Dokumentarfilm

Bilder und Wahrheit

Wahrheitsfindung ist nicht unbedingt die erste Tugend von Journalisten, die über Konflikte im Nahen Osten berichten. Zwei, die das in ihren akribischen Filmrecherchen immer wieder sichtbar und sich damit bei einigen ihrer Kollegen unbeliebt machen, sind Esther Schapira und Georg M. Hafner. Die beiden Mitarbeiter des Hessischen Rundfunks wurden 2007 mit der Buber-Rosenzweig-Medaille geehrt.
Auf Einladung der Initiative AmEchad war Esther Schapira, Redakteurin des Films »Das Kind, der Tod und die Wahrheit« in München. Er ist das zweite Kapitel eines Medienskandals, der bis heute in weiten Kreisen nicht als solcher begriffen wird. 2002 hatte die Fernsehjournalistin mit dem Film »Das Rote Quadrat: Drei Kugeln und ein totes Kind« eine Ikone antiisraelischer Propaganda als Lüge entlarvt. Die Bilder vom Tode des zwölfjährigen Mohammed al-Dura in den Armen seines Vaters gingen um die Welt. Schauplatz des Dramas war eine Kreuzung in Gasa. Dort starb der Zwölfjährige am 30. September 2000 im Kugelhagel. Die Bilder des palästinensischen Kameramanns Talal Abu Rahme und die Reportage des französischen Nahost-Korrespondenten Charles Endeler machten israelische Soldaten verantwortlich. Esther Schapira recherchierte: Was war wirklich geschehen, woher kamen die Schüsse? Dass die beiden al-Duras nicht im Sperrfeuer der Israelis, sondern palästinensischer Heckenschützen lagen, interessierte niemanden. Kaum ein Bild hat Israels schlechtes Image mehr geprägt als das Motiv von Vater und Sohn, Schutz suchend hinter einem Betonfass.
Im Rahmen eines anderen Projekts entdeckte Schapira eine noch viel dramatischere Geschichte. Eigentlich wollte sie recherchieren, wie sich Soldaten in einer »asymmetrischen Kriegsführung, mit Kindern auf der anderen Seite, fühlen«. Heraus kam eine Sensation: »Das Kind, der Tod und die Wahrheit – Das Rätsel um den Palästinenserjungen Mohammed al-Dura«. Schapira, die gar nicht den Tod des Kindes bezweifelt hatte, wies nach, dass der am gleichen Abend beerdigte und inzwischen in der arabischen Welt als Märtyrer verehrte Junge ein anderer als das Opfer des Schusswechsels um 14 Uhr war, vermutlich dessen Cousin Rami. Was mit Mohammed geschah, ist ebenso offen wie die Frage, woher die Narben des Vaters herrühren. Was er als Folge der Schüsse präsentiert, sieht nach den Spuren einer Operation aus dem Jahr 1994 aus.
Im Gespräch mit Anita Kaminski und Andreas Wittenzellner vom Am-Echad-Vorstand berichtet Schapira, dass über den Nahost-Konflikt enorm viel Journalisten berichteten, sie stünden in einem extremen Wettbewerb. Endeler war gar nicht in Gasa gewesen war, übermittelte an seinen Fernsehsender France 2 die Bilder seines palästinensischen Kameramanns mit Bürokommentar, trug mit dieser Falschmeldung erheblich zum Ausbruch der zweiten Intifada bei. Dass er schlampig arbeitete, war Thema zweier Prozesse, die Philippe Karsenty aus Neuilly auf der Suche nach der Wahrheit anstrengte. Schapira erläutert, dass »Bilder als glaubwürdig gelten, die vorgefertigten Meinungen entsprechen«. Es bestehe die Tendenz, »Israel entlarven zu wollen«. Während allgemein eine große Bereitschaft bestand, dem ersten Eindruck zu glauben – in Frankreich unterschrieben dreitausend Intellektuelle eine Ehrenerklärung für den Journalisten Endeler – ergaben sich für Esther Schapira und Georg M. Hafner immer mehr Fragezeichen bezüglich des wahren Geschehens: Warum gibt es nicht mehr Aufnahmen, wo doch etliche Kamerateams da waren? Warum hatte der Kameramann so wenige Aufnahmen vorzuweisen? Und doch sind sogar diese bemerkenswert für eine ganz andere Interpretation: Warum war am Tag des Vorfalls keinerlei Blut am Tatort, am Tag danach aber schon? Wieso bewegt sich das Kind zu einem Zeitpunkt, da es bereits als erschossen galt? Ellen Presser

Die Universität Pennsylvania will nicht auf die Forderung eingehen, Daten jüdischer Mitarbeitenden zu veröffentlichen.

USA

Müssen US-Unis Informationen über jüdische Mitarbeiter herausgeben?

Die Universität Pennsylvania wehrt sich gegen die Forderung, persönliche Daten jüdischer Mitarbeitender auszuhändigen. Der Fall wird vor einem US-Bundesgericht verhandelt.

von Nicole Dreyfus  29.01.2026

Fernsehen

Wie Skandal-Camper Gil Ofarim erste Sympathie-Punkte sammelt

Kompliment und Kloppe für Gil Ofarim

von Aleksandra Bakmaz  29.01.2026

TV

Dschungelcamp: Gil Ofarim will nicht sprechen - oder doch?

Bei Hitze und Hunger schütten die Campteilnehmer sich gegenseitig ihr Herz aus. Am zweiten Tag in Down Under lassen die Dschungelbewohner tief blicken. Doch nicht jeder bekommt Mitleid

von Inga Jahn  02.02.2026 Aktualisiert

Leipzig

Gegensätzliche Nahost-Demos linker Gruppen 

Ein Team des MDR wurde aus der antiisraelischen Demo heraus angegriffen

 17.01.2026

TV-Tipp

Als David Bowie weinte: Arte-Doku beleuchtet die Schattenseiten eines musikalischen Genies

Oft feiern Filmporträts ihre Protagonisten mehr oder weniger unkritisch. Eine Arte-Doku über Popstar David Bowie wählt einen anderen Weg - und ist genau deshalb so gelungen

von Manfred Riepe  14.01.2026

Brandenburg

»Was soll der Scheiß?«: Nach Brandanschlag - Büttner übt scharfe Kritik an Linken-Spitze

Die Hintergründe

 10.01.2026

Antisemitismus

Die kruden Thesen eines AfD-Abgeordneten

Ein AfD-Parlamentarier teilte einen Instagram-Post, in dem die Rothschild-Familie mit dem Untergang der »Titanic« 1912 in Verbindung gebracht wird

 08.01.2026

Brandenburg

Generalstaatsanwaltschaft übernimmt Ermittlungen nach Anschlag auf Büttner

Nach dem Brandanschlag und die Morddrohung gegen den Antisemitismusbeauftragten haben die Ermittler eine Belohnung in Höhe von 10.000 Euro für Hinweise ausgesetzt

 07.01.2026

Potsdam

Antisemitismusbeauftragter erhöht Sicherheitsvorkehrungen

Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter Andreas Büttner ist immer wieder Drohungen ausgesetzt. Nach einem Brandanschlag und einer Morddrohung per Brief verschärft er nun Sicherheitsmaßnahmen. Die Solidaritätsbekundungen für ihn reißen nicht ab

 07.01.2026