Hameln

Willkommen und Abschied

Rabbinerin in Hameln: Ulrike Offenberg Foto: epd

Mehr als 130 Stühle stellen die Mitarbeiter am Freitag in der Synagoge zu Hameln auf: Die Gemeinde feiert einen ganz besonderen Gottesdienst. Neben Betern und etlichen Rabbinern sind Landrat Tjark Bartels (SPD) und Bürgermeister Thomas Meyer-Hermann (CDU) gekommen. Der Grund: Rabbinerin Irith Shillor wird nach 15 Jahren Amtszeit in den Ruhestand verabschiedet. Gleichzeitig wird Ulrike Offenberg als Rabbinerin eingeführt.

»Es war ein rührender Abschied und ein würdiges Willkommen«, sagt Rachel Dohme, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Hameln. Ulrike Offenberg würdigte das Wirken von Irith Shillor und Rachel Dohme, die hier in Hameln eine der »mustergültigsten« liberalen jüdischen Gemeinden in Europa aufgebaut hätten.

Sie wisse, dass sie als Rabbinerinnen in eine Männerdomäne eingebrochen seien, sagt die 50-Jährige und kündigt an, das Werk der von emanzipierten Frauen begründeten Tradition in Hameln fortzusetzen. Ulrike Offenberg wird jedes zweite Wochenende amtieren, bleibt aber in Berlin wohnen.

Aufbau »Für unsere kleine Gemeinde – sie zählt etwa 200 Mitglieder – ist das ein großer Schritt«, sagt die Vorsitzende. Irith Shillor spricht in ihrer Abschiedsrede von einer »wunderbaren Zeit«, die sie mit dem Aufbau der Gemeinde erlebt hat. Extra aus Großbritannien kam sie 15 Jahre lang einmal im Monat nach Hameln angereist. Die Israelin amtierte auch in Wien und in Gudensberg bei Kassel. 2001 wurde sie am Leo Baeck College in London ordiniert.

Für die Gottesdienste hatte sie dreisprachige Gebetbücher eingeführt, die die Texte der Gebete und Lieder auf Hebräisch mit der dazugehörigen Lautschrift, auf Russisch und auf Deutsch enthielten, wofür ihr besonders gedankt wurde.

Als eine Bereicherung für die Stadt und den Landkreis bezeichnet Landrat Tjark Bartels die jüdische Gemeinde. Bürgermeister Thomas Meyer-Hermann lobt, dass die Synagoge am Platz des alten, 1938 zerstörten Gotteshauses wiedererrichtet wurde.

»Die Gemeinde, auch wenn sie nicht zu den größten gehört, braucht einen Rabbiner oder eine Rabbinerin«, sagt Rachel Dohme. Die Kosten für das Gehalt von Ulrike Offenberg werden von verschiedenen Organisationen getragen, auch die Stiftung Liberale Synagoge Hameln wird sich an ihnen beteiligen. Rachel Dohme hofft, dass auch andere Gemeinden Ulrike Offenberg engagieren werden. »Für liberale Rabbiner ist es beruflich schwer«, meint Dohme. In Deutschland gebe es nur sehr wenige festangestellte liberale Rabbiner, sagt sie.

Wiedersehen Und einen weiteren Grund zur Freude haben die Beter in Hameln: Die vierköpfige albanische Familie Mima konnte dank der Hilfe der Jüdischen Gemeinde Hameln wieder nach Deutschland einreisen. Im Herbst war sie nach einem abgelehnten Asylantrag abgeschoben worden (vgl. Jüdische Allgemeine vom 8. September). Neben der Jüdischen Gemeinde, in der sich die Familie engagierte, Sprachkurse belegte und zu allen Gottesdiensten kam, hatte sich auch Landrat Bartels für sie eingesetzt. »Diese Familie wollen wir hier gerne sehen«, sagt er der Jüdischen Allgemeinen.

Die Mimas waren vor etwa 20 Monaten aus Albanien nach Deutschland geflohen. Kurz nach ihrer Ankunft in Hameln besuchten sie die Synagoge, da der 39-jährige Stelian Mima nach eigenen Angaben aus einer jüdischen Familie stammt. Da Albanien als sicheres Herkunftsland gilt, musste die Familie wieder ausreisen und in der Botschaft einen Antrag auf ein »Visum zur Arbeitsaufnahme« in Deutschland stellen. Mit dabei hatten sie Unterstützerbriefe – auch von der Jüdischen Gemeinde, deren Mitglieder schon überlegt hatten, ihnen ein Synagogenasyl zu gewähren. Nun ist die Familie seit einigen Tagen wieder in Deutschland, hat eine Wohnung in einem Dorf gefunden und kann an ihre Arbeitsplätze zurückkehren.

Die 29-jährige Denisa wird wieder im städtischen Kindergarten arbeiten und Stelian Mima in der Champignonzucht. Ihre Tochter Greta besucht die Schule und der vierjährige Samuel den Kindergarten. Beim ersten Gottesdienst nach ihrer Rückkehr Ende November standen die Beter auf und hießen die Familie applaudierend willkommen. »Es war ein sehr bewegender Moment«, erzählt Rachel Dohme. Und Stelian Mima sagt, dass er einfach nur glücklich sei, wieder in Hameln zu sein.

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