Thüringen

»Yiddish Summer« mit kleinerem Programm

Musikerinnen bei Yiddish Summer Weimar (2019) Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Seit vielen Jahren zieht das Festival »Yiddish Summer Weimar« internationale Musikerinnen und Musiker nach Thüringen - nicht nur, um Konzerte zu geben, sondern auch, um selbst bei Kursen dazu zu lernen. Bei der Finanzierung wünscht sich der Leiter nun andere Strukturen.

Nachdem das »Yiddish Summer Weimar« zuletzt von speziellen Förderungen profitiert hat, ist das Programm in diesem Jahr reduziert worden. »Es gibt weniger Geld«, sagte Festival-Leiter Alan Bern am Donnerstag in Erfurt im Gespräch mit dpa. Die Hilfen zur Bewältigung der Corona-Folgen in der Kultur seien ausgelaufen. Auch gebe es nicht mehr so viel Förderung wie in den Themenjahren zu Neun Jahrhunderte Jüdisches Leben in Thüringen und 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland.

Perspektive Das jüdisch geprägte Festival bekomme zwar Mittel von Stadt und Land, so Bern. »Aber die Anträge müssen immer wieder neu gestellt werden. Es ist schwierig, gerade junge Leute als Mitarbeiter halten zu können, wenn man nicht weiß, ob es im nächsten Jahr eine Perspektive gibt.«

Bern machte keinen Hehl daraus, dass er sich eine verstetigte staatliche Förderung für das inzwischen seit rund 20 Jahren stattfindende Festival wünscht. »Wir sind ja auch auf Bundesebene anerkannt«, sagte er. 2022 wurde Bern unter anderem für seine Festival-Arbeit zur Vermittlung jüdischer und besonders jiddischer Kultur und Sprache mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. »Dabei will er besonders auch junge Menschen ansprechen - und gibt damit der Erinnerung eine Zukunft«, hieß es in der Begründung.

»Der Yiddish Summer Weimar setzt sich nicht nur für jüdische Kultur ein, es geht auch darum, Unterschiede schätzen und lieben zu lernen und sie nicht gegeneinander auszuspielen«, betonte Bern. Das Festival sei grundsätzlich inklusiv. Ein nationalistischer Blick etwa blockiere die Sicht auf die Kultur.

Wurzeln Inhaltlich möchte der »Yiddish Summer« in diesem Jahr die Wurzeln zwischen Kulturen freilegen und greift das Thema »Ottoman Routes and Roots« auf. Verbindungen zwischen osteuropäisch-jüdischen und osmanischen Musikkulturen sollen aufgegriffen werden.

Das Festival findet in diesem Jahr vom 13. Juli bis zum 19. August statt. Es hat seine Wurzeln und Hauptspielstätten in Weimar, Auftritte von Künstlern sind aber auch in anderen Thüringer Orten sowie in Leipzig geplant. Kernbestandteil sind Sprach- und Musik-Kurse. In diesem Jahr sind viele offene Jam Sessions geplant. Wieder mit Konzerten dabei ist das mit jungen internationalen Musikerinnen und Musikern besetzte Caravan Orchestra, das sich jiddischer, griechisch-türkischer, nahöstlicher Musik widmet. Insgesamt stehen 60 Veranstaltungen auf dem Programm.

Im vergangenen Jahr waren rund 9000 Besucher zum »Yiddish Summer« gekommen. Er gehört neben den Jüdisch-Israelischen Kulturtagen und den Achava-Festspielen zu den drei jüdisch geprägten Festivals in Thüringen. dpa

Yiddisch Summer Weimar, 13. Juli bis 19. August 2023

Hochschule

»Spaltung statt Austausch«

Das Studierendenparlament der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf fordert den akademischen Boykott Israels. Der jüdische Student Michael Ilyaev erklärt, warum er das für falsch hält

von Joshua Schultheis  15.04.2026

Programm

Hawdala, ein rotes Sofa und das Geheimnis der Königin: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 16. April bis zum 23. April

 15.04.2026

München

»Die Stimmung ging sofort in Richtung Aufbruch«

Grigori Dratva über einen Anschlag auf das Restaurant »Eclipse Grillbar«, Solidarität und den Blick nach vorn

von Luis Gruhler  15.04.2026

Carolin Bohl sel. A.

Blockiertes Gedenken

Wie sich in einer kleinen Stadt in Niedersachsen bei der Planung eines Benefizkonzerts für Terroropfer in Israel die Menschlichkeit durchsetzte

von Sophie Albers Ben Chamo  14.04.2026

Jom Haschoa

Narbe gegen das Vergessen

Wir, die Nachkommen der Zeitzeugen und der Ermordeten, dürfen das Leid unserer Großeltern nicht verstecken – wir müssen dafür sorgen, dass es unseren Kindern erspart bleibt

von Eugene Korsunsky  14.04.2026

Israel

Zeit, Zionist zu sein!

Fünf Gründe, den jüdischen Staat zu lieben – mit all seinen Stärken und Schwächen

von Daniel Neumann  13.04.2026

Gedenken

Zwischenrufe bei Weimer-Rede in Buchenwald

Schon im Vorfeld hatte es Kritik am Auftritt des Kulturstaatsministers beim Buchenwald-Gedenken gegeben. Auch vor Ort gab es Gegenwind. Das sagt Weimer selbst dazu

 13.04.2026

Gedenken

»Für mich steht sein ›Hochverrat‹ heute als das höchste Zeugnis von Treue zur Menschlichkeit«

Hape Kerkeling sprach anlässlich des 81. Jahrestages der Befreiung des KZ Buchenwald über seinen Großvater Hermann, der dort fast drei Jahre inhaftiert war. Wir dokumentieren seine Rede

 13.04.2026

Berlin

Trauer um Rabbiner Avraham Golovacheov

Der Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Chabad Berlin ist am Montag nach schwerer Krankheit gestorben. Vor 18 Jahren war er als Chabad-Gesandter in die deutsche Hauptstadt gekommen

 07.04.2026