Essen

»Wir wollen unsere Offenheit zeigen«

Frau Brocke, der Innenraum der »Alten Synagoge« erstrahlt in einem Hauch von Apricot, ist das diesem Gebäude als Mahn- und Gedenkstätte angemessen?
Ja, denn die Alte Synagoge Essen ist schon seit 1995 keine Gedenkstätte im engeren Sinn mehr. Unser neues Konzept setzt im Gegenteil auf Öffnung und Begegnung. Das können die Farben bekunden und natürlich unsere Ausstellungsschwerpunkte. Bisher hatten wir zwei Ausstellungen, die sich nur auf die zwölf Jahre des Nationalsozialismus fokussierten. Jetzt bieten wir fünf Themenbereiche an.

Welche sind das?
Der erste Bereich ist ein Klassiker, der in jedem jüdischen Museum zu erwarten ist: Quellen jüdischer Tradition mit Torarollen und Erklärungen zum jüdischen Kalender oder jüdischer Geschichte. Dann dokumentieren wir auf der ehemaligen Orgelempore die Geschichte des Gebäudes. Daran schließt sich das Infozentrum mit sechs Computern an, über die Fotomaterial und Dokumente abrufbar sind, und an denen man sein Interesse vertiefen kann. Ein dritter Raum – die Frauenempore, thematisiert sechs wichtige jüdische Feiertage. Schließlich kommt der Teil der Ausstellung, der uns am meisten am Herzen liegt: »the jewish way of life«. Hier geht es sehr interaktiv zu. Der Besucher kann vieles spielerisch erkunden und erfährt auf eine manchmal überraschende Art und Weise, dass Judentum viel mehr ist als nur eine Religion oder das, was nach 1945 über die Medien transportiert wird: wie der alte Mann mit Schläfenlocken. Ganz oben auf dem Mezzanin, einem Zwischengeschoss gegenüber der Orgelempore, erzählen wir dann die Geschichte der Essener Gemeinde von den ersten Dokumenten aus dem Jahr 1291 bis 1959, als die Nachkriegsgemeinde ihre neue Synagoge in der Sedanstraße eröffnet hat.

Warum bleibt die heutige Gemeinde außen vor?
Die aktuelle Gemeinde sollte sich selbst dokumentieren. Das hat auch was mit unserem Status zu tun. Die Jüdische Kultusgemeinde Essen ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Dort findet liturgisches und kultisches jüdisches Leben statt. Wir sind eine Art »Museum« und ein Begegnungszentrum und gehören zum Kulturdezernat der Stadt Essen.

Gehört auch der neu gestaltete Vorplatz zum Konzept der Öffnung?
Absolut. Unmittelbar nach dem Krieg hatte man aus unerfindlichen Gründen den gesamten Vorhof der Synagoge abgerissen, eine hohe Mauer davor gebaut und darauf einen sehr bildprägenden Sarkophag aufgestellt. Diese Bebauung vermittelte die Botschaft: »Kommt bloß nicht rein!« Die Mauer ist nun weggenommen worden, der Sarkophag wird als Teil der Ausstellung im Rabbinergarten aufgestellt. Statt der Mauer öffnet sich jetzt eine einladende Treppe zum kleinen Platz hin, der schon jetzt nach dem nichtjüdischen Architekten der heutigen »Alten Synagoge« (1911–1913) Edmund Körner benannt ist. Die dort aufgestellten Steinbänke laden zum Verweilen und Nachdenken ein.

Gab es Gegner, die die Neuausrichtung nicht guthießen?
Es gab eigentlich nur Bedenken wegen der hohen Investitionen damals. Die ersten Schritte habe ich ja 1993 unternommen.

Wie finanzieren Sie den Umbau?
Das Land NRW hat über die Städtebauförderung 80 Prozent übernommen. Die Stadt Essen muss nichts zahlen, da ihre 20 Prozent durch den Vorstand der Stiftung »Alte Synagoge« eingeworben wurden. Insgesamt hat die Stiftung 1,4 Millionen Euro an Spenden erhalten. Gesamt belaufen sich die Kosten auf 7,4 Millionen Euro. Bei der Eröffnung am 13. Juli wird das angrenzende ehemalige Rabbinerhaus – das die Alte Synagoge nicht mitnutzen wird – noch eine Baustelle sein.

Tel Aviv

Irgendwie Alltag – bis zum Alarm

Eigentlich wollte Jacob Horowitz nur den Halbmarathon in Tel Aviv laufen. Doch dann begann der Krieg mit dem Iran. Wie sich die vergangenen Wochen zwischen Purim, Schutzraum und verschobener Evakuierung anfühlen, das hat er für uns aufgeschrieben

von Jacob Horowitz  12.03.2026

Sport

Vereint am Ball

Jüdische Hobby-Fußballer feiern ihre Gemeinschaft – und möchten in schwierigen Zeiten ein Zeichen setzen

von Christine Schmitt  12.03.2026

Berlin

Interaktives Projekt zur jüdischen Geschichte des Scheunenviertels

Im Scheunenviertel in Berlin-Mitte gibt es seit Mittwoch zehn Straßenmarkierungen auf Jiddisch, Deutsch und Englisch. Über ein interaktives Erinnerungsprojekt wird so an die jüdische Geschichte der Spandauer Vorstadt erinnert

von Markus Geiler  11.03.2026

Solingen

100 Porträts jüdischer Künstlerinnen im Zentrum für verfolgte Künste

Die Ausstellung erzählt von künstlerischen Lebenswegen zwischen Krieg, Verfolgung und Neubeginn, wie das Museum ankündigte

 11.03.2026

Programm

Kakaniens Kinder, Jakobs Zelte und Israels Superfood: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 12. bis zum 19. März

 11.03.2026

Hilfe

Gestrandet in Deutschland

Viele Israelis wurden im Ausland vom Beginn des Krieges mit dem Iran überrascht. Sie finden Unterstützung bei der israelischen und jüdischen Gemeinschaft vor Ort

von Joshua Schultheis  11.03.2026

Meinung

Jüdisches Leben gehört zum Ländle

Nach der Wahl in Baden-Württemberg kann die jüdische Gemeinschaft darauf vertrauen, auch künftig einen zuverlässigen Partner in der Landesregierung zu haben. Einzig das gute Abschneiden der AfD bereitet Sorgen

von Barbara Traub  11.03.2026

Berlin-Neukölln

Wer ist dieser Mann?

Er lehrte arabische Schüler die Geschichte des Holocausts, organisierte einen Austausch mit Israelis und hielt Drohungen stand. Hudhaifa Al-Mashhadanis Geschichte faszinierte die Medien, begeisterte Politiker und schenkte ihm das Vertrauen jüdischer Organisationen. Aber ist alles daran wahr?

von Mascha Malburg  11.03.2026

Berlin

150 Rabbiner am Brandenburger Tor

Ein Fototermin setzt ein Zeichen: Rabbiner zeigen, wie jüdisches Leben heute Europa prägt. Was beim Treffen sonst noch auf dem Programm steht

 11.03.2026