Altersarmut

Wie weiter bei den Renten?

Vielen Älteren bleibt nur die Grundsicherung. Foto: SandraMatic

Die Zahlen sprechen für sich: Während rund 2,4 Prozent der deutschen Rentner auf Leistungen der Grundsicherung im Alter angewiesen sind, liegt die Quote bei den jüdischen Zuwanderern bei 50 Prozent.

Seit vielen Jahren ist die Verbesserung der sozialen Lage von älteren jüdischen Zuwanderern deshalb ein wichtiges Anliegen des Zentralrats der Juden in Deutschland und der Zentralwohlfahrtsstelle (ZWST).

Gespräche Um dieses Anliegen umzusetzen, werden mit den jeweiligen Bundesregierungen regelmäßig politische Gespräche geführt und Gesetzesinitiativen angestoßen. Denn im Koalitionsvertrag hatten CDU, CSU und SPD vereinbart, für Härtefälle wie bei den sogenannten Kontingentflüchtlingen einen »Ausgleich durch eine Fondslösung« zu prüfen.

In einem Rundschreiben an die Landesverbände, das Präsidium, das Direktorium und die Mitglieder der Altersarmutkommission haben Zentralratspräsident Josef Schuster und ZWST-Präsident Abraham Lehrer vor den nächsten Gesprächen, die voraussichtlich im September stattfinden sollen, nun die aktuellen Entwicklungen vorgestellt.

So wurde zum Beispiel bei einem Termin Ende Juni mit Vertretern des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) aus einem Prozess der Härtefallregelung für DDR-Renten berichtet, die als »mögliche Blaupause einer Lösung« für jüdische Zuwanderer dienen könnte.

Härte Derzeit würden die Gespräche zur Finanzierung auf Bund-Länder-Ebene allerdings stocken, »da beteiligte Bundesländer sig­nalisiert hätten, eine gesetzliche Regelung außerhalb einer Härtefallregelung zu bevorzugen«, heißt es in dem Schreiben. Zudem wurde erneut angeregt, »das Vertreibungsschicksal insgesamt als Härte zu werten«.

Jüdische Zuwanderer sind vor dem Rentengesetz immer noch nicht gleich. Denn eine pauschale Gleichstellung jüdischer Zuwanderer und Spätaussiedler gestaltete sich schwierig. Spätaussiedler gelten im Sinne des Bundesvertriebenengesetzes als Deutsche und erhalten Leistungen nach dem Fremdrentengesetz. Dieses Gesetz besagt, dass Berechtigte so behandelt werden sollen, als hätten sie ihr Versichertenleben in Deutschland verbracht, nicht im Herkunftsland.

Situation Jüdische Zuwanderer sind davon nach aktueller rechtlicher Situation ausgeschlossen. Zumal eine Gleichsetzung mit Spätaussiedlern viele der circa 140.000 nach dem 6. Mai 1996 Eingewanderten als Aufstocker in der Grundsicherung belassen würde, da Menschen, die nach diesem Datum nach Deutschland kamen, nur noch maximal 25 Rentenpunkte erhalten.

Die Regelsätze, die in der Grundsicherung im Alter festgelegt seien, heißt es in dem Papier, würden »nach Auffassung von CDU, SPD, FDP, Grünen und AfD« eine »soziale Errungenschaft darstellen, die Armut verhindert«. In der Praxis bietet sich ein anderes Bild.

Stichprobe Eine stichprobenartige bundesweite Erhebung durch Zentralrat und ZWST von 1000 Fällen ergab, dass »beispielsweise 687 Befragte« einen akademischen Abschluss im Herkunftsland erworben hatten.

Bei nur 151 Personen wurde dieser in Deutschland anerkannt. »323 Zugewanderte konnten einen Rentenanspruch begründen, die mittlere Höhe 151 Euro reicht jedoch nicht aus, um ohne ergänzende Sozialleistungen den Lebensunterhalt bestreiten zu können.« ja

Erfurt

Jüdisch-Israelische Kulturtage in Thüringen eröffnet

Die diesjährigen Jüdisch-Israelischen Kulturtage bringen israelische Kultur nach Thüringen und setzen mit Konzerten, Lesungen und Debatten ein Zeichen gegen Antisemitismus. Die Eröffnung stand im Zeichen der aktuellen Kämpfe im Nahen Osten

 06.03.2026

Forschungsprojekt

Hochschule für Jüdische Studien will Schüler handlungsfähig machen

Antisemitischer Hass ist im Netz allgegenwärtig. Ein neues Projekt erforscht jetzt linken Judenhass - und befähigt Schüler, der Hetze entgegenzutreten. Entscheidend dabei: Medienkompetenz und historisches Wissen

von Volker Hasenauer  06.03.2026

Hamburg

Jüdische Zukunft an der Elbe

Debattieren, begegnen und einander stärken: Mehr als 400 junge Erwachsene setzten beim Jugendkongress ein Zeichen

von Joshua Schultheis, Mascha Malburg, Moritz Piehler  05.03.2026

Berlin

Jüdisches Krankenhaus sucht weiter nach neuem Träger

Das insolvente Jüdische Krankenhaus Berlin soll zunächst weiter in Eigenverwaltung saniert werden. Der Krankenhausbetrieb wird in dieser Zeit in vollem Umfang aufrechterhalten

 05.03.2026

Reaktionen

Zwischen Sorge und Hoffnung

Jüdinnen und Juden mit iranischen Wurzeln verfolgen intensiv die Nachrichten – sie bangen mit den Israelis und hoffen, eines Tages wieder in den Iran reisen zu können. Wir haben uns umgehört

von Katrin Richter, Christine Schmitt  04.03.2026

Thüringen

Doppelkonzert eröffnet Jüdisch-Israelische Kulturtage

Nach stornierten Flügen gelingt dem israelischen Sharon-Mansur-Trio aus Haifa doch noch die Anreise nach Deutschland. Jetzt starten die Jüdisch-Israelischen Kulturtage Thüringen gemeinsam mit israelischen und iranischen Künstlern

 04.03.2026

Daniel Grossmann

»Wir bleiben sichtbar«

Der Münchener Dirigent erhält die Wilhelm-Hausenstein-Ehrung

von Esther Martel  04.03.2026

München

Verbunden aus Überzeugung

Die IKG ehrte Personen, die sich für die jüdische Gemeinschaft einsetzen

von Esther Martel  04.03.2026

Bedrohung

»Abstrakte Gefährdungslage«

Wegen des Kriegs im Nahen Osten sind die jüdischen Gemeinden in Deutschland alarmiert. Zugleich geht der Zentralrat davon aus, dass der Kampf gegen die Mullahs langfristig Sicherheit schafft

von Helmut Kuhn  04.03.2026