Porträt der Woche

»In Israel sind sie Brillanten«

Malka Zwecker wundert sich über das geringe Ansehen von Erziehern in Deutschland

18.03.2010 – von Annette KanisAnnette Kanis

Auf facebook teilen Auf twitter teilen Auf google+ teilen per E-Mail schicken

Kinder sind echt. Sie sind nicht immer lieb, aber sie verstellen sich nicht. Kinder spüren, ob etwas von ganzem Herzen kommt. Wenn sie das merken, dann bemühen sie sich auch mitzumachen. Das gilt genauso für »schwierigere Kinder«.

Ich bin seit 19 Jahren Erzieherin in der Franz-Herschtritt-Kindertagesstätte der Synagogen-Gemeinde Köln. Ich leite die Arche-Noah-Gruppe. Davor habe ich zehn Jahre als Erzieherin in Israel gearbeitet, in Ramat HaSharon nördlich von Tel Aviv.

Heute hatte ich Frühdienst. Seit 7.30 Uhr bin ich im Kindergarten. Bis spätestens zehn Uhr sind alle Kinder da. Vormittags basteln wir, dann haben wir das Morgengebet im Stuhlkreis und sprechen über das aktuelle Thema. Danach gehen wir meistens raus. Nach dem Mittagessen ist Ruhephase, da wird vorgelesen, und einige Kinder schlafen.

Montags gebe ich in zwei Vorschulgruppen Hebräischunterricht. Die Kinder lernen das Alefbet kennen und ein bisschen lesen. Sie haben weniger Hemmungen gegenüber einer neuen Sprache als Erwachsene.

In Israel habe ich nur mit Vorschulkindern gearbeitet. Dort ist die Struktur anders. Drei- und vierjährige Kinder sind zusammen sowie die älteren Vorschulkinder. Das war für mich eine große Umstellung, als ich hierher kam. Hier müssen wir fast mit jedem Kind individuell arbeiten, weil der Altersunterschied und oft auch Sprachprobleme vorhanden sind. Zu uns kommen ja fast 80 Prozent russische Kinder. Deswegen haben wir eine Sprachlehrerin, die extra Deutschunterricht erteilt. Wenn die Kinder dann zur Schule gehen, sind sie sprachlich fit.

Feiertage Freitags feiern wir Kabbalat Schabbat mit Liedern und Gebeten. Den jüngeren Kindern erzählen wir die Geschichte mit Puppen und in einfacher Sprache. Bei den Älteren lese ich die Geschichte vor. Mir ist wichtig, dass sie die Wörter aus der Tora hören. Sie mögen das. Wir analysieren die Geschichte und versuchen, sie zu aktualisieren. Da kann man verschiedene Themen aufgreifen: Eifersucht, Hass, Geschwisterbeziehungen, Konflikte, und wie man damit umgeht. Danach essen wir sehr festlich. Es gibt ein Drei-Gänge-Menü mit Tischdecke, Kerzen, Challot und Kiddusch.

Wir versuchen, jüdische Atmosphäre aufzubauen und den Kindern die Tradition zu vermitteln. Die meisten kennen sie nicht aus der Familie, und über die Kleinen versuchen wir, auch die Eltern zu erreichen. Es gibt Kinder, die das dann zu Hause einfordern. Ich würde mir in diesem Bereich mehr Unterstützung von den Familien wünschen. Wenigstens traditionell ein bisschen Schabbat feiern und an Jom Kippur fasten.

Hier im Kindergarten begehen wir alle Feiertage wirklich festlich. Für Purim haben wir Hamantaschen gebacken, Mischloach Manot vorbereitet und die Megilla gelesen. Mit Symbolen, Gegenständen und Gerichten versuchen wir, eine entsprechende Atmosphäre herzustellen. Für die Kinder sollen die jüdischen Feiertage ein Teil ihres Alltags sein. Den Flur hatten wir mit buntem Krepppapier geschmückt, das war noch von Karneval. Wir feiern nämlich auch Karneval, wir sind ja in Köln. Für Purim verändern wir die Dekoration, es kommen neue Bilder dazu.

Gleich nach Purim haben wir mit den Vorbereitungen für Pessach angefangen. Man braucht etwas Zeit. Das hängt damit zusammen, dass es hier in Deutschland in der Umgebung der Kinder nicht so selbstverständlich ist, wie zum Beispiel in Israel. Dort merkt man überall Vorbereitungen: In jedem Geschäft gibt es eine koschere Ecke, überall sieht man Pessach-Reklame. Hier müssen wir alles inszenieren, damit ein Gefühl für das Fest entsteht.


Auf facebook teilen Auf twitter teilen Auf google+ teilen per E-Mail schicken

Video

Chanukka Sameach!

Fotostrecken

Unser Blog aus Israel

BDS

BDS-Bewegung – zum Dossier

Boycott Divestment Sanctions

Zum Dossier

Wieso Weshalb Warum

Religiöse Bräuche und Begriffe

mehr…

Sprachgeschichte(n)

Über die Herkunft gängiger Wörter wie Pleite, Knast und Polente

mehr…

Anzeige

Gottesdienste

Gottesdienste in den Jüdischen Gemeinden

Glossar

Glossar

Gemeinden

Juedische Gemeinden

Service

Service

Wetter

Wetter - Herbst
Berlin
3°C
schneeregen
Frankfurt
4°C
schneeregen
Tel Aviv
19°C
wolkig
New York
-4°C
schneefall
Zitat der Woche
»Einer unserer Anwälte ist Jude.«
Kayla Moore, Ehefrau des US-Politikers Roy Moore, verteidigt ihren Mann
gegen Vorwürfe, er sei antisemitisch, rassistisch und habe Frauen belästigt.