Alfred Döblin

»Andere Verpflichtungen«

von Harald Loch

Zu einem außerordentlichen Ereignis sagen sich auch außergewöhnliche Gäste an: Vergangenen Donnerstagabend begingen die Berliner Akademie der Künste und der S. Fischer Verlag »Alfred Döblins Rückkehr«. Das Werk des Autors, einer der Köpfe der deutschen literarischen Moderne, ist nach 75 Jahren wieder zu seinem alten Verlag zurückgekehrt, der gerade eine zehnbändige Leseausgabe auf den Markt gebracht hat. Günter Lamprecht, der Darsteller des Franz Biberkopf in Rainer Werner Fassbinders legendärer Berlin-Alexanderplatz-Verfilmung, las aus diesem Anlass Passagen aus Döblins im Exil verfassten Roman November 1918.
Mit dem Festakt kehrte Alfred Döblin wenigstens symbolisch auch wieder in die Akademie der Künste zurück, die er 1933 verließ, weil er eine von Gottfried Benn ver-fasste Loyalitätsadresse an die neue Regierung unter Adolf Hitler nicht unter- zeichnen wollte. Er ging ins Exil, erst nach Frankreich, dann in die USA. Ein Neuanfang in Deutschland nach 1945 missglückte. Der einstige Bestsellerautor wurde vom Publikum und den Verlagen geschnitten. Als er nach sieben Jahren verbittert nach Paris zurückging, schrieb Döblin an seinen alten Freund, den damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss: »Ich bin in diesem Land überflüssig.« Fünf Jahre später war der Schriftsteller tot.
Davon berichtete beim Festakt Stephan Döblin. Der jüngste und letzte noch lebende Sohn des Autors war aus Paris gekommen und hielt in seiner über die Jahrzehnte des Exils ihm fremd gewordenen Muttersprache einen bewegenden Vortrag über schwierige Lebensetappen seines Vaters.
Auf der Einladung zu der Festveranstaltung hatte auch gestanden: »In Anwesenheit des Bundespräsidenten«. Doch der Abend fand ohne Horst Köhler statt, der sich wegen »plötzlicher, unabweisbarer Verpflichtungen« entschuldigen ließ. Auch am Tag danach gab es von der Pressestelle des Bundespräsidalamtes keine erklärende Begründung.
»Zusagen hätte er nicht müssen, aber absagen hätte er nicht dürfen«, kommentierte das eine Zuhörerin. Und Stephan Döblin fragte zweifelnd: »Sind wir immer noch nicht genehm?«

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