Köln

Zwei Minuten Stillstand

Yael Bartana verteidigt ihre kollektive Performance. Foto: Alexander Stein

Zwei Minuten lang erzeugen Musiker mit Posaunen, Trompeten und Saxophon einen bebenden Ton. Es ist 11 Uhr am Kölner Dom. Der Sirenenton ist gedacht als eine »Aufforderung, die Gegenwart zu verändern«.

Die in Berlin lebende Künstlerin Yael Bartana hatte sich, inspiriert durch den israelischen Gedenktag Jom Haschoa, eine demonstrative Unterbrechung des Kölner Alltags gewünscht. »Zwei Minuten Stillstand«, so der programmatische Name der »kollektiven Performance«, sollte an vielen Orten der Stadt spielen – abseits der Hauptveranstaltung auf dem Roncalliplatz auch in der Keupstraße im Stadtteil Mülheim – 2004 überregional bekannt geworden durch das Nagelbombenattentat.

Kettenreaktion Das Team um Bartana sieht den Holocaust »als Anfang einer langfristigen globalen Kettenreaktion«, deren Konsequenzen »von der Gründung des Staates Israel, Flucht und Vertreibung in Europa und im Nahen Osten bis hin zu den NSU-Morden« reichten. Es will eine »breite Debatte, wie aktives Erinnern heute und zukünftig aussehen soll.«

Nebst Teilen der Stadtverwaltung, der Universität und einigen Schulen beteiligte sich auch der 1. FC Köln an der Aktion. FC-Präsident Werner Spinner sieht den Verein grundsätzlich zwar lieber »politisch neutral«, wollte in diesem Fall aber Flagge »gegen das Verdrängen des dunkelsten Kapitels unserer Geschichte und zugleich für ein friedliches Zusammenleben in der Gegenwart« zeigen.

Die Kölner Verkehrsbetriebe, die ursprünglich in die Planung einbezogen waren, hielten ihre Fahrzeuge hingegen nicht an. Dies wäre zu risikoreich gewesen, kommentierte der Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters.

von unten An Bartanas Projekt gefiele ihm die Eigeninitiative der Mitwirkenden. »Entscheidend sei, dass es nicht von oben angeordnet sei, sondern aus dem eigenen Willen der Bürgerinnen und Bürger kommt«, sagte Roters der Jüdischen Allgemeinen.

Kritiklos verlief das Ereignis jedoch nicht. Einige Anwesende, die sich zum Teil in Israelfahnen gehüllt hatten, empörten sich über »die Instrumentalisierung des wichtigsten israelischen Gedenktages für die Opfer der Schoa«. Belegt sehen sie das unter anderem in dem von den Initiatoren einbezogene Gedenken an »die palästinensische Nakba«, der »angeblichen Vertreibung der Palästinenser aus dem damaligen britischen Mandatsgebiet«. Ähnlich argumentiert auch die Synagogen-Gemeinde Köln. Vorstandsmitglied Ebi Lehrer sagte: »Wir lehnen ab, dass die Schoa für die Besetzung der Gebiete in Israel verantwortlich sein soll. Deswegen sind wir grundsätzlich gegen die Aktion.«

Mode

»Die Kippa gehört zum Outfit«

Jonathan Hirsch über edle Stoffe zu den Feiertagen, stilistische Entgleisungen und die jüdische Kopfbedeckung als Accessoire

von Mascha Malburg  10.09.2026

Pro & Contra

Sollen jüdische Kinder nur noch auf jüdische Schulen?

Zwei Meinungen zur Debatte

von Noga Hartmann, Marina Chernivsky  10.09.2026

Taglit

Emotionales Bootcamp mit Lior Raz

Israels Superstar kam kurz vor dem Start der fünften »Fauda«-Staffel nach Berlin, um sich für »Birthright« starkzumachen. Und für einen optimistischeren jüdischen Staat

von Sophie Albers Ben Chamo  10.09.2026

Rosch Haschana

Mehr Zeit, mehr Frieden, mehr Miteinander

Was wünschen sich Jüdinnen und Juden fürs neue Jahr? Wir haben uns umgehört

von Katrin Richter, Christine Schmitt  10.09.2026

Mascha Malburg und Joshua Schultheis

In eigener Sache

Mascha Malburg und Joshua Schultheis werden mit dem Georg-Stefan-Troller-Preis ausgezeichnet

Die Redakteurin der Jüdischen Allgemeinen und der freie Mitarbeiter erhalten die Auszeichnung für ihre Interviewreihe mit Juden aus Deutschland

 09.09.2026

Programm

Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 10. September bis zum 17. September

 09.09.2026

München

»Es geht um ein Wir«

Maccabi-Präsident Patrick Guttmann über die Rolle des Sportvereins für die jüdische Gemeinschaft, Herausforderungen und Zukunftspläne

von Luis Gruhler  09.09.2026

Berlin

Zurück in die Zukunft

Die Geschichte der Stadt ist geprägt von vielen gescheiterten Visionen. Nun wird die Fahrt mit der Ringbahn zur Bühne für einst angedachte Projekte

von Alicia Rust  09.09.2026

Rosch Haschana

Fragen über Fragen

Zwischen Vorbereitungen, Schofar und Honigkuchen bleiben Rabbiner immer erreichbar. Für alle, die Rat vor den Hohen Feiertagen suchen

von Christine Schmitt  09.09.2026