Robert Thalheim

Begegnung mit Sven

Begegnung
mit Sven

Vorpremiere des Films von Robert Thalheim

Die Plätze im Eldorado-Kino in der Sonnenstraße waren ausverkauft. Der Betreiber Bruno Börger hatte bereits vor dem offiziellen Kino-Start eine Aufführung des Spielfilms Am Ende kommen Touristen angeboten. Der Streifen war als deutscher Beitrag beim Filmfestival in Cannes gelaufen und erwies sich schon Ende Juni beim Münchner Filmfest als vielzitierter Insidertipp.
Gekommen waren vor allem Mitarbeiter der KZ-Gedenkstätte Dachau und der Internationalen Jugendbegegnung. So konnte der Film von Regisseur Robert Thalheim durchaus als Fortbildungsmaßnahme gelten. Dennoch wirkte er nicht belehrend, dafür ging er einfühlsam und unterhaltsam mit den Themen Gedenkstättenbetrieb, Vergangenheitsbewältigung sowie deutsch-polnisches Verhältnis um. Erzählt wird die Geschichte des jungen Deutschen Sven. Statt nach Amsterdam hat es den Zivildienstleistenden nach Oswiecim verschlagen. Er soll deutsche Besuchergruppen, in der Hauptsache Jugendliche sowie einen ehemaligen Häftling und Zeitzeugen betreuen. Aus der Routine lästiger Pflichterfüllung entwickelt sich zwischen dem Zivildienstleistenden und seinem sperrigen Schützling eine Beziehung.
Im Anschluss diskutierten Barbara Distel, die Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau, die polnische Konsulin Grazyna Strzelecka und der Filmemacher Robert Thal- heim. Barbara Distel wünscht dem »eindrucksvollen Film viele Zuschauer«. Auf die Frage, ob denn Dachau und Auschwitz zu vergleichen seien, sagte sie: »Auschwitz hat andere Dimensionen.« Der Film zeige die Schwierigkeiten der Verständigung und auch die Folgen von Verharmlosung.
Die Gedenkstätte in Auschwitz hätte es ohne Überlebende, die zurückkehrten und um die Erhaltung kämpften, nicht gegeben. Der Film zeige, wie das Verständnis für die Erfahrungen der Überlebenden schwinde. Und wie wichtig diese Erfahrungen seien, zeige sich im Entwicklungsprozess des jungen Mannes. Die polnische Konsulin betonte, dass dieser im besten Sinne polnisch-deutsche Film eines deutschen Regisseurs das Klima in Polen gut treffe und der Wahrnehmung des Ortes Oswiecim präzise entspreche. Den Insider-Blick verdankt Robert Thalheim wohl seinem eigenen Zivildienst in Oswiecim. Im Film bezieht er den Ort mit seinen 40.000 Einwohnern, seinen Kneipen und Discos ein. Ellen Presser

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