»Fridays for Future«

Wir wollen aufrütteln

Sie sind jung, jüdisch und engagieren sich für den Klimaschutz: Ruth und Anna liegt die Zukunft unseres Planeten am Herzen. Freitag, den 24. Mai, hat sich Ruth Bostedt (22) aus Freiburg, die in Heidelberg studiert, schon in ihren Kalender eingetragen: An diesem Tag will sie definitiv zu »Fridays for Future« gehen, denn an diesem Tag steht der »Globale Klimastreik« zur Europawahl an. Ruth findet: »Es kann so nicht weitergehen. Es ist wichtig, dass wir junge Menschen handeln und Verantwortung übernehmen.«

Ruth Bostedt (22) verzichtet auf Inlandsflüge und isst Fleisch nur bei ihren Eltern – dann allerdings koscher.

Die Studentin verzichtet auf Inlandsflüge, fährt Rad statt Auto, geht saisonal einkaufen und isst Fleisch nur bei ihren Eltern in Freiburg – dann allerdings koscher. Ihr Berufsziel: Grundschullehrerin. Und wenn ihre Schüler in Zukunft für das Klima demonstrieren, hat Ruth damit kein Problem.

Forscherin Anna Fuhrmann (21) aus Mannheim studiert Biologie und Chemie und absolviert derzeit ein Auslandssemester in Berkeley (Kalifornien). Der Jüdischen Allgemeinen sagte sie, sie wolle als Forscherin dazu beitragen, die CO2-Emissionen zu senken. Anna hofft, zusammen mit anderen Wissenschaftlern ein Bakterium zu finden, das Plastik auffrisst, um Müll reduzieren zu können.

Außerdem würde sie gerne an der Herstellung von Plastik mitarbeiten, das biologisch abbaubar ist: »Ich möchte für die Umwelt etwas Gutes tun. Klimabewusstsein ist für meine Generation ein wichtiges Thema«, betont sie.

Anna Fuhrmann (21) hat auf Machane miterlebt, dass es möglich ist, auf Plastikbecher zu verzichten.

Als Madricha war Anna unter anderem bei Machanot der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden (ZWST) im Einsatz. In ihren Gruppen hat sie immer wieder das Thema Umwelt aufgegriffen. Jeder könne in seinem Alltag dazu beitragen, Plastikmüll zu reduzieren, weiß Anna: Mit JuJuBa (Jüdische Jugend Baden) fuhr sie vergangenes Jahr auf Machane nach Italien.

»Immer war es heiß, und jedes Mal wurden Plastikbecher ausgeteilt – insgesamt mehrere Hundert täglich.« Doch dann entschied man sich für recycelbare Flaschen. Jeder bekam eine Flasche mit seinem Namen, die Zeit der Plastikbecher war abgelaufen.

Von Kalifornien aus informiert sich die Studentin über das Geschehen in Europa. Sie findet es gut, dass die »Fridays for Future«-Demos auf das Problem des Plastikmülls aufmerksam machen. Selbst bemüht sie sich, unverpacktes Obst und Gemüse zu kaufen.

Nahverkehr Auch auf anderen Gebieten tut Anna, was sie kann: »Ich habe keinen Führerschein, sondern bin mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs.« In Deutschland, findet sie, sei der öffentliche Nahverkehr gut aufgestellt. In den USA dagegen sei man oft auf ein Auto angewiesen.

Und eines ist ihr noch wichtig: Wenn Annas Handy kaputtgeht, kauft sie nicht gleich ein neues, sondern fragt im Freundeskreis, ob jemand noch ein altes hat.

Porträt der Woche

Flucht und Ankunft

Manfred Eisner erzählt vom Exil und seinem neuen Leben in einem kleinen Dorf

von Heike Linde-Lembke  24.05.2026

Ausstellung

Dynamik des Schreckens

Die Jewish Claims Conference und die Französische Botschaft in Berlin zeigen bislang verschollene Aufnahmen vom Beginn der Schoa im Vichy-Regime

von Alicia Rust  24.05.2026

München

Intensiver Austausch

Zum zweiten Mal fand in der Israelitischen Kultusgemeinde die Zusammenkunft der Europäischen Rebbetzinnen-Konferenz statt

von Vivian Rosen  24.05.2026

Erinnerung

Ein verlorener Ort der Geborgenheit

Yael Neeman sprach im Jüdischen Gemeindezentrum über das Leben im Kibbuz

von Nora Niemann  24.05.2026

Berlin

Mahnmal für zerstörte Synagoge beschmiert

Die Sachbeschädigung des Mahnmals am Lindenufer sei am Mittwochmorgen über die Internetwache der Polizei Berlin angezeigt worden

 21.05.2026

Berlin

Zentralrat der Juden distanziert sich von Itamar Ben-Gvir

Ein Video des rechtsextremen israelischen Ministers sorgt weltweit für Empörung. Auch die Vertretung der Juden in Deutschland äußert sich

 21.05.2026

Tacheles-Preis

»Ihr prägt den Journalismus. Ihr prägt unser Land«

WELT-Chefredakteur Helge Fuhst hielt die Laudatio auf die Jüdische Allgemeine. Eine Dokumentation

von Helge Fuhst  21.05.2026

Dokumentation

»Mehr Mut zu unbequemen Wahrheiten!«

Die Jüdische Allgemeine ist mit dem Tacheles-Preis ausgezeichnet worden. Hier dokumentieren wir die Dankesrede von JA-Chefredakteur Philipp Peyman Engel

von Philipp Peyman Engel  21.05.2026

Schawuot

Alles Käse

Ob Oreo-Cheesecake, israelischer Käsekuchen oder Napoleon-Torte: Familien verraten ihre Lieblingsrezepte und erzählen, warum milchige Desserts zum Fest unverzichtbar sind

von Christine Schmitt  21.05.2026