Köln

Miteinander leben

Der Jüdische Nationalfonds präsentierte Umwelt- und Gesellschaftsprojekte

15.09.2016 – von Roland KaufholdRoland Kaufhold

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Bei der Eröffnung reichten die Sitzplätze nicht aus. Mit über 1000 Teilnehmern war der unter hohen Sicherheitsvorkehrungen stattfindende Kongress des Jüdischen Nationalfonds JNF-KKL sehr gut besucht und die Kulisse imposant: Der zweite große Umweltkongress des JNF-KKL fand in der traditionsreichen Kölner Flora statt.

Das Tagungsthema war ambitioniert: »Koexistenz in Israel«. Dass ein multikulturelles Miteinander möglich ist, beweist gerade Israel mit seinem Bevölkerungsanteil von 20 Prozent Arabern, Drusen und Beduinen tagtäglich und überzeugend, trotz aller Schwierigkeiten. Und auch der Termin dieser Tagung, der 11. September, der Jahrestag der Anschläge auf das World Trade Center in New York, war bewusst gewählt worden, wie die Deutschland-Vorsitzende des JNF, Sarah Singer, betonte.

In ihrer Eröffnungsrede hob sie das Thema Koexistenz in Israel aus ihrer eigenen familiären Perspektive hervor. Das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Religion und Herkunft bleibe eine Herausforderung für ein pluralistisches Israel, sagte sie. Umweltschutz sei die Voraussetzung für eine bessere Lebensqualität für alle Menschen, gerade in einem wasserarmen Land wie Israel. »Wir sollten unsere Herzen öffnen« für eine friedlichere gemeinsame Zukunft, forderte Singer.

Unterstützung Danny Atar, Weltpräsident des JNF, hob hervor, dass Israel trotz geringen Niederschlags das einzige Land der Welt sei, dessen Baumbestand weiter wachse. Landtagspräsidentin Carina Gödecke betonte das besondere Verhältnis zwischen Israel und Nordrhein-Westfalen. Sie fühle sich der Maxime von Johannes Rau verpflichtet, dass Deutschland immer unverrückbar an der Seite Israels stehe. Sie freue sich sehr über das erstarkende jüdische Leben in NRW. »Das lassen wir uns nicht kaputt machen«, so Gödecke.

Zentralratsvizepräsident Abraham Lehrer ging in seiner Begrüßungsrede auf einen umstrittenen Tagesschau-Beitrag über angeblichen Wassermangel in den Palästinensergebieten ein. »Es wurde nur die Position der Verleumder dargestellt«, kritisierte Lehrer. Das sei kein guter Journalismus.

»Bild«-Herausgeber Kai Diekmann wurde für sein Engagement für Israel mit dem »Goldenen Olivenzweig« ausgezeichnet. Israels Botschafter in Deutschland, Yakov Hadas-Handelsman, nannte Diekmann in seiner sehr persönlich gehaltenen Laudatio »meinen Freund Kai«. »Springers Medien üben konstruktive Kritik an Israel«, lobte Hadas-Handelsman. Außerdem erinnerte er an Diekmanns zahlreiche Aktionen, etwa seine Initiative im Jahr 2009, die einzig erhaltenen Baupläne von Auschwitz nach Israel zu bringen – gegen den Willen des deutschen Bundesarchivs. Diekmann hatte dazu gesagt: »Mag sein, dass ich mich strafbar gemacht habe. Aber ich würde es wieder tun!« Der Botschafter erwähnte auch die Initiative der Bild-Zeitung »Nie wieder Judenhass!« während des Gaza-Krieges im Sommer 2014. Hadas-Handelsman sagte, für ihn sei Diekmann einer der Gerechten.

überraschungsgast Diekmanns Frau Katja Kessler – als Überraschungsgast eingeladen – betonte, wie sehr sie beide als junge Erwachsene durch eine gemeinsame Israelfahrt geprägt worden waren. Der Bild-Herausgeber zeigte sich über die Ehrung sehr bewegt und sprach von »großer Freude« und »tief empfundener Dankbarkeit«.

Die Sicherheit Israels bleibe für ihn eine Verpflichtung. Ihm sei der Besuch in Yad Vashem im Jahr 2016, gemeinsam mit zahlreichen Chefredakteuren, wichtig gewesen: »Das vergessen sie ihr Leben lang nicht.« Moderiert wurden die Ehrung und das weitere Programm von der BR-Fernsehjournalistin Ilanit Spinner.

Die Diskussion »Gelebte Koexistenz in Deutschland: Zündstoff oder Zugewinn?« fand im Kongresssaal statt. Beteiligt waren der Psychologe Ahmad Mansour, die nordrhein-westfälischen Politiker Armin Laschet (CDU) und Sylvia Löhrmann (Bündnis 90/ Die Grünen) sowie Stephan J. Kramer, Präsident des Amtes für Verfassungsschutz Thüringen. Umrahmt wurde das Diskussionspodium von zwölf Schautafeln zur 115-jährigen Geschichte des JNF, einschließlich seiner Kölner Ursprünge.

Prävention Der als Araber in Israel aufgewachsene Mansour trat leidenschaftlich für politisch-kulturelle Vielfalt ein. Drängende gesellschaftliche Fragen müssten öffentlich thematisiert werden, forderte er. Die meisten antisemitischen Attacken in Deutschland gingen von Muslimen aus. Sein Programm zur Gewaltprävention, »Heroes«, sei nicht nur in Berlin, sondern auch in Duisburg sehr erfolgreich. In diesem Rahmen besuchten muslimische Jugendliche regelmäßig Auschwitz, erklärte Mansour.

Raya Strauss Ben Dror beschrieb, wie sie in den letzten Jahren gemeinsam mit Mitstreitern die Lebensqualität »in meinem geliebten westlichen Galiläa« verbessert habe. Ergänzt durch Filmdokumente erzählte sie ihre Familiengeschichte. Ihr Elternhaus habe sich immer an Werten orientiert, so Strauss Ben Dror. Gemeinsame Aktivitäten von Juden und Arabern und die Entwicklung eines Erlebnistourismus gehen auch dank ihres Engagements Hand in Hand.

Der Arzt Masad Barhoum, ein arabischer Israeli, zeigte in einer Filmpräsentation, wie in seinem im westlichen Galiläa gelegenen Krankenhaus syrische Kriegsopfer behandelt werden. Die Kölner Judaistin Ursula Reuter zeichnete nach, wie die Kölner Max Bodenheimer und David Wolffsohn, als enge Mitstreiter Theodor Herzls, in den Jahren von 1894 bis 1935 von Köln aus die Geschichte des Zionismus mitprägten. Bodenheimer verfasste 1896 die »Kölner Thesen«, die ein Jahr später zur Grundlage des »Basler Programms« wurden, und er leitete von 1907 bis 1914 den JNF in Köln.

Begleitprogramm und Informationsstände auf vier Etagen ließen Rückzug und Begegnungen zu. Zur Entspannung trugen die musikalischen Einlagen von Galit Giat und Moshe Becker sowie der Kölner Klezmerband Tov Trio bei.

Viele Kölner aus der Stadt und aus der Gemeinde waren gekommen. Ulrich Soénius, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Köln, zeigte sich sehr angetan vom JNF-Kongress in der Kölner Flora. Er zeige, dass Israel ein wichtiger Partner für Deutschland sei. »Die Wirtschaft unserer Region weiß um die Chancen, die die israelische Wirtschaft bietet«, sagte er.

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