Europäischer Tag des Fahrrads

Den Berg runter nach Hause sausen

Rabbiner und ihre Velos – die einen loben die Bewegung, die anderen meiden sie lieber

Aktualisiert am 03.06.2015, 10:29 – von Karin Schuld-VogelsbergKarin Schuld-Vogelsberg

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Es ist gesund, macht Spaß und schont die Umwelt – Radfahren ist das reine Vergnügen (von rücksichtslosen motorisierten Verkehrsteilnehmern einmal abgesehen) –, und deshalb wird am 3. Juni der »Europäische Tag des Fahrrads« gefeiert; in diesem Jahr schon zum 17. Mal. Doch wie halten es eigentlich die Rabbiner mit dem Rad?

Tom Kucera, Rabbiner der liberalen jüdischen Gemeinde Beth Shalom in München, radelt oft und gern, aber ohne sportlichen Ehrgeiz, wie er betont. Andererseits seien die Fahrten mit seinem Allrounder für ihn eine willkommene Möglichkeit, sich im Alltag Bewegung zu verschaffen. »Sonst habe ich wenig Zeit für Sport – jedenfalls rede ich mir das so ein«, sagt Kucera. Außerdem schaffe man mit dem Rad weitere Strecken als beim Joggen und könne mehr von der Natur genießen.

dienstfahrten
In der warmen Jahreszeit nutzt Kucera das Zweirad regelmäßig für »Dienstfahrten« von seiner Wohnung zur Synagoge. Darüber hinaus kommt es in der Freizeit zum Einsatz: etwa beim Radurlaub mit der Familie auf dem Donaupfad. Außerdem liebt er die Strecke von Mittenwald zum Isar-Ursprung. Für die Zukunft hat sich der gebürtige Tscheche vorgenommen, den gesamten Isarradweg von der Isarquelle bis nach Deggendorf zu bewältigen. Außerdem reizt ihn die kürzlich in Israel eröffnete Fahrradroute zwischen Mizpe Ramon und Eilat, die einige Hundert Kilometer durch die Wüste führt.

Vorsicht ist beim Radfahren in München geboten. Und deshalb trägt der Rabbi auf dem Rad Helm – seit ihn ein Gemeindemitglied darauf aufmerksam gemacht hat, dass es unverantwortlich sei, ohne Kopfschutz in die Pedale zu treten. Noch fremdelt der Rabbiner etwas mit dem »ungewöhnlichen Ding« auf seinem Kopf, aber er weiß, dass es lebensrettend sein kann.

Für Chemnitz’ Rabbiner Jakov Pertsovsky ist sein Citybike das Hauptverkehrsmittel in der Stadt. »Es ist gesund, sparsam und bequem, und die Parkplatzsuche ist einfach.« Der Rabbiner radelt zur Arbeit und erledigt alltägliche Besorgungen auf zwei Rädern. Das Einzige, was ihn am Radfahren in der Stadt nervt, sind die vielen Ampeln. Dafür genießt er den Fahrtwind bei schwungvollen Bergabfahrten. Seine liebste Radstrecke führt ihn nach Hause.

privatvergnügen Im Gegensatz zu seinen Kollegen Kucera und Pertsovsky steigt Rabbiner Daniel Alter aus Berlin nur ganz selten mal in die Pedale, und wenn, dann zum Privatvergnügen: »Ich bin kein großer Fahrradfahrer.« Sein Kollege Avraham Radbil in Osnabrück besitzt gar kein Fahrrad. Auch zwischen dem Dresdner Rabbiner Alexander Nachama und dem Drahtesel besteht kein inniges Verhältnis. Aus gutem Grund: Immerhin hätte Nachama als Kind durch einen Fahrradunfall beinahe seine Barmizwa verpasst. Zwei Wochen vor dem Fest verunglückte er so schwer, dass er mit gebrochenem Bein und weiteren Verletzungen ins Krankenhaus kam. Glücklicherweise konnte er an Krücken humpelnd dann doch noch die Zeremonie bestreiten.

Doch seither gilt für den jungen Rabbiner: »Ich bleibe lieber mit den Füßen auf dem Boden und laufe in die Synagoge.«
Dass Radeln auch Gutes bewirken kann, bewiesen in diesem Frühjahr Imame und Rabbiner, die gemeinsam auf Tandems durch Deutschlands Hauptstadt strampelten, um für Respekt und Toleranz zu werben. Rabbiner Shlomo Afanasev von der jungen orthodoxen Gemeinde Kahal Adass Jisroel und der muslimische Religionslehrer Burhan Kesici fanden im Team das Gleichgewicht auf ihrem Doppelrad. Nicht nur bei der Beherrschung von Fahrrädern gilt: Es kommt auf die richtige Balance an.

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