch dem anwesenden Vorstandsmitglied Marian Offman, der sich als Stadtratsmitglied ebenfalls für das Projekt eingesetzt habe. Beeindruckt von der Einschulungsfeier zeigte sich die Schulrätin Hildegard Broßmann vom Staatlichen Schulamt München, das auch für private Grund- und Hauptschulen zuständig ist. Gemeinderabbiner Steven Langnas knüpfte in seiner Rede an das Lied mit den hebräischen Buchstaben an: Es gäbe eine Geschichte, nach der habe Gott zuallererst die Buchstaben geschaffen. Diese habe er dann genommen als Bausteine für die ganze Welt. »Ihr werdet jetzt diese Buchstaben entdecken«, fuhr er zu den Kindern gewandt fort. Und er wünschte ihnen, dass sie damit eine gute jüdische Identität bauten.
Wie intensiv das Lernen auch der hebräischen Sprache an der Sinai-Schule gepflegt wird, unterstrichen die Schülerinnen und Schüler der vierten Klassen, die gemeinsam mit der Lehrerin Bruria Figdor einige hebräische Lieder vortrugen, bevor die Kinder der beiden ersten Klassen gemeinsam mit ihren Lehrerinnen, Diana Eschenburg und Nicole Hayduk, ihre neuen Schulzimmer bezogen. Auf den Aulaboden aufgeklebte farbige Fußtapper führten sie dabei optisch zu den richtigen Türen, an denen je ein großes Willkommensschild hing.

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