Im Laufe der Jahrzehnte ist Ilja Richter dreimal vom Kulturzentrum der Israelitischen Kultusgemeinde eingeladen worden. 1989 ging es um sein gemeinsam mit seiner Mutter Eva verfasstes Buch Der deutsche Jude in der humoristischen »Bibliothek der deutschen Werte«, damals präsentiert im Gartenhaus am Prinzregentenplatz.
2007 kam er in der für die Bühne des Jüdischen Gemeindezentrums entwickelten Reihe »Humor verbindet« als Ensemblemitglied der Revue »Zores haben wir genug. Galgenhumor am Abgrund. Kabarettistisches im Jüdischen Kulturbund«. Konzipiert hatte diesen Abend der Kabbarett-Historiker und Regisseur Volker Kühn.
Wenn es ans Eingemachte geht, sind Schalk und Ironie nicht weit.
2025 sollte es rund um Richters jüngstes Buch Lieber Gott als nochmal Jesus eine Buchpräsentation im Rahmen der Woche der Brüderlichkeit geben. Seine Bandscheiben hatten etwas dagegen, und so verging ein weiteres Jahr, bis die Kooperation mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit zu diesem – je nach Betonung – vielsinnigen Titel realisiert werden konnte.
Liegt die Betonung auf dem Appell an den Schöpfer, oder geht es eher um eine Rangfolge? Weder noch, und alles zusammen. Ilja Richter, der seine Vielseitigkeit schon in so vielen Genres unter Beweis stellte – vom Kinderstar über den jungen TV-Moderator, Schauspieler, Synchronsprecher bis zum Autor, Theater- und Musical-Regisseur –, verwandelte seine Buchpräsentation kurzerhand in eine One-Man-Performance, musikalisch begleitet von dem Piano-As Harry Ermer.
Er sang und rezitierte, erweckte eine Handpuppe zur frechen Sprechpartnerin, berlinerte und wienerte, dass es eine Freude war mit Reminiszenzen an all das Vergangene, Vertriebene, Vernichtete. Der gestrenge Komponist, Interpret und Autor Georg Kreisler hätte seine Freude gehabt an Richters Vortrag seines Klassikers »Ich fühl mich nicht zu Hause« aus dem Jahr 1966. Darin besingt ein Emigrant alle seine vergeblichen Versuche, sich geborgen zu fühlen – in Berlin, New York, Buenos Aires und Israel.
Zu Hause fühlt er sich am Ende nur in seinem Schtetl, wo gilt: »Jetzt werde ich von der Seite angeschaut und krieg symbolisch einen Tritt«. Man gewinnt den Eindruck, dass Ilja Richter, drittes von vier Kindern des Paares Georg und Eva Richter, geborene Basch, sich in seinem Leben zwischen den symbolischen Stühlen gut eingerichtet hat. Seine kritische, ironische Distanz, die sich seit seiner Jugend hinter ausgesuchter Höflichkeit verbirgt, hat sicher mit seinem Elternhaus zu tun.
Geboren wurde er 1952 in Ostberlin als Sohn einer Jüdin, die mit falschen Papieren in Deutschland überlebt hatte, und eines Vaters, der als Kommunist neuneinhalb Jahre im Zuchthaus und KZ hatte verbringen müssen. Diese Prägung schwingt in allem mit, so auch in Richters jüngstem Werk, das viele literarische Formen in sich vereint, von Dialogen über Gedichten bis zu Zitaten.
Und wenn es ans Eingemachte geht, sind Schalk und Ironie nicht weit. Selbst der Buchtitel ist »nicht gegen Jesus gemünzt«, betonte Richter: »Im Gegenteil. Ich mach mir Sorgen bei seinem Comeback. Schließlich ist Jesus ein entfernter Verwandter von mir« und brachte damit den ganzen Saal zu befreiendem Lachen.