Essen

Alefbet und Gummibärchen

Die zehnjährige Pia bemalt einen Dreidel mit hebräischen Buchstaben. Gar nicht so einfach, denn die Essener Schülerin hat sich bisher noch nie mit dem hebräischen Alphabet beschäftigt. »In der Schule haben wir noch nicht über das Judentum gesprochen«, sagt sie. Zum Glück liegt eine Schablone mit den fremden Buchstaben bereit.
Pia ist mit ihren Eltern zum Familientag der Alten Synagoge Essen gekommen, zu dem die städtische Begegnungsstätte am vergangenen Sonntag zum zweiten Mal eingeladen hat. Ziel der Veranstaltung war es, interessierte nichtjüdische Essener Bürger mit der jüdischen Kultur vertraut zu machen. »Wir wollen vermitteln, dass Museen auch Spaß machen können«, erläutert Museumspädagogin Andrea Schäfer. »Hier können die Kinder auch mal in der Synagoge herumrennen oder singen.« Eltern und Kinder sollen gemeinsam die Synagoge erkunden. Während die Erwachsenen sich von Mitarbeitern durch die Dauerausstellung zur jüdischen Geschichte und Kultur führen lassen, können ihre Kinder Musikinstrumente basteln oder Kippot, die sie anschließend mit ihren Namen beschriften können. Eine Schautafel erläutert die Schreib- weise der hebräischen Buchstaben mit Hilfe von Cartoonfiguren.
Heinz Bock und seine Lebensgefährtin Heike Dahm sind zum ersten Mal in der Synagoge. »Ich wohne seit 53 Jahren in Essen«, sagt Bock, »aber bin noch nie hier drin gewesen, obwohl ich jeden Tag daran vorbeifahre.« »Die jüdische Kultur wird hier viel greifbarer«, meint Heike Dahm. Ihr neunjähriger Sohn Jonas nimmt das Judentum gerade im Religionsunterricht durch.
Auch Peter Malzahn ist beeindruckt: »Es wäre schade, so ein imposantes Gebäude ungenutzt zu lassen.« Ihn hat vor allem überrascht, wie warm es in der Synagoge ist – im Gegensatz zu den meisten Kirchen. Auch die Ausstellung hat ihn begeistert. Er erkundigt sich gleich bei den Mitarbeitern, ob auch die Schulklasse seines Sohnes einmal an einer Lehrveranstaltung in der Synagoge teilnehmen kann.
Auf dem Programm stehen noch ein Dreidelspiel mit Gummibärchen und eine Fotorallye durch das Gebäude. An einem mit Speisen gedeckten Tisch erklärt Mitarbeiterin Dorothee Rauhut den Besuchern die wichtigsten jüdischen Feste.
Für Institutsleiterin Edna Brocke ist der Familientag Teil des neuen Konzepts der Alten Synagoge. »Wir wollen weg von der Zeigefingerpädagogik der 80er-Jahre«, sagt sie, »und den Besuchern ein lebensbejahendes Gefühl vermitteln.« Die alte Dauerausstellung von 1988 soll bald verschwinden und durch modernere Konzepte ersetzt werden. Eine neue Ausstellung zum »Jewish Way of Life« soll dann immer wieder ergänzt und aktualisiert werden. Jüdische Geschichte soll anhand der Geschichte der Essener Synagoge vermittelt werden. Diese ist 1913 eingeweiht worden. Ihre Architektur ist bewusst an christliche Kirchen angelehnt – als Zeichen der Integration in die deutsche Gesellschaft. Heute gehört das ehemalige Gotteshaus der Stadt Essen.
Am 27. Februar entscheidet der Stadtrat über die Bewilligung zum Umbau. Bis Essen 2010 europäische Kulturhauptstadt wird, soll alles fertig sein. Der Familientag hat jedenfalls gezeigt, dass bei den Essener Bürgern ein großes Interesse besteht, die jüdische Kultur kennenzulernen.

Holocaust-Gedenken

Mendel und Wagner kritisieren Yad-Vashem-Entscheid

In Deutschland sollen zwei Niederlassungen der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem entstehen. Der jüdische Wissenschaftler Meron Mendel und der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Jens-Christian Wagner, sehen das in Teilen kritisch

 29.05.2026

Reisen

Kein Parkplatz am Ben-Gurion-Flughafen

US-Militärjets blockieren 70 Prozent des Flughafens. Flüge fallen aus, Airlines bleiben weg und kurz vor dem Sommer herrscht große Unsicherheit

von Sabine Brandes  29.05.2026

Diplomatie

Israels Präsident begrüßt ersten Botschafter Somalilands

Als weltweit erstes Land hatte Israel vor einem halben Jahr die muslimisch geprägte Region im Norden Somalias als unabhängigen Staat anerkannt. Jetzt kommt der erste Botschafter nach Israel

 18.05.2026

Internationaler Strafgerichtshof

Bericht: Geheime internationale Haftbefehle gegen Ben-Gvir und andere

»Haaretz« berichtet über mögliche neue Schritte gegen mehrere israelische Minister und Militärvertreter

von Sabine Brandes  17.05.2026

Stuttgart

Die Vorfreude steigt

Die Jüdische Allgemeine berichtet weiterhin live von der Jewrovision. Die Jugendzentren sind inzwischen nach und nach angekommen, das Madrichim-Team empfängt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor Ort. Die Vorfreude auf die Show steigt!

 15.05.2026

Genf

Döpfner fordert beim World Jewish Congress entschlossenen Kampf gegen Antisemitismus

Mit Blick auf die Hamas-Massaker vom 7. Oktober kritisiert der Springer-Chef die Reaktion: »Unmittelbar nachdem die Bilder der Opfer zu sehen waren, begann die Verharmlosung.«

 12.05.2026

In eigener Sache

Wir suchen Verstärkung

Wir suchen zum 1. Juli 2026 einen Politik-Redakteur (m/w/d) in Vollzeit

 07.05.2026

Jerusalem

Israel fordert von Großbritannien mehr Einsatz gegen Antisemitismus

Nach einem weiteren Terrorangriff auf Juden wirft Jerusalem London vor, die Lage nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Präsident Herzog: »Es ist an der Zeit, dass die Welt aufwacht.«

 30.04.2026

Polen

Israel fordert Konsequenzen nach Eklat mit Hakenkreuz-Flagge

Im Parlament hatte ein rechtsradikaler Abgeordneter eine israelische Flagge mit einem Hakenkreuz an Stelle des Magen David gezeigt

 22.04.2026