WM 2010

Dabei sein ist alles

Von Lukas Hermsmeier

Mit großen, schnellen Schritten läuft Ben Sahar zu den israelischen Fans und reißt vor der jubelnden Masse die Hände in die Luft. Der 19-jährige Stürmer hat soeben in letzter Sekunde den 2:2-Ausgleichstreffer gegen die Schweiz erzielt, nachdem er die ersten 45 Minuten noch auf der Bank verbringen musste. Mit einer beachtlichen Aufholjagd in den letzten 20 Minuten konnte die Mannschaft von Trainer Dror Kashtan immerhin einen Punkt und damit ein lange Zeit schlechtes und langweiliges Spiel noch retten. Dabei sah es am vergangenen Samstagabend über weite Strecken des Spieles nicht danach aus, als ob die 31.000 Zuschauer im Tel Aviver Ramat Gan Stadion etwas zu feiern haben würden.
Das Auftaktspiel der Qualifikation für die WM 2010 in Südafrika war von den israelischen Fußballfans im Vorfeld mit viel Euphorie und Hoffnung begleitet worden. Vom anfänglichen Enthusiasmus war Mitte der zweiten Hälfte allerdings nichts mehr zu spüren. Durch Treffer von Hakan Yakin (44. Minute) und Blaise Nkufo (56.) lag die Schweiz souverän mit 2:0 in Führung.
Das Publikum hatte den Schuldigen für die sich anbahnende Niederlage schnell ausgemacht und forderte Trainer Kashtan mit Sprechchören dazu auf, nach Hause zu gehen. Der blieb erwartungsgemäß an der Seitenlinie und verfolgte, wie seine Mannschaft durch Mittelfeldstar Yossi Benayoun in der 73. Minute zum Anschlusstreffer kam. In der Nachspielzeit hielt es selbst Torhüter Dudu Aouate nicht mehr im eigenen Kasten. Ein letzter langer Verzweiflungsball des Torwartes landete bei Moshe Ohayon, der in den Strafraum flankte, wo Sahar mit einer sehenswerten Direktabnahme zum Ausgleich traf. Nach dem Spiel lobte Coach Kashtan die Moral seiner Mannschaft: »Es ist nicht einfach, einen 0:2-Rückstand aufzuholen. Die Jungs haben Ausdauer und Ehrgeiz gezeigt.«
Das Spiel war ein Vorgeschmack darauf, was die Israelis in der Qualifikation für die WM in Südafrika erwartet. In Gruppe 2 wird es vermutlich zu einem spannenden Dreikampf zwischen Griechenland, der Schweiz und Israel kommen. Von Experten wird die Gruppe, die von den Außenseitern Moldawien, Lettland und Luxemburg komplettiert wird, als schwächste aller europäischen Gruppen eingeschätzt. Die Chancen für Israel, sich nach 1970 zum zweiten Mal für eine WM zu qualifizieren, stehen also nicht schlecht. Kein Wunder, dass die Spieler immer wieder auf die erste und einzige WM-Teilnahme vor 38 Jahren angesprochen werden. Zwar schied man damals bei der Endrunde in Mexiko sieglos in der Vorrunde aus, an den international größten Erfolg erinnert man sich trotzdem gerne. Die Fußballer scheinen diese Geschichten jedoch zu nerven. »Lasst mich in Ruhe mit den Geschichten von 1970. Ich kann sie nicht mehr hören«, sagt zum Beispiel Ben Sahar vom englischen Klub FC Portsmouth.
Dennoch, die Erwartungen sind groß. Nicht zuletzt, weil die derzeitige Auswahl als eine der bislang stärksten gilt. Ein Großteil der Akteure ist bei Vereinen im Ausland unter Vertrag. Allein in der wohl besten Liga der Welt, der englischen Premier League, spielen gleich vier Spieler. In der Bundesliga sind mit Roberto Colautti und Gal Albermann (beide bei Mönchengladbach) mittlerweile zwei Israelis vertreten.
Nachdem der jüdische Staat bei den Qualifikationen zu den letzten drei großen Turnieren jeweils auf der Zielgeraden knapp scheiterte, ist die Vorgabe für 2010 eindeutig. »Wir wollen unbedingt zur WM nach Südafrika«, sagt Kashtan. Für die anstehende Qualifikation baut man in Israel auf die Heimstärke. Im Hexenkessel von Tel Aviv bei Temperaturen um 30 Grad sind in den letzten Jahren nicht wenige hochkarätige Mannschaften gescheitert. Aber in den Spielen gegen vermeintlich kleine Gegner dürfen keine Punkte verloren gehen. Das Auswärtsmatch gegen Moldawien am gestrigen Mittwoch war bei Redaktionsschluss noch nicht beendet.
Der nächste richtige Härtetest steht im März nächsten Jahres an. Dann empfängt Israel Griechenland. In diesem Jahr muss Israel, aktuell 19. der Fifa-Weltrangliste, noch nach Luxemburg (11.10.) und Lettland (15.10) reisen. Auf dem Papier leichte Gegner. Aber hier muss die Mannschaft beweisen, dass sie nicht nur im heimischen Ramat Gan Stadion zu Großem fähig ist.

Demonstrierende schwenkten am Montag israelische und iranische Flaggen vor der israelischen Botschaft in Berlin und riefen „Danke, IDF!“.

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