Ehrung

Brückenbauer

Schon im Foyer des Gemeindezentrums der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) füllte ein Stimmengewirr aus Hebräisch und Deutsch den Raum: ging es doch um eine Begegnung von Menschen aus beiden Ländern. Mittelpunkt des Geschehens war Joske Ereli. Er bekam von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann das Bundesverdienstkreuz am Bande überreicht. Geboren wurde der heute 87-Jährige als Josef Ehrlicher in Bad Kissingen. Heute lebt er in Ein Gedi am Toten Meer. Das alleine erkärt die hohe Auszeichnung durch den Bundespräsidenten nicht. Er wurde geehrt für »sein unermüdliches Wirken um die Völkerverständigung und Aussöhnung zwischen Israel und Deutschland«. Jedem, der zum Beispiel während seines Israel-Urlaubs einmal den Kibbuz Ein Gedi besucht hat, ist der engagierte fränkische Israeli ein Begriff. Ereli hat sich unter anderem dafür eingesetzt, dass die Oase am Toten Meer zu einem beliebten und bekannten Erholungsort geworden ist. So war unter den Gästen des Festaktes nicht nur die Familie des Geehrten, einschließlich der Enkelkinder. Auch Vertreter der Tourismus-Branche waren gekommen, von der israelischen Fluggesellschaft El Al ebenso wie der lange Jahre in Sachen Israel-Reisen aktive Julek Kolatacz, begleitet von seiner Frau Claudia.

Heimat Doch auch Fränkisch war in der bayerischen Metropole an diesem Nachmittag zu hören: Mit dem Bus waren Freunde und Weggefährten aus dem unterfränkischen Kurbad an der Saale angereist, darunter Landräte und Bürgermeister. Auch vom Toten Meer war politische Prominenz angekommen: Don Litvinoff, der Vertreter des Bezirks »Tamar« was in etwa einem Landrat entspricht, war ebenfalls unter den Gratulanten. Das Miteinander mit der alten Heimat war zunächst nicht selbstverständlich. Der Kaufmannssohn Ehrlicher aus einst angesehener Familie musste als Junge erleben, wie er nahezu von einem Tag auf den anderen von seinen früheren Freunden und Schulkameraden geschnitten wurde. 1938 konnte er nach Palästina auswandern. Aus dem verfemten Deutschen Josef Ehrlicher wurde der israelische Staatsbürger Joske Ereli. 1980 kam zum ersten Mal eine Schülergruppe aus Bad Kissingen in seinen neuen Heimatort Ein Gedi. So bahnten sich die alten Kontakte neu an. 1984 gab es die ersten offiziellen Begegnungen mit der Stadt, die im Jahr 1997 zu einer Landkreispartnerschaft zwischen den beiden Regionen geführt haben. Heute haben sich die amtlichen Beziehungen zu weitreichenden und beispielhaften zwischenmenschlichen Kontakten entwickelt. Vorwiegend junge Menschen fanden so zueinander, Brücken wurden gebaut Menschen aus Israel und Deutschland können sich wieder die Hände reichen. Ereli selbst hat seine Geburtsstadt erst 50 Jahre nach seiner Emigration besucht. Seinen 66. Geburtstag hat er in Bad Kissingen mit seiner Familie gefeiert. Mit dem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt, in der sein Großvater 1908 als erster Jude in den Kissinger Magistrat gewählt worden war, hat er in der Münchner IKG einen weiteren Schritt der Aussöhnung mit der Vergangenheit gemacht. Die Auszeichnungen freuten Ereli als Zeichen der Anerkennung seines Engagements. Seiner Frau Rachel gratulierte Innenminister Herrmann mit einem riesigen Blumenstrauß. In seiner Laudatio hatte er auch die Verpflichtung betont, alles dazu zu tun, dass die Vergangeheit nicht in Vergessenheit gerät. Und er fügte hinzu: »Umso dankbarer bin ich, wenn sich auch die Jugend aus Israel mit diesem ganz persönlichen besonderen Schicksal um Verständigung zwischen Israel und Deutschland bemüht.« Auch Politiker aus Bad Kissingen waren zu der Feier gekommen und beglückwünschten Ereli. Damit verbunden waren auch ganz persönliche Erinnerungen. Hausherrin Charlotte Knobloch gratulierte ebenfalls und dankte auch Joachim Herrmann, dass er für die feierliche Übergabe des Bundesverdienstkreuzes die Räume der IKG ausgesucht habe. Denn das sei auch für sie eine große Ehre.

In eigener Sache

Volontär/in gesucht

Wir suchen zum 15. Oktober 2026 einen Volontär (m/w/d) in Vollzeit

 06.07.2026

Holzstörche zur Geburt in Niederösterreich. Noch immer werden neben den klassischen Namen viele biblische Namen den Kindern gegeben.

Statistik

Diese hebräischen Vornamen in Österreich sind am beliebtesten

Österreichische Eltern wählen gern Klassiker. Unter den Top Ten sind auch viele Namen biblischen Ursprungs

von Nicole Dreyfus  04.07.2026

Bundesamt für Statistik

Dieser hebräische Vorname ist am beliebtesten bei Schweizer Eltern

Auch in der Schweiz wählen Eltern weiterhin häufig biblische Namen für ihr Neugeborenes

von Nicole Dreyfus  04.07.2026 Aktualisiert

Erhebung

Dieser hebräische Babyname ist in Deutschland am beliebtesten

Welche Namen geben Eltern ihren Sprösslingen in diesem Jahr am liebsten? In welchen Bundesländern gibt es Abweichungen?

 04.07.2026 Aktualisiert

Doha

Indirekte Gespräche zwischen Iran und USA sollen begonnen haben

Die Lage zwischen den USA und dem Iran bleibt weiter angespannt. Dennoch laufen nun Gespräche im Golfstaat Katar

 01.07.2026

Diplomatie

»25 Gründe, warum ich Israel vermisse«

Der deutsche Botschafter Steffen Seibert verlässt in wenigen Tagen nach vier Jahren das Land und kehrt zurück nach Berlin

von Sabine Brandes  30.06.2026

Resümee

Felix Klein: Lebensqualität für Juden hat sich verschlechtert

Nach acht Jahren im Amt wechselt der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, im August den Job. Auf seine Amtszeit blickt der 58-Jährige mit gemischten Gefühlen zurück

von Corinna Buschow, Markus Geiler  29.06.2026

Bündnis Sahra Wagenknecht

Mit einer Portion Antisemitismus gegen den Zionismus

Das Jugendbündnis im BSW hat einen Beschluss zum Zionismus gefasst, der aufhorchen lässt. Auf Instagram verwendete der Verband zudem antisemitische Bildsprache aus der NS-Zeit

von Michael Thaidigsmann  22.06.2026

Zeitgeschichte

Georges-Arthur Goldschmidt sieht Guillotine am Beginn der Schoa

Der französisch-deutsche Schriftsteller sagte in einem Interview »Diese Normalisierung der Todesstrafe hat Europa zerstört.«

 09.06.2026