Trauung

Chuppa am Jakobsplatz

von Ellen Presser

Lag Baomer 5767, was auf den 6. Mai 2007 fiel, wird in die Annalen der Münchner Kehilla eingehen. An diesem Sonntag fand in der Synagoge »Ohel Jakob« die erste Hochzeit statt. Wo auf der Bima sonst die Tora zur Geltung kommt, war ein weißer Traubaldachin über die vier Eckpfeiler gespannt. Die Empore bot der ganzen Trauungsgesellschaft, dem Paar Deborah und Peter, den Brautelternpaaren Stopnitzer und Wilson, der vor kurzen nach fast 63-jähriger Ehe verwitweten Großmutter Basia Lehrer sowie dem Rabbiner einen würdigen Rahmen.
Daß der Synagogenchor »Schma Kaulenu« und Kantor Avishai S. Levin bei der festlichen Zeremonie ihr Bestes gaben, versteht sich von selbst. Was sich der Bräutigam Peter – ein eher zurückhaltend, besonnen wirkender Computerfachmann aus London – traute, versetzte die annähernd 400 Anwesenden dann in anerkennendes Staunen. Er stimmte als Solist das Eschet Chajil, das Loblied auf die Frau, an, als die Braut von ihrer sichtlich gerührten Mutter Sara und ihrer künftigen Schwiegermutter Marion hereingeführt wurde.
Rabbiner Steven Langnas genoss als gebürtiger Amerikaner die Situation sichtlich, die Trauung zweisprachig Englisch-Deutsch gestalten zu können. Er betonte die Mizwa von »Kidduschin« und was es bedeute, dass Deborah und Peter gemäß den Gesetzen der Tora heiraten. Humorvoll wies er den Bräutigam darauf hin, in welch angesehene, ihre Jüdischkeit selbstbewusst lebende Familie er einheirate, dass seine Braut »Tachlis, praktisches Denken« mit Einfühlsamkeit verbinde. Eine Chuppa am Lag Baomer stehe auf Seiten der Braut nun schon in der dritten Generation in echter Familientradition. Das habe für die Eheschließung der Großeltern Lehrer ebenso gegolten wie für die der Eltern David und Sara Stopnitzer. Als die beiden 1970 in der Synagoge in der Münchner Reichenbachstraße heirateten, waren die Wände noch rußgeschwärzt von den Spuren eines schrecklichen Brandes. Die Hochzeit der Tochter als erste in der neuen Synagoge sei wie eine »Wiedergutmachung«, und er fuhr fort: »Möge die Freude, die heute hier herrscht, in den Wänden unseres Beis Haknesses absorbiert werden und eine positive Wirkung auf alle zukünftigen Tefillos und Simches in unserer Mitte haben.«
Den Passanten am St.-Jakobs-Platz bot sich an diesem frühen Sonntagabend ein besonderer Anblick, als die festliche Hochzeitsgesellschaft durch das weit geöffnete Hauptportal der Synagoge zum Gemeindezentrum hinüberzog, um im Hubert-Burda-Saal bis tief in die Nacht hinein so ausgelassen zu feiern, wie dies nur an diesem einen Tag während der Omer-Zeit erlaubt ist. Feines Essen und beschwingte Musik gehörten dazu. Doch den Vogel schoß der Brautvater Stoppi ab mit seiner launigen zwischen Deutsch, Jiddisch und Englisch wechselnden Ansprache. Von der Geschenke- bis zur »Broiges«-Liste, also wen man auf keinen Fall mit wem an einen Tisch setzen durfte, nahm er alle Klippen einer Hochzeitsvorbereitung auf die Schippe. Die Idee eines Sushi-Buffets des Caterers habe er schon deshalb verworfen, weil es sich bei den »Gästen nicht um 360 Japaner handelte, sondern um Juden, vornehmlich aus den östlichen Teilen Europas, von denen die meisten Shushi für eine fernöstliche Kampfsportart halten«.
Während sein Vater Jerry die familiäre Stimmung mit Fotos einzufangen suchte, erzählte der Bräutigam Peter (die Familie hat schon in der Großväter-Generation den Namen von Weinberg zu Wilson anglisiert), wie er die Frau seines Lebens in einem jüdischen Internetforum kennengelernt hat. So wurde eine ganz moderne Partnersuche mit einer der Tradition verbundenen Hochzeit gekrönt.

Iraner in Deutschland

»Einfach leben«

Der Exil-Iraner und Musikmanager Babak Shafian war bisher skeptisch, wenn es um den möglichen Fall des Mullah-Regimes ging. Diesmal ist er hoffnungsvoll. Der Grund dafür ist Israel

 04.03.2026

Demonstrierende schwenkten am Montag israelische und iranische Flaggen vor der israelischen Botschaft in Berlin und riefen „Danke, IDF!“.

Berlin

Zeichen gegen Teheran

Exil-Iraner demonstrierten vor Israels Botschaft in Berlin und drücken ihre Hoffnung auf einen Neuanfang aus

 03.03.2026

Botschafter Ron Prosor: Das Regime in Teheran steht mit dem Rücken zur Wand

Interview

»Ich bin für die klare Haltung Deutschlands dankbar«

Israels Botschafter Ron Prosor zu deutschen Reaktionen nach den Angriffen auf den Iran, zur Sicherheitslage israelischer und jüdischer Einrichtungen sowie zu einer Nachricht zu Purim

von Detlef David Kauschke  02.03.2026

Nahost

Iran greift erstmals europäisches Ziel an: Drohne trifft britischen Stützpunkt auf Zypern

Nach Ausrufung einer Sicherheitswarnung erschütterten Explosionen die Basis. Kampfjets der Royal Air Force hoben nach Angaben von Flugbeobachtern ab, um den Luftraum zu sichern

 02.03.2026

Zusammenfassung

Israels Armee: Wir greifen Ziele des iranischen Terrorregimes im Herzen von Teheran an

Der Iran hat mittlerweile bestätigt, dass etliche hochrangige Militärs wie Generalstabschef getötet wurden

 01.03.2026

Analyse

»Der Iran hat nicht die Schlagkraft«

Das iranische Regime kann den Angriffen von Israel und den USA aus Sicht des Politologen Maximilian Terhalle militärisch wenig entgegensetzen - und durchaus gestürzt werden

 28.02.2026

Deutschland

Höhere Sicherheitsmaßnahmen nach Angriff auf Iran

Hessen verstärkt die Sicherheitsvorkehrungen. Laut Innenministerium betrifft dies besonders jüdische, israelische und amerikanische Einrichtungen

 28.02.2026

Rabbinerausbildung

»Sehr bedeutsamer Schritt«

Die Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg und die Nathan Peter Levinson Stiftung beabsichtigen Kooperation

 19.02.2026

Brandenburg

Gesetzestreue Jüdische Landesgemeinde kritisiert Ministerium

Seit vielen Jahren versucht eine streng orthodoxe jüdische Gemeinde in Brandenburg, höhere staatliche Zuschüsse zu bekommen. Dafür werden auch immer wieder die Gerichte eingeschaltet

 18.02.2026