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Ben Gurions Doppelgänger

von Sabine Brandes

Haben Sie schon immer heimlich gewußt, daß Sie eigentlich nach Hollywood gehören? Meinen Sie, Sie sehen haargenau so aus wie Staatsgründer Ben Gurion? Oder wollen Sie einfach nur etwas zum Lachen haben? Dann sind Sie auf der Website www.myheritage.com genau richtig. Vielleicht sind Sie ja eine Mischung aus Tom Cruise, Brad Pitt und Al Pacino? Haben Sie den Schmollmund von Angelina Jolie oder den Charakterkopf von Albert Einstein? Ein paar Klicks, und Sie werden es erfahren. Einfach ein Foto hochladen, und schon nach wenigen Augenblicken findet das kostenlose Tool zur Gesichtserkennung eine Reihe von Berühmtheiten, die Ihnen – mehr oder weniger – ähnlich sehen.
Eigentlich jedoch hat Myheritage (zu deutsch: Mein Erbe) einen wesentlich ernsteren Hintergrund und ist nicht ausschließlich zum Schmunzeln gemacht. Geschäftsführer Gilad Japhet erklärt: »Unsere Vision ist es, daß Menschen in der ganzen Welt die Kraft des Internets nutzen, um ihre Herkunft kennenzulernen und ihre Verbindungen zu Familie und Freunden zu stärken.« Die israelische Firma mit ihren 27 Angestellten sitzt in dem 1902 von deutschen Templern gegründeten Dorf Bnei Atarot in der Nähe von Tel Aviv. Auch der Sitz hat Bedeutung. »Bnei Atarot hat Geschichte und ist doch ganz modern restauriert worden. Das paßt zu unserem Unternehmen. Denn auch wir arbeiten mit den Werkzeugen der Zukunft und schauen auf Familiengeschichten von gestern«, sagt Japhet.
Die Gesichtserkennungssoftware erobert das weltweite Netz im Sturm: Erst im Januar ist die Website ans Netz gegangen und hat seitdem bereits mehr als 2,5 Millionen Abonnenten gewonnen. Sie steht an Platz 19 der meistdiskutierten Sites in den Internet-Blogs und schlägt damit sogar ICQ, das erfolgreiche Chat-Tool aus Israel, um Längen. Die Berühmtheiten umfassen Stars der A-Liga wie Madonna oder Nicole Kidman über Sternchen wie Paris Hilton, aber auch Sportler, Politiker, berühmte Wissenschaftler und längst vergessene historische Persönlichkeiten. Und simpel ist es zudem: Der Benutzer stellt einfach ein Foto von sich selbst, Freunden oder Familienmitgliedern ins Netz und erhält binnen weniger Sekunden bis zu zehn Bilder von berühmten Doppelgängern. Mehr als 100.000 Fotos werden tagtäglich hochgeladen. Und alle wollen wissen, ob sie sich endlich wie ein echter Star fühlen dürfen. »Ja, offensichtlich haben wir einen Nerv getroffen«, meint Ideengeber Japhet, der alle 3.200 Persönlichkeiten für die Seite eigenhändig ausgesucht hat. »Wir leben in einer Zeit, in der Prominente sehr wichtig sind. Die Menschen sind versessen darauf zu sehen und zu hören, was mit ihren Lieblingsstars passiert. Und es ist natürlich ein ganz besonderer Kick, wenn man weiß, daß man eigentlich gar nicht so anders aussieht als die ganz Großen.«
Dabei ist die Doppelgänger-Forschung lediglich ein nettes Zusatztool auf der Seite. Myheritage ist hauptsächlich für die Ahnenforschung ins Leben gerufen worden. Interessierte können recherchieren und mit den Ergebnissen ihren persönlichen Familienstammbaum bauen. Auch hierfür hat Japhet ein besonderes Anliegen: »Wir wollen helfen, den Familienzusammenhalt in der heutigen Zeit zu stärken.« Im Internet gebe es unzählige Seiten, auf denen sich Schulkameraden finden und Freunde in Kontakt bleiben können, doch Angebote für Familien seien rar und oft wenig professionell, weiß er. »Ahnenforschung hat in den vergangenen zehn Jahren immer mehr zugenommen, und wir wollen diese Nische im Internet nutzen.«
Japhet selbst ist passionierter Ahnenforscher. Seit er im Alter von 13 Jahren für die Schule einen Stammbaum anlegen mußte, hat ihn die Suche nach verschollenen Angehörigen nicht mehr losgelassen. Er begann, mit seinen Großeltern zu sprechen, ihre Geschichten aufzuschreiben und gibt heute zu: »Der Ahnen-Virus hat mich gepackt.« Er habe Verwandte getroffen, die ihm Erlebnisse erzählt haben, die sonst für die Nachwelt gänzlich verloren wären. »Man lernt dabei nicht nur viel über sich selbst, sondern auch über die Menschheit an sich.«
Die Site besteht aus drei Bereichen: Mit Myheritage Research kann Familienforschung auf professionellem Niveau betrieben werden. Ein gleichzeitiger Zugriff auf Hunderte von Datenbanken ist möglich, Ergebnisse werden in Echtzeit übermittelt. Mit dem Stammbaum-Bautool kann der Benutzer seinen eigenen Stammbaum kreieren und ständig aktualisieren. Fotos zu jedem Familienmitglied können eingestellt und persönliche Kommentare dazu geschrieben werden.
Die Familienseiten Family Pages sollen es Familien ermöglichen, in engem Kontakt zu bleiben, auch wenn sie in der ganzen Welt verstreut leben. Fotos, Anekdoten aus der Kindheit, Omas leckerste Rezepte, Geschichten und Kommentare können hier ausgetauscht werden. Das Programm speichert zudem Geburtstage, Jahrestage und die Daten aller sonstigen Familienereignisse. Die Benutzung der Seiten ist kostenlos.
»Familiy Pages ist so etwas wie ein soziales Netzwerk auf Familienbasis«, erklärt der Geschäftsführer. »Früher haben alle in einem Dorf gelebt und sich ständig getroffen. Heute leben die Menschen oft Tausende von Kilometern entfernt, und es ist nicht immer leicht, sich zu sehen. Auf unseren Seiten treffen sich die Familien im Internet. Das kann eine wundervolle Erfahrung für alle sein.«

www.myheritage.com

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