Entschädigung

»Das ist mir unter die Haut gegangen«

»Das ist mir unter
die Haut gegangen«

Hans Otto Bräutigam über die Entschädigung der Zwangsarbeiter

Herr Bräutigam, mehrere Jahre lang standen Sie an der Spitze der Stiftung zur Entschädigung der NS-Zwangsarbeiter. Jetzt haben Sie Ihren Abschied erklärt. Geben das Amt ab, weil alles getan ist (vgl. S. 2)?
bräutigam: Nein. Wir werden wohl noch genau ein Jahr brauchen, um das Auszahlungsverfahren zu beenden. Dann gibt es eine Endabrechnung für das Kuratorium. Damit wird die Entschädigung der Sklaven- und Zwangsarbeiter förmlich abgeschlossen sein. Ich gehe also, bevor die Sache zu Ende ist. Aber alles Wichtige ist geregelt.

Was hat bei Ihnen die meisten Spuren hinterlassen?
bräutigam: Als ich mit meiner Arbeit für die Stiftung begann, hatte ich nur eine vage Vorstellung davon, was Zwangsarbeit bedeutete. Das ganze Grauen dieser Zeit, die hohe Todesrate gerade unter den »Ostarbeitern« – davon habe ich erst in den vergangenen Jahren erfahren. Das ist mir unter die Haut gegangen, viel stärker, als ich vermutet hatte. Das war eine notwendige Erfahrung. Und noch etwas hat mich sehr beeindruckt: das Engagement der Mitarbeiter der Stiftung. Es war eine Freude zu sehen, wie die zumeist jungen Leute mit Idealismus und Tatkraft an die Sache herangegangen sind. Das war für sie mehr als ein Job. Gerade zu den Partnerorganisationen hat sich ein enges Vertrauensverhältnis gebildet.

Die Arbeit der Stiftung gilt nicht nur als einmalig, sondern auch als erfolgreich. Worauf führen Sie das zurück?
bräutigam: Zunächst einmal muß ich festhalten: Es ist ja keine Selbstverständlichkeit, daß fast 60 Jahre nach Kriegsende damit begonnen wurde, 1,6 Millionen Zwangsarbeiter in aller Welt zu erreichen und zu entschädigen. Das ist uns gelungen, auch wenn leider während des Auszahlungsverfahrens 15 Prozent der Leistungsberechtigen gestorben sind. Entscheidend für den Erfolg unserer Arbeit war, daß die Entschädigung von den Menschen als eine Art vertrauensbildende Maßnahme empfunden wurde. Sie waren dankbar dafür, auch für die Anerkennung des schweren Unrechts, das ihnen zugefügt wurde. Das gilt insbesondere für die osteuropäischen Länder.

Vertrauen in Deutschland – wird das vom Projekt »Entschädigung NS-Zwangsarbeit« bleiben?
bräutigam: Ich kann mir das vorstellen. Wir haben zumindest nach so vielen Jahren ein Zeichen gesetzt, vielleicht ein historisches.

Mit dem scheidenden Chef der Bundesstiftung für die Entschädigung der NS-Zwangsarbeiter sprach Christian Böhme.

In eigener Sache

Volontär/in gesucht

Wir suchen zum 15. Oktober 2026 einen Volontär (m/w/d) in Vollzeit

 06.07.2026

Holzstörche zur Geburt in Niederösterreich. Noch immer werden neben den klassischen Namen viele biblische Namen den Kindern gegeben.

Statistik

Diese hebräischen Vornamen in Österreich sind am beliebtesten

Österreichische Eltern wählen gern Klassiker. Unter den Top Ten sind auch viele Namen biblischen Ursprungs

von Nicole Dreyfus  04.07.2026

Bundesamt für Statistik

Dieser hebräische Vorname ist am beliebtesten bei Schweizer Eltern

Auch in der Schweiz wählen Eltern weiterhin häufig biblische Namen für ihr Neugeborenes

von Nicole Dreyfus  04.07.2026 Aktualisiert

Erhebung

Dieser hebräische Babyname ist in Deutschland am beliebtesten

Welche Namen geben Eltern ihren Sprösslingen in diesem Jahr am liebsten? In welchen Bundesländern gibt es Abweichungen?

 04.07.2026 Aktualisiert

Doha

Indirekte Gespräche zwischen Iran und USA sollen begonnen haben

Die Lage zwischen den USA und dem Iran bleibt weiter angespannt. Dennoch laufen nun Gespräche im Golfstaat Katar

 01.07.2026

Diplomatie

»25 Gründe, warum ich Israel vermisse«

Der deutsche Botschafter Steffen Seibert verlässt in wenigen Tagen nach vier Jahren das Land und kehrt zurück nach Berlin

von Sabine Brandes  30.06.2026

Resümee

Felix Klein: Lebensqualität für Juden hat sich verschlechtert

Nach acht Jahren im Amt wechselt der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, im August den Job. Auf seine Amtszeit blickt der 58-Jährige mit gemischten Gefühlen zurück

von Corinna Buschow, Markus Geiler  29.06.2026

Bündnis Sahra Wagenknecht

Mit einer Portion Antisemitismus gegen den Zionismus

Das Jugendbündnis im BSW hat einen Beschluss zum Zionismus gefasst, der aufhorchen lässt. Auf Instagram verwendete der Verband zudem antisemitische Bildsprache aus der NS-Zeit

von Michael Thaidigsmann  22.06.2026

Zeitgeschichte

Georges-Arthur Goldschmidt sieht Guillotine am Beginn der Schoa

Der französisch-deutsche Schriftsteller sagte in einem Interview »Diese Normalisierung der Todesstrafe hat Europa zerstört.«

 09.06.2026