Hans Wall

»Das hat mich erschüttert«

Herr Wall, Sie waren am vergangenen Wochenende in Sderot. Was führte Sie, einen Berliner Unternehmer, in diese südisraelische Stadt, die seit sieben Jahren mit palästinensischen Raketen be-
schossen wird?
wall: Ich war noch nie in Israel. Doch ich habe Berichte darüber gehört, was in Sderot passiert. Dass Tag für Tag Raketen auf Kinder und Familien abgeschossen werden, ohne dass irgendjemand eingreift. Das hat mich erschüttert. Ich wollte einmal dorthin, um den Menschen zu sagen, dass sie nicht alleine sind. Ich wollte ihnen sagen, dass wir alle entsetzt sind, vor allem hier in Berlin, wo wir uns sehr mit Israel verbunden fühlen. Ich war mit einer kleinen Delegation des Bezirks Steglitz-Zehlendorf dort, mit dem Bundestagsabgeordneten Karl-Georg Wellmann und Bezirksbürgermeister Heinz Kopp. Wir wollten uns vor Ort informieren und mit den Bürgern reden.

Und, haben Sie mit ihnen geredet?
wall: Ja, mit vielen. Aber es gab auch einige, die uns zuriefen: »Haut endlich ab, lasst uns in Ruhe. Wir wollen nicht, dass hier ständig zugeguckt wird.«

Wie haben sie darauf reagiert?
wall: Ich habe mir in dem Moment gedacht, dass ich genauso reagieren würde. Denn die Menschen können es einfach nicht verstehen, dass die internationale Gemeinschaft nichts unternimmt und dass der eigenen Regierung auch in gewisser Weise die Hände gebunden sind. Denn die Raketen werden vielfach aus dicht besiedelten Gebieten im Gasastreifen abgeschossen. Würde die israelische Armee zurückschlagen, gäbe es auch dort tote und verletzte Kinder und Familien. Ein Dilemma. Und die ganze Welt schaut zu. Das ist ein Verbrechen.

Was war das beeindruckendste Erlebnis?
wall: Wir waren nur einen Tag da, an dem weiter nichts passierte. Kein Raketenangriff. Aber wenige Tage zuvor wurde ein Wohnhaus getroffen und dabei ein achtjähriger Junge schwer verletzt. Ihm wurde jetzt ein Bein amputiert. Ein Achtjähriger, der nichts dazu kann! Der Junge kommt aus einer sozial schwächeren Familie. Das hat mich sehr berührt, sodass ich spontan angeboten habe, die Ausbildungskosten für ihn zu übernehmen.

Werden Sie sich auch weiter engagieren?
wall: Auf jeden Fall. Ich betrachte mich als Freund Israels. Ich fühle mich den Menschen dort sehr verbunden. So wie ich mich auch der Jüdischen Gemeinde in Berlin verpflichtet fühle, deren Projekte ich unterstütze.

Mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden der
Wall AG sprach Detlef David Kauschke.

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