Interview

»Siedler werden dämonisiert«

Yoav Sapir über israelische Siedler und warum sie in Deutschland eine Stimme brauchen

02.01.2014 – von Martin KraussMartin Krauss

Auf facebook teilen Auf twitter teilen Auf google+ teilen per E-Mail schicken

Herr Sapir, Sie gründen derzeit den Verein »Siedlungspolitik – Aufklärung und Bildung«. Was treibt Sie an?
Wenn in Deutschland über Israelis und Palästinenser gesprochen wird, etwa in einer Talkshow, werden die Siedler von mehr oder weniger kompetenten Experten immer verdammt. Aber niemand vertritt ihre Position.

Sind Sie also die Stimme der israelischen Siedler in der deutschen Öffentlichkeit?
Nein, es gibt ja gar nicht »die« Siedler als politische Einheit. Und außerdem hat uns auch niemand dazu ernannt.

Auf Ihrer Website schreiben Sie, es sei für Sie eine Sache des Gewissens, die Siedlungen zu unterstützen. Ist das nicht eine Nummer zu groß formuliert?
Ganz viele Menschen behaupten, sie könnten die Siedlungspolitik mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren. Dagegen wollen wir zeigen, dass Siedler auch eine ethische Position vertreten. Die muss man nicht teilen, aber sie ist nicht gewissenlos, im Gegenteil. Stattdessen erleben wir aber gerade in der deutschen Öffentlichkeit eine Dämonisierung der Siedler als Friedensfeinde oder Rassisten.

Die Gegenposition lautet, dass die Siedler die Palästinenser verdrängen.
Zahlenmäßig stimmt das nicht. Es leben im Westjordanland mehr Palästinenser als israelische Siedler. Aber verstehen Sie mich nicht falsch: Ich habe nichts gegen Palästinenser. Wir wollen nur, dass auch die Rechte der Siedler gewahrt werden.

Wie sind die Reaktionen auf Ihre Initiative?
Bislang bin ich der Einzige, der für unseren Verein, der ja in Gründung ist, in die Öffentlichkeit geht – schließlich kann es passieren, dass man körperlich bedroht wird, wenn man Positionen wie unsere vertritt. Aber wir werden bereits jetzt angefragt und eingeladen – jüngst etwa von der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Sie schreiben, im Verein seien »Akademiker, Deutsche und Juden«. Soll der Nahostkonflikt von Deutschland aus gelöst werden?
Ich selbst bin ja Israeli, aber es kommt nicht auf den Pass an. Zu oft haben wir gehört, dass Menschen ihre Anti-Siedler-Position mit der Formulierung »gerade wir als Deutsche« begründen. Auch da wollen wir gegenhalten.

Warum braucht es einen Verein?
Wir haben die Erfahrung gemacht, dass man so besser etwas bewirken kann. Einrichtungen wie jüdische Gemeinden und sogar die israelische Botschaft wagen es in diesem politischen Klima nicht, sich mit klaren Worten für die gerechte Sache der Siedler einzusetzen. Diese Lücke wollen wir schließen.

Was sind Ihre nächsten Schritte?
Wir freuen uns auf engagierte Mitstreiter aus ganz Deutschland. Letztlich wollen wir, dass jede Einrichtung in Deutschland, ob Schule, Stiftung oder Sender, die sich mit dem Thema beschäftigt, auch auf Leute zurückgreifen kann, die für die Siedlungen sprechen und das gängige Bild ergänzen.

Mit dem Berliner Journalisten und Übersetzer sprach Martin Krauß.

Auf facebook teilen Auf twitter teilen Auf google+ teilen per E-Mail schicken

Fotostrecken

Unser Blog aus Israel

Jubiläum

70 Jahre Jüdische Allgemeine – zum Dossier

70 Jahre
Jüdische Allgemeine

Zum Dossier

BDS

BDS-Bewegung – zum Dossier

Boycott Divestment Sanctions

Zum Dossier

Wahlen USA

Amerika im Wahlfieber – zum Dossier

8. November 2016

Zum Dossier

Wieso Weshalb Warum

Religiöse Bräuche und Begriffe

mehr…

Sprachgeschichte(n)

Über die Herkunft gängiger Wörter wie Pleite, Knast und Polente

mehr…

Anzeige

Gottesdienste

Gottesdienste in den Jüdischen Gemeinden

Glossar

Glossar

Gemeinden

Juedische Gemeinden

Service

Service

Wetter

Wetter - Herbst
Berlin
15°C
wolkig
Frankfurt
15°C
heiter
Tel Aviv
30°C
heiter
New York
13°C
heiter
Zitat der Woche
»Die Fans sangen nicht ›Jude Jude BVB‹,
sondern ›Nutte Nutte BVB‹.«
Der Vorstand des Fußballklubs Legia Warszawa versucht, nach dem UEFA-Champions-League-Spiel
gegen Borussia Dortmund am 14. September das Verhalten seiner Anhänger zu rechtfertigen.