»Fridays for Future«

Wir wollen aufrütteln

Sie sind jung, jüdisch und engagieren sich für den Klimaschutz: Benjamin, Ruth und Anna liegt die Zukunft unseres Planeten am Herzen. Deshalb hat Benjamin Schuster (19) in seiner Heimatstadt Baden‐Baden schon mehrere »Fridays for Future«-Demos mitorganisiert: »Ich möchte die Leute aufrütteln«, sagt Benjamin, der dieses Jahr Abitur macht.

Jeder soll sich mit Umweltschutz auseinandersetzen, findet Benjamin. Er selbst ist seit zwei Jahren Vegetarier: »Seitdem ich weiß, wie viele Ressourcen es braucht, Fleisch herzustellen, mag ich es nicht mehr essen.« Demnächst will Benjamin auch ausprobieren, wie es ist, als Veganer zu leben – also überhaupt keine tierischen Produkte mehr zu sich zu nehmen.

Plastikmüll Zehntausende Meeressäugetiere und mehr als eine Million Meeresvögel sterben jährlich am Plastik in den Ozeanen, beklagt Benjamin: »Ich kann nicht verstehen, dass viele Leute ein Haustier haben und es lieben, aber andererseits Tiere essen und es zulassen, dass so viele verenden.«

Benjamin Schuster (19) hat in Baden‐Baden einige »Fridays for Future«-Demos mitorganisiert.

Der weltweite Plastikverbrauch müsse gestoppt oder zumindest reduziert werden: »Das kann jeder.« Benjamin regt auch an, weniger zu duschen, keine Alufolie zu verwenden, auf Plastikflaschen zu verzichten und lieber mit dem Rad zu fahren, als sich hinters Steuer zu setzen.

Atomkraft Obwohl er »Fridays for Future« unterstützt, ist er mit einigen politischen Forderungen aus den Reihen der Organisatoren nicht ganz einverstanden: »Da muss ich sagen, dass ich mich beispielsweise nicht so gut mit Atomkraft auskenne, um wirklich mitreden zu können.«

Freitag, den 24. Mai, hat sich Ruth Bostedt (22) aus Freiburg, die in Heidelberg studiert, schon in ihren Kalender eingetragen: An diesem Tag will sie definitiv zu »Fridays for Future« gehen, denn an diesem Tag steht der »Globale Klimastreik« zur Europawahl an. Ruth findet: »Es kann so nicht weitergehen. Es ist wichtig, dass wir junge Menschen handeln und Verantwortung übernehmen.«

Ruth Bostedt (22) verzichtet auf Inlandsflüge und isst Fleisch nur bei ihren Eltern – dann allerdings koscher.

Die Studentin verzichtet auf Inlandsflüge, fährt Rad statt Auto, geht saisonal einkaufen und isst Fleisch nur bei ihren Eltern in Freiburg – dann allerdings koscher. Ihr Berufsziel: Grundschullehrerin. Und wenn ihre Schüler in Zukunft für das Klima demonstrieren, hat Ruth damit kein Problem.

Forscherin Anna Fuhrmann (21) aus Mannheim studiert Biologie und Chemie und absolviert derzeit ein Auslandssemester in Berkeley (Kalifornien). Der Jüdischen Allgemeinen sagte sie, sie wolle als Forscherin dazu beitragen, die CO2‐Emissionen zu senken. Anna hofft, zusammen mit anderen Wissenschaftlern ein Bakterium zu finden, das Plastik auffrisst, um Müll reduzieren zu können.

Außerdem würde sie gerne an der Herstellung von Plastik mitarbeiten, das biologisch abbaubar ist: »Ich möchte für die Umwelt etwas Gutes tun. Klimabewusstsein ist für meine Generation ein wichtiges Thema«, betont sie.

Anna Fuhrmann (21) hat auf Machane miterlebt, dass es möglich ist, auf Plastikbecher zu verzichten.

Als Madricha war Anna unter anderem bei Machanot der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden (ZWST) im Einsatz. In ihren Gruppen hat sie immer wieder das Thema Umwelt aufgegriffen. Jeder könne in seinem Alltag dazu beitragen, Plastikmüll zu reduzieren, weiß Anna: Mit JuJuBa (Jüdische Jugend Baden) fuhr sie vergangenes Jahr auf Machane nach Italien.

»Immer war es heiß, und jedes Mal wurden Plastikbecher ausgeteilt – insgesamt mehrere Hundert täglich.« Doch dann entschied man sich für recycelbare Flaschen. Jeder bekam eine Flasche mit seinem Namen, die Zeit der Plastikbecher war abgelaufen.

Von Kalifornien aus informiert sich die Studentin über das Geschehen in Europa. Sie findet es gut, dass die »Fridays for Future«-Demos auf das Problem des Plastikmülls aufmerksam machen. Selbst bemüht sie sich, unverpacktes Obst und Gemüse zu kaufen.

Nahverkehr Auch auf anderen Gebieten tut Anna, was sie kann: »Ich habe keinen Führerschein, sondern bin mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs.« In Deutschland, findet sie, sei der öffentliche Nahverkehr gut aufgestellt. In den USA dagegen sei man oft auf ein Auto angewiesen.

Und eines ist ihr noch wichtig: Wenn Annas Handy kaputtgeht, kauft sie nicht gleich ein neues, sondern fragt im Freundeskreis, ob jemand noch ein altes hat.

München

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