high-tech

Nacktscanner für Gedanken

Israelische Firmen entwickeln neue Terroristen-Frühwarnsysteme

28.01.2010 – von Gil YaronGil Yaron


Es hört sich an wie Science Fiction: Dem jungen Mann ist nicht anzusehen, dass er das Flugzeug entführen will. Er trägt keine Waffen, er stammt aus Europa. Doch kurz nach dem Check-in am Flughafen nehmen ihn zwei Sicherheitsbeamte in Gewahrsam, während die anderen Passagiere ins Flugzeug steigen, ohne aufgehalten zu werden. Im Verhör stellt sich heraus, dass er einer Terrororganisation angehört. Das Attentat wurde verhindert.

Dieses fiktive Szenario soll schon bald Realität werden. In Israel haben Feldversuche mit einem Detektor begonnen, der angeblich aus zwei Metern Entfernung die Gedanken potenzieller Terroristen ausmachen kann. Ehud Givon, Geschäftsführer der israelischen Firma weCU (ein Wortspiel mit dem englischen »We see you« – »Wir sehen dich«), ist sich sicher: »Wir werden die Flugsicherheit bedeutend verbessern.«

gereizt Das neue System basiert auf einem bekannten Phänomen: »Menschen reagieren ständig auf äußere Reize. Dabei gibt es einen Unterschied, ob uns der Reiz etwas bedeutet oder ob er aus unserer Sicht neutral ist«, sagt Givon. Säße beispielsweise ein Deutscher zwischen mehreren Amerikanern in Texas am Flughafen, könne man sie anfangs nicht unterscheiden. »Jetzt stelle man sich vor, ich spiele ganz leise im Hintergrund ein paar Töne der deutschen Nationalhymne«, sagt Givon. Den Amerikanern sagen die ersten Takte von Joseph Haydns Melodie wenig, der Deutsche wird aber unbewusst darauf reagieren.

»Es handelt sich um winzige Veränderungen«, sagt Givon. »Aber sie sind messbar.« Über die Kriterien, nach denen das neue Gerät funktioniert, schweigt Givon sich aus. Die meisten technischen Aspekte dürften aber bereits seit Langem bekannt sein. Bei Erregung steigt die Temperatur der Haut um wenige Hundertstel Grad Celsius, da mehr Blut an die Oberfläche strömt, die Atemfrequenz steigt, die Pupillen weiten sich, die Stimme vibriert in einer anderen Frequenz. Dies sind nur wenige der vielen bekannten Reaktionen auf bekannte Reize oder Stimuli, die mit herkömmlichen Methoden messbar sind. »Die eigentliche Arbeit war weniger, neue Messgeräte zu entwickeln. Vielmehr konzentrierte sich unsere Forschung auf die Frage: Wie platziere ich spezifische Stimuli unauffällig so, dass nur die erwünschte Zielgruppe darauf reagiert?«, sagt Givon.

Fahnder Sechs Jahre lang erprobten führende israelische Psychologen und Anti-Terror-Experten das neue Reizsystem, das nun helfen soll, Terroristen bereits im Vorfeld zu entdecken. »Wir können aus einer Entfernung von etwa zwei Metern beobachten, wie der Mensch auf Stimuli reagiert, wenn er beispielsweise seinen Check-in macht«, sagt Givon. Innerhalb von zweieinhalb Minuten wird das Subjekt so bis zu sechs verschiedenen Reizen ausgesetzt, ohne dies zu bemerken. »Es könnte beispielsweise ein Symbol sein, das nur Mitgliedern einer bestimmten Terrorgruppe etwas sagt«, erklärt Givon. Entdeckt das System von weCU eine Reaktion, wird die Flughafensicherheit alarmiert. »Unser System kann keine Gedanken lesen«, betont Givon. »Es kann nur feststellen, ob gewisse Reize einem Menschen bekannt sind oder ihm emotional etwas bedeuten. Es gibt deswegen eine neutrale Warnung. Sicherheitsbeamte müssen später feststellen, woher der Verdächtige diese Reize kennt.« Ein Anti-Terror-Experte könnte also ebenfalls im Netz der Fahnder landen.



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