Zukunftspläne

Wünsch dir was

Wenn das so einfach wäre: Einfach Augen zu machen und dann von der Zukunft träumen – das würden viele Gemeinden gern. Foto: imago

Das Jahr 2011 ist da. Für die einen ist es ein Neuanfang, für die anderen die Fortsetzung der alten Herausforderungen. Ein alter Spruch lautet: »So wie man das neue Jahr willkommen heißt, so wird es verlaufen.« Wie wird das kommende Jahr für die jüdischen Gemeinden in Deutschland aussehen? Vor allem die kleineren Gemeinden haben es meist schwer, ihre Wünsche und Hoffnungen zu verwirklichen.

Die Jüdische Gemeinde Flensburg ist die nördlichste in Deutschland und befindet sich in einer kulturell anregenden und vielfältigen Stadt. Schon allein die Tatsache, dass das Gemeindezentrum der Flensburger Juden in den Räumen der dänischen Minderheit untergebracht ist, spricht für die Multikulturalität der Stadt. Elena Sokolovsky, Vorsitzende der Gemeinde, hat sich für 2011 viel vorgenommen: »Die Verbreitung der Kenntnisse über die jüdische Religion, die jüdischen Traditionen und die jüdische Kultur steht auch im neuen Jahr im Mittelpunkt der Gemeindearbeit. Mittels des Religionsunterrichtes, des Klubs der jüdischen Traditionen und der jüdischen Kinder- und Jugendarbeit möchten wir diese Ziele erreichen.«

Wie auch in anderen jüdischen Gemeinden der Bundesrepublik nimmt auch in Flensburg die Integrationsarbeit eine zentrale Stellung ein. »Selbstverständlich werden wir auch im kommenden Jahr die jüdischen Zuwanderer aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion auf ihrem Weg der Integration unterstützen«, betont Sokolovsky. In Konversationskursen und bei diversen Informationsveranstaltungen sollen die Gemeindemitglieder dazu ermutigen und motivieren, an der Gesellschaft teilzuhaben.

Senioren Für die älteren Gemeindemitglieder soll in diesem Jahr eine offene Begegnungsstätte eingerichtet werden. Von herausragender Bedeutung für die Flensburger Gemeinde wird im kommenden Jahr wieder der Staat Israel sein. Die jüngsten Waldbrände im Carmel-Gebirge hätten die Mitglieder emotional getroffen, sagt Sokolovsky, daher möchte sie eine Spendensammlung organisieren. »Schließlich ist Israel die Heimstätte aller Juden. Insbesondere in schwierigen Zeiten ist es für uns äußerst notwendig, die eigene Verbundenheit zum Staat deutlich zu machen.«

Auch die jüdische Kultusgemeinde Trier richtet ihr Hauptaugenmark auf die jüdische Religion. Der jüdischen Kinder- und Jugendarbeit ordnet sie daher eine zentrale Rolle zu. »Die Jugendarbeit ist eine notwendige Investition in die Zukunft des jüdischen Lebens in der Stadt Trier und somit auch in die Zukunft des jüdischen Lebens in Deutschland«, betont der Vorsitzende Benz Botmann. Hierbei orientieren sich die Trierer Juden an den MiBereshit-Heften. Diese werden von der privaten Initiative The Foundation for Jewish Renaissance in Kooperation mit dem israelischen Erziehungsministerium herausgegeben und sind für die Diaspora bestimmt. Botmann schaut optimistisch in das neue Jahr. »Momentan besuchen jeden Sonntag ungefähr 30 Kinder unsere Gemeinde. Im kommenden Jahr werden wir uns anstrengen, die Zahl zu vergrößern.«

Rabbiner Die Erfurter Landesgemeinde hat seit November einen Rabbiner. Gemeindevorsitzender Wolfgang M. Nossen sieht darin eine gute Ausgangslage für das kommende Jahr: »Seit 72 Jahren hatte die Stadt Erfurt keinen Rabbiner. Mit Konstantin Pal haben wir einen essenziellen Wendepunkt in der jüdischen Geschichte unserer Stadt eingeleitet. Die wichtigste Aufgabe wird nun sein zu erreichen, dass der neue Rabbiner auch von allen Gemeindemitgliedern bewusst wahrgenommen wird«. Ein weiterer Plan von Nossen ist die Errichtung eines jüdischen Familienklubs, in dem sich Eltern und Kinder wöchentlich zu Veranstaltungen treffen.

»In unserer Gemeinde gilt der Grundsatz: Die Kinder kann man ausschließlich über ihre Eltern erreichen. Daher muss man die jüdische Gemeinde zunächst für die Eltern attraktiv gestalten«, beschreibt Nossen seine Taktik. Doch die Realität sieht häufig anders aus. Der Vorsitzende weiß: »Dieses Vorhaben hat allerdings einen Haken, der nicht außer Acht gelassen werden darf. Die russsichsprachigen Eltern haben wegen ihrer Vergangenheit in der Sowjetunion geringe Verbindung zum Judentum. Dieser Umstand erschwert es natürlich, die angestrebten Ziele zu erreichen.«

Lernen Die jüdische Gemeinde Chemnitz will gleich zu Beginn des neuen Jahres in den eigenen vier Wänden das Morascha-Programm, das gemeinsame Lernen einführen. »Durch die wöchentlich stattfindenden Lehrveranstaltungen sollen die jüdischen Jugendlichen in Chemnitz enger mit dem Judentum in Verbindung gebracht werden. Hierbei werden alle Teilnehmer ein monatliches Stipendium erhalten«, erklärt Ruth Röcher. Ein weiterer wichtiger Erfolg für das jüdische Leben in Chemnitz ist die Eröffnung des jüdischen Kindergartens im Sommer.

»Ohne jüdische Kinder gibt es keine jüdische Zukunft, deshalb muss man alle Kraft der Welt darin investieren, diese Zukunft sichern zu können«, erklärt die Gemeindevorsitzende, warum sie sich so zielstrebig für die Kita einsetzt. Außerdem verweist Röcher auf die »Tage der jüdischen Kultur«, die wie schon in den vergangenen 21 Jahren auch 2011 stattfinden werden und sowohl bei der jüdischen Bevölkerung als auch bei der Chemnitzer Öffentlichkeit auf großes Interesse stoßen. Bis Herbst 2011 soll außerdem der jüdische Friedhof in Chemnitz erweitert werden.

Der Vorstandsvorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Essen, Jewgenij Budnizkij, hat für das kommende Jahr einen sehr konkreten Wunsch formuliert. »Unser Ziel ist es, dass alle Gemeindemitglieder gesund bleiben oder gesund werden und, dass das Jahr 2011 nicht schlechter wird als das Jahr zuvor.«

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