Düsseldorf

Frau Merkel und der jüdische Staat

Gemeinde und die Zionistische Organisation luden zur Vorstellung von Eldad Becks Biografie der Kanzlerin ein

18.01.2018 – von Heinz-Peter KatlewskiHeinz-Peter Katlewski

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Eine schelmisch dreinblickende Angela Merkel ziert das neue Buch von Eldad Beck. Hinter ihr sind eine deutsche und eine israelische Fahne zu sehen. Der in Berlin lebende Autor und Europakorrespondent der israelischen Tageszeitung »Israel Hayom« hat die geschäftsführende Regierungschefin für eine israelische Leserschaft porträtiert – auf Hebräisch.

Am vergangenen Sonntag stellte er sein Buch auf Einladung der Zionistischen Organisation in Deutschland (ZOD) und der Jüdischen Gemeinde im Düsseldorfer Leo-Baeck-Saal vor. Ins Deutsche übersetzt heißt es »Die Kanzlerin. Merkel, Israel und die Juden«.

Es sei das erste Mal überhaupt, dass es ein israelischer Verlag wage, die Biografie eines deutschen Politikers zu veröffentlichen, berichtete Beck. Nicht einmal Konrad Adenauer sei diese Ehre zuteilgeworden. Dass sich in Israel ein Buch über Angela Merkel verkaufen lasse, überrasche, aber es sei ein großer Erfolg. Die Kanzlerin ist in Israel offenbar sehr beliebt. Noch nie habe eine so gute Freundin Israels an der Spitze Deutschlands gestanden, sagt Beck.

Ehrungen Ausweis dessen seien nicht zuletzt zahlreiche Auszeichnungen von verschiedenen israelischen und jüdischen Organisationen. Sie wisse viel über Israel und das Judentum. Von allen Bundeskanzlern sei sie diejenige, die am häufigsten Israel besucht habe. Das habe dazu geführt, dass Verschwörungstheoretiker die Mär verbreiteten, die Pastorentochter aus dem brandenburgischen Templin sei eigentlich Jüdin.

In den deutschen Biografien über Angela Merkel stehe überall das Gleiche, findet Eldad Beck. Er habe daher ihre Sozialisation in der DDR, über die in Israel wenig bekannt sei, und ihr Verhältnis zum jüdischen Staat und Judentum in den Blick genommen. Der Vater sei ein Pfarrer gewesen, der der jungen westdeutschen Bundesrepublik kritisch gegenüberstand und glaubte, dass eine Verbindung von Christentum und Sozialismus möglich sei.

So zog die Familie von Hamburg in die Uckermark. Aber auch in Ostdeutschland habe er nicht als Konformist gegolten.
Merkel habe sich schon früh mit Israel verbunden gefühlt, obwohl in der DDR eine dezidiert antiisraelische Politik betrieben worden sei.

Erfahrungen Dass die Politik der arabischen Staaten, palästinensische Flüchtlinge ohne Perspektive in Lagern zurückzuhalten, kein Beitrag zur Lösung des Nahost-Konflikts ist, sei ihr schon damals bewusst gewesen, habe Merkel Beck schon früh erzählt. 1991 sei sie dann das erste Mal in Israel gewesen, damals in ihrer Funktion als Bundesministerin für Frauen und Jugend. Sie habe erleben müssen, dass der deutsche Botschafter die ostdeutsche Newcomerin abfällig behandelte, während sie vom damaligen israelischen Außenminister David Levy mit allen Ehren empfangen wurde. Eine Erfahrung, die sie nicht vergessen habe.

Zum ehemaligen israelischen Botschafter in Deutschland, Shimon Stein, habe sie ein freundschaftliches Verhältnis, zu Israels früherem Ministerpräsidenten Ehud Olmert gute Beziehungen, zu Schimon Peres sogar ausgezeichnete gehabt. Bei seinem Besuch 2005 in Deutschland habe Peres als stellvertretender Ministerpräsident die damalige Oppositionsführerin Merkel im Konrad-Adenauer-Haus besucht, um sie kennenzulernen, anstatt sie in die Botschaft zu bitten.

Als Bundeskanzlerin habe Merkel ein glaubwürdigeres Bekenntnis zu Deutschlands Solidarität mit Israel abgegeben als alle Kanzler zuvor. Innenpolitisch sei sie entschieden für jüdisches Leben in Deutschland eingetreten, etwa bei der Beschneidungsdebatte durch eine Ergänzung im Bürgerlichen Gesetzbuch.

Dass das Verhältnis zu Ministerpräsident Benjamin Netanjahu weniger gut ist, habe möglicherweise mit den sogenannten Nahost-Experten im Auswärtigen Amt zu tun, die immer noch Rezepte für einen Frieden in dieser Region propagierten, die unrealistisch seien. »Schickt diese Nahost-Experten in Rente«, forderte Beck. Sie schadeten Deutschland und Israel.

Sein Buch gibt es bislang nur auf Hebräisch. Ob eine deutsche Ausgabe erscheinen wird, ist ungewiss.

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