Technologie

Essen wie gedruckt

Israelische Forscher wollen Hamburger und Pommes aus dem 3D-Drucker produzieren

30.11.2017 – von Ralf BalkeRalf Balke

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Die 3D-Drucker sind auf dem Vormarsch. Mit ihnen lassen sich viele wunderbare Dinge für wenig Geld in kurzer Zeit erschaffen. Zwar befindet sich die Technik immer noch in den Kinderschuhen und ist weit davon entfernt, markttauglich zu sein. Aber die Segmente, in denen sie Sachen wie von Zauberhand ausdrucken können, wächst von Tag zu Tag: Zähne aus Kunstharz und anderen Polymeren in der Dentaltechnik, individualisierte Schuhrohlinge in der nagelneuen sogenannten Speedfactory von Adidas in der Sportbekleidung oder Autoteile wie Frontschürzen bei Ford.

Aber auch Nudeln, Marzipanfiguren oder Kekse können mittlerweile mit 3D-Druckern hergestellt werden. Das funktioniert ähnlich wie mit den Spritzbeuteln von Konditoren. Die Marzipanmasse, der Nudel- oder der Keksteig kommen aus einer Patrone und werden mithilfe einer Spritzdüse langsam Schicht für Schicht in Form gebracht – alles gesteuert durch Computerprogramme. Am Ende kann auf diese Weise – wie auf der Backmesse iba in München kürzlich vorgestellt – sogar eine filigrane Mini-Kopie des Schlosses Neuschwanstein aus Teig entstehen.

fastfood Israelische Wissenschaftler wollen nun einen Schritt weiter gehen und gleich ganze Mahlzeiten auf diese Weise fertigen. »Wir haben beliebte Fastfood-Produkte wie Hamburger oder Pommes Frites im Visier«, so Oded Shoseyov vom Robert-H.-Smith-Institut für Agrarwissenschaften der Hebräischen Universität in Jerusalem, der gemeinsam mit seinem Kollegen Ido Braslavsky in der Yissum Research Development Company, einem Technologietransferunternehmen der Hochschule, an innovativen Methoden zur Herstellung von Essen mithilfe von 3D-Druckern arbeitet.

Wie das funktionieren soll? »Stellen Sie sich einfach eine Espressomaschine vor, die ein traditionelles Fertiggericht zusammenstellt und verzehrfertig zubereitet.« Auch hier arbeiten zwei Komponenten Hand in Hand: Die eigentliche Patrone mit den Zutaten in flüssiger Form oder als Pulver sowie die Hardware in Gestalt des Druckers, der alles zu einer Mahlzeit kombiniert und dieser mithilfe von Infrarotlasern die richtige Temperatur verleiht. »So, als ob alles gegrillt, gebacken oder frittiert wurde.«

Der eigentliche Clou aber sind die Zutaten. »Zum Einsatz in den Patronen kommt kristalline Nanocellulose als Basismaterial«, erklärt 3D-Druck-Experte Shoseyov. »Angereichert wird das Ganze mit Proteinen, Kohlehydraten sowie Fetten und Antioxidationsmitteln.« Das klingt erst einmal wenig appetitlich. Doch als Endprodukt sollen Mahlzeiten stehen, die nicht nur ganz wie konventionelle Leckereien aussehen, sondern auch genauso schmecken. »Aber ohne Kalorien«, wie Shoseyov betont. Denn anders als Stärke, die sonst gerne in der konventionellen Küche und im Lebensmitteldruck verwendet wird, um Materialien zu verbinden, macht kristalline Nanocellulose nicht dick und wird problemlos von den Enzymen im Körper abgebaut.

Segmente Und sie sind das eigentliche Fachgebiet der beiden Wissenschaftler aus Jerusalem. Seit Jahren bereits beschäftigen sie sich mit den Eigenschaften der kristallinen Nanocellulose und der Frage, wie sie sich am besten extrahieren und weiterverarbeiten lässt. Auf diese Weise kamen sie auf die Idee, ganze Mahlzeiten auszudrucken.

»3D-Drucker für Lebensmittel gibt es ja bereits seit geraumer Zeit«, sagt Ido Braslavsky. »Wir wollen eben nur einen völlig neuen Ansatz in dieser Form der Herstellung von Essen verfolgen.« Genau der verspricht nämlich äußerst lukrativ zu sein, weil sich so gleich mehrere boomende Segmente auf dem Markt erschließen lassen. Denn die Produkte sprechen Menschen mit einer Gluten-Unverträglichkeit genauso an wie Diabetiker, Veganer und Vegetarier.

»Die Möglichkeit, sich so automatisch eine personalisierte Mahlzeit zusammenstellen und zubereiten zu lassen, ist das eigentlich Revolutionäre an diesem Konzept«, bringt es Yaron Daniely, Chef von Yissum, auf den Punkt. »Zudem hat man die Kontrolle über wirklich alle Substanzen, die verarbeitet werden.« Das ist vor allem für Personen interessant, die aus gesundheitlichen Gründen ganz spezielle Diäten einhalten müssen, was oftmals einer kulinarischen Verzichtserklärung gleicht.

perspektiven Aber noch ist man nicht ganz am Ziel angekommen. Auf einer Konferenz über die Zukunftsperspektiven des 3D-Drucks vor wenigen Wochen in Jerusalem präsentierten Shoseyov und Braslavsky ihre Forschungen und konnten bereits eine Art Teig aus kristalliner Nanocellulose vor den Augen des Fachpublikums herstellen. »Aber es dauert wohl nur noch zwei bis fünf Jahre, bis wir ein richtiges marktfähiges Produkt anbieten können«, so die Wissenschaftler optimistisch.

Ernährungsforscher in aller Welt gehen davon aus, dass »gedrucktes Essen« bereits in naher Zukunft zur Normalität gehören wird. Auch die Idee, auf diese Weise Fleisch synthetisch zu produzieren, ist nicht wirklich neu. Vor mehr als einem Jahr machte das israelische Unternehmen SuperMeat mit seiner Innovation Schlagzeilen, im Labor aus einer Gewebeprobe eines Huhns in einer Nährlösung Fleisch zu züchten, für das dann keine Massentierhaltung mit all ihren negativen Folgen mehr notwendig ist. Auch dieses ließe sich dann über 3D-Drucker womöglich weiterverarbeiten.

Was Shoseyov und Braslavsky noch nicht verraten haben: Wie sieht es mit der Kaschrut von Mahlzeiten aus, die auf diese Weise hergestellt werden? Kommen bald auch Gefilte Fisch oder andere typisch jüdische Köstlichkeiten aus dem 3D-Drucker? Und sprechen wir dann von Latkes 2.0?

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