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Die Apartheid-Lüge

Wie Israel mit dem ehemaligen südafrikanischen Rassisten-Regime gleichgesetzt wird

01.09.2011 – von Giulio MeottiGiulio Meotti


Der Begriff Apartheid ist zu einem machtvollen Instrument geworden, um den jüdischen Staat zu dämonisieren. Dutzende Veranstaltungen im Rahmen der »Woche gegen die Apartheid in Israel« überfluten jedes Jahr die Universitäten in Nordamerika und Europa.

Auch bei Gewerkschaften, Kirchen, Journalisten und Ärzteverbänden findet die Kampagne Anklang. Von Nichtregierungsorganisationen und in globalen Foren wird die Gleichsetzung jeden Tag aufs Neue beschworen, nicht zuletzt von bekannten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wie dem südafrikanischen Erzbischof und Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu, der Israel mit Bezichtigungen wie Rassismus, Hass und ethnischem Überlegenheitsdünkel brandmarkt.

Unmoralisch Jeder, der die Verhältnisse im früheren Apartheidstaat Südafrika und die im heutigen Israel kennt, weiß, dass diese Analogie unmoralisch, falsch und böse ist. Die Apartheid war ein totalitäres Herrschaftssystem, in dem eine weiße Minderheit die schwarze Bevölkerungsmehrheit unterjochte. Die angeblich höherwertigen Weißen durften mit den »minderwertigen« Schwarzen nicht verkehren, nicht einmal mit ihnen zusammen auf einer Parkbank sitzen.

Anders in Israel: Hier bestehen Unausgewogenheiten wie in jeder Demokratie. Doch das Land hat sich dazu verpflichtet, allen Bürgern die gleichen Chancen einzuräumen. In Israel teilen sich Juden und Araber Busse und besuchen dieselben Schulen, Einkaufszentren und Restaurants. Araber haben das aktive und passive Wahlrecht, sie dürfen politische Parteien bilden, privates Land erwerben und pachten. Sie haben das Recht, ohne Einschränkungen frei zu reisen. Arabisch ist neben Hebräisch eine Amtssprache, und alle Gesetze, Verkehrsschilder und Beschriftungen in öffentlichen Gebäuden gibt es auch auf Arabisch.

In Südafrika hingegen hatte die schwarze Mehrheit (90 Prozent der Bevölkerung) weder das Stimmrecht, noch konnten Schwarze in ein öffentliches Amt berufen werden. Sie durften ihren Wohnsitz, Arbeitsplatz und Beruf nicht frei wählen. Ehen oder sexuelle Beziehungen zwischen Schwarzen und Weißen wurden kriminalisiert.

Gesetze Israel kennt kein »Population Registration Act« (Bevölkerungs-Registrierungsgesetz), kein »Group Areas Act« (getrennte Wohngebiete für die ethnischen Gruppen), keinen »Mixed Marriages and Immorality Act« (Verbot von »Mischehen« und Unsittlichkeitsgesetz), keinen »Separate Representation of Voters Act« (Gesetz zur getrennten Vertretung von Wählern), keinen »Reservation of Separate Amenities Act« (Verfügung über die getrennte Nutzung von öffentlichen Einrichtungen).

Apartheid war die Behauptung der Überlegenheit der »arischen Rasse« in neuem Gewand. Im jüdischen Staat hingegen genießen alle Minderheiten – Christen, Bahais, Drusen und Muslime – sämtliche religiösen und zivilrechtlichen Freiheiten.

Vor den Vereinten Nationen soll die Apartheid-Analogie wieder einmal vorgebracht werden, wenn im September in New York die »Durban III«-Konferenz über Rassismus stattfindet. Seit Durban I und II ist die Definition des jüdischen Staates als »Apartheidstaat« ein Codewort für das Böse an sich geworden. Dieses Etikett ist sehr gefährlich. Bleibt es kleben, wird die Fähigkeit Israels, sich diplomatisch und militärisch zu verteidigen, erheblich geschwächt. Im Falle von Südafrika spielten der internationale Druck, Boykottaufrufe und Sanktionen gegen die ApartheidRegierung eine zentrale Rolle, um die Macht des Regimes zu brechen.

Albtraum Im Namen der Apartheid-Analogie arbeitet Erzbischof Tutu heute daran, Stadträte und Lebensmittelkooperativen in Australien, Europa und in den Vereinigten Staaten zu einem Boykott von Waren aus Israel zu überreden. Tutu hat die Universität von Johannesburg dazu gebracht, die Beziehungen mit der israelischen Ben-Gurion-Universität abzubrechen. Das erinnert an die finsteren Zeiten, als deutsche Universitäten jüdische Intellektuelle verbannten. Deshalb kann man diese schreckliche Apartheid-Lüge nicht als schlechten Witz abtun. Sie ist ein Albtraum für das jüdische Volk. Absicht ist es, Israel als Verkörperung des »rassistischen Bösen« zu zerstören.

Das eigentliche Ziel aber sind die Juden. Eines der obszönsten Flugblätter bei der ersten Konferenz in Durban 2001 zeigte ein Bild Adolf Hitlers mit der Frage: »Was wäre geschehen, wenn ich gewonnen hätte? Es gäbe kein Israel und kein palästinensisches Blutvergießen. Den Rest kannst du dir ausmalen.«

Der Religionsphilosoph Abraham Joshua Heschel schrieb, dass es nicht die Maschinerie war, sondern Worte, die Auschwitz hervorbrachten. Der neue Judenhass, der heute in Zeitungen, Büchern, an Universitäten und bei kulturellen Veranstaltungen dominiert, ist genauso hartnäckig wie Kunststoffmüll. So wie Nylon und Plastik wird er auch nach Generationen noch nicht verschwunden sein. Er produziert Tod und Tragödien.

Der Autor ist Redakteur der italienischen Zeitung »Il Foglio« und Autor des Buches »A New Shoah. The Untold Story of Israel’s Victims of Terrorism«.


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