Sicherheit

Streifenwagen und dickes Glas

Wie viel Schutz muss es sein? Gemeinden und Land sind sich nicht immer einig

14.01.2010 – von Zlatan AlihodzicZlatan Alihodzic


Bald fünf Monate ist es her, dass die Jüdische Gemeinde Duisburg die Eröffnung ihres Kindergartens feiern konnte. Hier und da musste allerdings noch etwas nachgebessert werden. Mal mehr, mal weniger. Doch waren die Aufgaben bekannt – bis Vertreter des Landes Nordrhein-Westfalen zu Besuch kamen.

»Wir wussten zum Beispiel, dass wir noch einen Anbau brauchten«, erzählt Michael Rubinstein. »Denn in den ganz normalen Kindergarten wollten wir eine sogenannte U-3-Gruppe integrieren«, erklärt der Geschäftsführer der Gemeinde. Nach dem Kinderbildungsgesetz gibt es dafür besondere Raumanforderungen. Duisburg musste die Einrichtung von 300 auf 420 Quadratmeter vergrößern. Den Fortschritt sah man schon bei der Eröffnung: Die Bodenplatte für den Anbau, der einen Mehrzweckraum enthalten soll, war bereits gegossen. »Und unser Sicherheitsmitarbeiter musste ein eigenes Pförtnerhaus bekommen, wir konnten es aus Platzgründen nicht im Gebäude unterbringen.«

normalität Die Arbeiten kamen auch gut voran, das Häuschen mit der roten Holzverkleidung und dem schrägen Dach steht schon, es nimmt die Form des größeren Anbaus auf. Wer durch die Hofeinfahrt in Richtung des Kindergartens schaut, dem fällt ganz sicher nicht auf, dass hier ein Gebäude mit besonderem Sicherungsbedarf steht.

»Wir haben hier christliche, muslimische und jüdische Kinder, wir haben auch Erzieher, die den drei Religionen angehören. Das sollte normal sein – auch, dass die Kinder jüdisch erzogen werden«, sagt Rubinstein. Um diese Normalität durchzusetzen, stellt die Gemeinde auch Forderungen an die Polizei. »Wir wehren uns mit Händen und Füßen dagegen, dass ein Streifenwagen vor dem Gebäude parkt.« Wegen der Hoflage müsste das Fahrzeug unmittelbar vor dem Kindergarten stehen, da die Straße zu weit entfernt liegt. »Das fänden die Kinder ganz sicher nicht normal«, betont Geschäftsführer Rubinstein. Das sieht die Duisburger Polizei ähnlich. Das Land NRW allerdings nicht. Auch in anderen Belangen gehen die Meinungen der Polizei und des Landes auseinander. Das wird zu Mehrkosten im hohen fünfstelligen Bereich führen.

»Wir haben selbstverständlich frühzeitig mit der Polizei gesprochen und wussten, welche Sicherheitsmaßnahmen sie auf Grund der Gefahrenlageneinschätzung fordert«, erzählt Rubinstein. »Die Polizei hat ein Konzept geschrieben, und wir gaben es an das Land weiter. Unter bestimmten Voraussetzungen werden Sicherheitsmaßnamen zum Teil durch das Land finanziert. Bei neuen Fenstern zum Beispiel zahlt es die Preisdifferenz, die zwischen dem Einbau von Sicherheitsglas im Vergleich zu gewöhnlichem Glas entsteht.«



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