Solidarität

»Wir stehen geeint an der Seite der Ukraine«

Charlotte Knobloch spricht bei der Kundgebung. Foto: Andreas Gregor

Auf dem Münchner Königsplatz kamen am Mittwoch vergangener Woche weit über 40.000 Menschen zusammen, um ihre Solidarität mit der Ukraine zu unterstreichen. Der Königsplatz war einst einer der Aufmarschorte der Nationalsozialisten. Daran erinnerte Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, in ihrer Ansprache: »Doch heute sind wir hier!«

Wir, das waren Menschen, die ihre Überzeugung und ihr Engagement für Frieden in Europa und Solidarität mit der Ukraine zeigen wollten. Angeregt und angemeldet hatte die Demonstration die SPD. Erwartet wurden 5000 Personen, bald nach Beginn um 18 Uhr waren es schon mehr als 30.000, der Höhepunkt lag bei 45.000 Teilnehmern. Sie verhielten sich ruhig und besonnen, Abstand war nicht mehr einzuhalten, aber alle trugen Corona-Schutzmasken.

redner Die Teilnehmer waren bei Weitem nicht nur SPD-Anhänger. Es waren Menschen, die sich für Demokratie und Frieden über alle Parteigrenzen hinweg engagieren. Das bestätigte auch ein Blick auf die Redner-Liste aus allen bayerischen Parteien mit Ausnahme der AfD. Hinzu kamen Vertreter der Religionsgemeinschaften, von Organisationen und Verbänden. Die Generalkonsuln der USA und der Ukraine, Timothy Liston und Yuriy Yarmilko, gehörten ebenfalls zu den Rednern.

Timothy Liston unterstrich, dass die Ukrainer nicht nur ihr Land und sich selbst verteidigten, »sondern auch unsere Werte«. Yarmilko appellierte an die westliche Welt: »Helfen Sie uns zu kämpfen. Glauben Sie an unsere Tapferkeit und stärken Sie uns.«

»Als Mutter, Großmutter, Urgroßmutter fühle ich von Herzen mit den Müttern, Großmüttern und Urgroßmüttern in der Ukraine.«

IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch

Eröffnet hatte den Abend Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD). Er bezeichnete den Angriff auf die Ukraine als einen »menschenverachtenden und völkerrechtswidrigen Krieg gegen friedliche Bürger«, über den er fassungslos sei. Für Menschen aus der Ukraine stehe München wie schon bei der Flüchtlingskrise 2015 bereit. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) fand deutliche Worte: »Wir werden unter keinen Umständen einen Krieg, einen nicht provozierten Angriffskrieg in Europa akzeptieren, niemals.« Er bedankte sich bei den Menschen auf dem Königsplatz für ihr Engagement.

verbundenheit Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) betonte die Verbundenheit und Solidarität mit den Menschen in der Ukraine: »Lange, vielleicht zu lange, haben wir auf Vernunft, auf Einsicht, auf eine bloße Drohgebärde gehofft. Umso entschlossener halten wir jetzt dagegen, mit Mitteln, die dem Despoten wehtun, um Freiheit und Demokratie in der Ukraine zu verteidigen, um den Frieden auf unserem Kontinent wiederherzustellen!«

Dieses Ziel und diese Solidarität unterstrich auch Charlotte Knobloch: »Als Mutter, Großmutter, Urgroßmutter fühle ich von Herzen mit den Müttern, Großmüttern und Urgroßmüttern in der Ukraine. Die Bilder von tapferen Frauen, die mit ihren Kindern frierend und hungernd durchs Land irren, lassen das Blut in den Adern stocken. Sie wissen nicht, ob sie ihre Männer, Väter, Brüder je wieder sehen. Was diese Familien erleiden müssen, ist grausam und abscheulich. Wir Europäer, die gesamte westliche Welt- und Wertegemeinschaft, wir stehen geeint an der Seite der Ukraine.«

Programm

Klang, Gang und Streisand: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 3. Juni bis zum 10. Juni

 02.06.2026

TV-Tipp

»Robert Lembke - Wer bin ich?« -Doku-Drama über die TV-Legende

»Robert Lembke - Wer bin ich« ist ein kluger Film über Verdrängung, Volksbildung und das Schweigen einer TV-Legende über die eigene Vergangenheit

von Jan Lehr  02.06.2026

Frankfurt am Main

Jüdische Gemeinde zeichnet Jugendengagement mit Beni-Bloch-Preis aus

»Wir ehren unser langjähriges Vorstandsmitglied Benjamin Bloch sel.A. und erinnern damit an seinen Einsatz für die jüdische Gemeinschaft«, sagt der Vorstandvorsitzende der Gemeinde, Benjamin Graumann

 01.06.2026

Kommentar

Tote Juden stören nicht

Unsere Erinnerungskultur liebt Stolpersteine, aber stolpert nicht über den Antisemitismus vor der eigenen Haustür. Wie der Kampf gegen Judenhass am Nekrosemitismus scheitert

von Nelly Eliasberg  31.05.2026

Bonn

»Es ist ein Bruch eingetreten.«

Rabbiner Andreas Nachama betonte, dass Jüdinnen und Juden immer weiter in eine »Defensivposition« gebracht würden. Eine Studientagung des Deutschen Koordinierungsrates der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit lotete aus, wie es anders gehen könnte

von Leticia Witte  31.05.2026

Geburtstag

Mit exaktem Blick – Dagmar Nick zum 100. Geburtstag

Die Lyrikerin feierte in München mit einer Lesung ihren Jahrhundert-Geburtstag

von Michael Schleicher  30.05.2026

Zeitreise

Historische Frankfurter Judengasse wird virtuell erlebbar

In den Alltag von Jüdinnen und Juden im Jahr 1864 in Frankfurt am Main eintauchen, sich als Passant in der historischen Judengasse bewegen und mit Bewohnern sprechen: Das Jüdische Museum Frankfurt hat eine internetbasierte Zeitmaschine entwickelt

von Jens Bayer-Grimm  29.05.2026

Gedenken

Charlotten Knobloch: Holocaust-Bildungsstätte ist »nötiges Gegengewicht«

Die Gedenkstätte Yad Vashem errichtet ein Bildungszentrum in München. Für eine wichtige Persönlichkeit jüdischen Lebens in Deutschlands ist das eine notwendige Maßnahme

von Michael Donhauser  02.06.2026 Aktualisiert

Nordhausen

Ausstellung zeigt Lebensgeschichten von jüdischen Kindern

Im April 1945 befreite die Rote Armee bei Tröbitz 2.300 Häftlinge aus einem abgestellten Zug des »Verlorenen Transports«. Eine Ausstellung dokumentiert mit Fotos das Schicksal von acht überlebenden Kindern

 27.05.2026