München

»Wir müssen zusammenstehen«

Angehörige der Hamas-Geiseln in München Foto: Andreas Gregor

Es waren bewegende Momente, als die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern am vorvergangenen Sonntag in den Räumlichkeiten des Restaurants »Einstein« die Familienangehörigen mehrerer am 7. Oktober nach Gaza verschleppter Israelis zu einem gemeinsamen Mittagessen empfing.

Die Gruppe, die auf Einladung der deutsch-israelischen Politikberaterin Melody Sucharewicz durch Europa reiste, kam mit einer klaren Botschaft nach München: »Bring them home« – bringt sie nach Hause. Unter diesem Motto stand auch die Einladung der IKG, der unter anderem mehrere Stadträte und Landtagsabgeordnete gefolgt waren. Neben zahlreichen Gemeindemitgliedern war als Vertreterin des Staates Israel außerdem Vize-Generalkonsulin Kasa Bainesai-Harbor gekommen.

In eindringlichen Reden stellten die Gäste aus Israel ihre entführten Familienmitglieder vor und berichteten von deren Schicksalen. Etwa dass eine der Geiseln dringend auf ein Medikament angewiesen ist und niemand weiß, ob sie noch lebt. Dass eine andere Frau unter den Gefangenen sich um die Kinder kümmert – eine Information, die über die zwei wieder freigelassenen Geiseln nach außen gedrungen ist. Sie ist 77 Jahre alt und sitzt selbst im Rollstuhl, wie ihr acht Jahre älterer Bruder Chanan berichtete.

Patenschaftsgala der WIZO München

Das Schicksal der Entführten war auch Thema bei der Patenschafts-Gala der WIZO München am Abend desselben Tages. Die sonst fröhliche Veranstaltung, bei der für die Übernahme von Patenschaften für Kinder in Israel geworben wird, fiel unter dem Eindruck des Besuchs einige Stunden zuvor nachdenklicher aus. Rund 130 Unterstützer, unter ihnen auch der bayerische Justizminister Georg Eisenreich (CSU), kamen bei einem Abendessen ebenfalls im Einstein zusammen, um Reden und Lieder zu hören und in einem Filmbeitrag die Geiseln in ihrem Alltag vor der Entführung kennenzulernen.

Die langjährige WIZO-Vorsitzende Sara Schmerz und ihre Kolleginnen waren bereits am Mittag dabei gewesen, ebenso natürlich die IKG-Präsidentin und langjährige Unterstützerin der WIZO, Charlotte Knob­loch, die am Abend nun ausführlicher und sehr persönlich sprach. »Die Angehörigen haben uns mit ihren Berichten das Herz gebrochen«, hielt sie fest, »so wie es ihnen schon lang gebrochen worden ist.« Die jüdischen Gemeinden der Diaspora dürften aber nicht allein in Trauer versinken, sondern »wir müssen stark zusammenstehen und alles tun, um jedem Einzelnen der Entführten die Rückkehr zu ermöglichen«.

Die Frauenorganisation leistet vor Ort, was möglich ist

»Was am 7. Oktober geschah, war kein Krieg, sondern ein geplantes barbarisches Gemetzel« – so hatte zuvor Sara Schmerz die Gala eröffnet. Sie war, als der Terror begann, selbst in Tel Aviv. Die Nachrichten dieser Tage würden sie »Tag und Nacht verfolgen«. Die WIZO leiste vor Ort, was möglich ist, betreue die Evakuierten und kümmere sich »um das seelische Wohl von Groß und Klein«.

Justizminister Eisenreich unterstrich schließlich gegenüber den Anwesenden, sie könnten sich auf die Staatsregierung verlassen. Die anwesende Vize-Generalkonsulin Bainesai-Harbor, deren eigener Bruder derzeit als Soldat in Gaza im Einsatz ist, berichtete vom Zusammenhalt in Israel: »Man steht Seite an Seite.«

Und Guy Fränkel, im Vorstand der Kultusgemeinde für Sicherheit zuständig, konnte am Ende trotz aller Herausforderungen auch eine Nachricht der Zuversicht verbreiten. Sein Fazit: »Wir lassen uns nicht unterkriegen.«

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