Berlin

Zusammen genießen

Akrobatik im Hof des Centrum Judaicum Foto: Gregor Matthias Zielke

Der Sand der Sahara ist ungefähr 200 Grad heiß, in ihm steht eine kleine Kupferkanne, und darin brodelt es mächtig. Shafiqu fasst an den langen Stiel, bewegt die Cezve, so heißt die Kanne, in kleinen Kreisen, während seine Kollegin ein bisschen Zucker hinzugibt, danach etwas Kardamom und Zimt. Noch schnell rühren, bevor es überkocht, dann gießt er den schokobraunen Kaffee in einen weißen Becher.

Anne pustet, nimmt einen kleinen Schluck und – ist das heiß! So einen Kaffee, sagt die 35-Jährige, habe sie noch nie getrunken. Und auch Jonas ist hin und weg von dem Geschmack. Die beiden sind durch einen Newsletter der Stadt Berlin auf das Festival aufmerksam geworden und genießen die Aufgeschlossenheit und Vielfalt.

Der Sand für den Wüstenmokka kommt aus der SaharaFoto: Gregor Matthias Zielke

Sie sind zwei von – laut Veranstalter – 10.000 Besucherinnen und Besuchern des 5. Koscheren Streetfood Festivals der Jüdischen Gemeinde zu Berlin und gönnen sich zu Beginn erst einmal einen »Wüstensand Mokka«. Normalerweise ist der Stand in der »Markthalle Neun« zu finden, aber am Sonntag hat er im Hof des Centrum Judaicum haltgemacht – und die, die den äthiopischen Kaffee probieren, sind angetan.

Fast genauso heiß, aber eher deftig geht es bei »Khinkali & Borsch« zu. Gerade schöpft Chana Lea die großen Khinkali, mit Fleisch und frischem Koriander gefüllte Teigtaschen, aus der Brühe. Chana Leahs Gesicht ist hochrot. Schon seit dem Vormittag steht die junge Frau vor einem der drei Töpfe und legt eine Khinkali nach der anderen auf die Pappteller. Etwas frischen Pfeffer dazu? Phung aus Berlin und ihr Partner sind begeistert von dem Geschmack. Wie Anne und Jonas sind auch sie aus Neugier und Lust auf gutes Streetfood hergekommen. Aber jetzt möchten die beiden erst einmal essen.

Chana Leah beim Auffüllen der KhinkaliFoto: Gregor Matthias Zielke

»Wir haben diesmal noch mehr Platz geschaffen, sind mit 52 Betreibern dabei und einem neuen koscheren Tower, einem Aussichtsturm«, sagte Organisator Avi Toubiana im Vorfeld des Festivals. Und von diesem Turm aus ist die Bühne, auf der nach der Tanzgruppe des Jugendzentrums »Olam« gerade die beiden Komiker vom Duo Roman & Viki lustige Dinge aus den Töpfen zaubern, richtig gut zu sehen. Und ganz da hinten, da ist auch der Stand von »Ask a Rabbi«, vor dem sich eine kleine Schlange gebildet hat. Zehn Rabbinerinnen und Rabbiner sowie ein Student beantworten von elf bis 19 Uhr Fragen, die wohl nur Rabbiner beantworten können.

Anne und Jonas genießen die entspannte Atmosphäre.
Wie die von Udi, der ziemlich erhellt von seiner Unterhaltung mit Rabbiner Daniel Fabian aus dem Zelt kommt. »Ich hatte eine Art Nischenfrage«, sagt der junge Australier. »Warum sagen wir eigentlich das Netilat Yadaim? Und wann tun wir das? Dazu gibt es unterschiedliche Auffassungen«, erklärt Udi. Allerdings sei er gerade auf dem Weg zum Stand mit den Khinkali, nachdem er bereits indisch und afrikanisch probiert habe. »Seit über einem Jahr bin ich auf der Suche nach koscherem georgischen Essen.« Wenn er wüsste, dass seine Suche in nur 50 Metern Luftlinie ein leckeres Ende finden wird. Und zum Dessert? Vielleicht Alfajores? Und dazu ein bisschen Puppentheater auf der Kleinkunstbühne?

Jonas und Anne sind zum ersten Mal beim Kosher Street Food FestivalFoto: Gregor Matthias Zielke

Das koschere Streetfood Festival hatte auf wenig Raum vieles zu bieten: Auch wenn mancher kleine und große Künstler sichtlich mit den hohen Temperaturen zu kämpfen hatte. Abkühlung brachte eine Partie Schach bei Makkabi oder das Körbewerfen bei Alba Berlin – und wem so richtig warm war am längsten Tag des Jahres, der holte sich ein Getränk vom Stand mit dem vielleicht schönsten Namen »Morgen wird besser«.

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