Frankfurt/Main
Zwölf Punkte für Amichai
Das Jugendzentrum möchte erstmals die Jewrovision gewinnen
21.01.2010 – von Danijel Majic
Leon gehört dazu. So viel darf man verraten. Auch Arkadi und Artyom, alle drei um die 16, alle drei Bandmitglieder. Welche Instrumente sie spielen, welche Musikrichtung, wie das Lied heißt, dass sie an diesem Sonntag proben – bleibt ihr Geheimnis. Geht es nach den Jugendlichen im Frankfurter Jugendzentrum Amichai, würde am besten gar nichts verraten, nicht einmal, dass es die Band gibt. Erst recht nicht, wer alles am 20. Februar in Köln bei der Jewrovision auf der Bühne stehen wird.
Wenn es um den anstehenden Jewrovision Song Contest geht, ist Geheimniskrämerei das oberste Gebot. Seit Anfang Dezember laufen die Vorbereitungen, trifft sich die Band zweimal wöchentlich. Ende Februar, in der Woche zwischen Karneval und Purim, soll es nach Köln gehen.
»Das ist unglaublich wichtig für alle«, betont Alexej Tarchis, Leiter des Jugendzentrums, der sich angesichts des ganzen Trubels ein leichtes Grinsen nicht verkneifen kann, was nicht heißen soll, dass er die Vorbereitungen nicht ernst nehmen würde. Der Ehrgeiz der Frankfurter Jugendlichen ist aus seiner Sicht mehr als verständlich. »Es ist leider so, dass Frankfurt den Wettbewerb noch nie gewonnen hat.«
präsentation In diesem Jahr soll es klappen. Das Ziel ist klar: »Zwölf Punkte für Frankfurt«. Diesen Satz möchten die Jugendlichen am 20. Februar so oft wie nur möglich hören. Das einzige, was nicht geheim ist, sind die Vorgaben: Die Teilnehmer müssen ein Video über das eigene Jugendzentrum einreichen, maximal vier Minuten lang. Anschließend folgt der Bühnenauftritt, acht lange Minuten Tanz und Gesang. Frankfurt, so viel steht fest, setzt in diesem Jahr auf eine Eigenkomposition. »Der Text ist fertig«, sagt Arkadi, »aber an der Melodie arbeiten wir noch.«
Aufregung und eine gesunde Portion Misstrauen gehen dieser Tage Hand in Hand. Erst am Vormittag hatte unangemeldeter Besuch für Aufregung gesorgt. Einige Mitarbeiter aus anderen Jugendzentren wollten Alexej Tarchis sprechen. Sofort hieß es: »Macht das Video aus! Schließt den Spiegelsaal ab!« Kein einziges Detail soll nach außen dringen. Auch die Choreografie unterliegt der Geheimhaltung.
taktgefühl Im Spiegelsaal ist derweil wieder Ruhe eingekehrt, so, dass die Tanzproben weitergehen können. Tanzlehrer Damaso Mendez-Leroy kehrt seinen Schützlingen den Rücken zu. Dafür, dass er sie immer im Blick hat, sorgt die Spiegelwand, die sich über die halbe Raumlänge zieht. »Heute machen wir bis sechs«, ruft er den Jugendlichen zu, die sich hinter ihm in zwei Reihen aufgestellt haben. »Am Anfang dachte ich, das wird nie funktionieren«, gibt Mendez-Leroy zu. Inzwischen aber hat sich die Tanzgruppe schon viermal getroffen, und aus den schlaksigen Bewegungen, die sonst das Auftreten der Jugendlichen kennzeichnen, schält sich allmählich so etwas wie eine Choreografie. »Up, down«, ruft der Tanzlehrer in den Raum, »Tatata, Ratata!« Und als ob es sich um eine Art Geheimsprache handeln würde, setzen sich Jungen und Mädchen hinter ihm in Bewegung, als ob jedes einzelne »Ta« eine andere Stelle ihres Körpers bezeichnen würde. Welche Körperteile geschwungen werden, wie viele Tänzer in Köln auf der Bühne stehen werden, das bleibt natürlich auch geheim.
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