Keren Hayesod

Wechsel an der Spitze

Amir Borenstein (l.) übernimmt zukünftig die Geschäfte des Vorsitzenden, David Leschem wird seinem Nachfolger beratend zur Seite stehen. Foto: KH

Keren Hayesod

Wechsel an der Spitze

David Leschem, langjähriger Vorsitzender der Spendenorganisation, übergibt das Amt an Amir Borenstein

von Miryam Gümbel  24.02.2022 06:46 Uhr

Der Keren Hayesod ist und bleibt die Brücke, die die unzerstörbare Verbindung zwischen den Gemeinden der Diaspora sowie Freunden Israels weltweit und dem jüdischen Heimatland verkörpert. Er ermöglicht es, kollektiv zu handeln für ein starkes Israel im Zentrum der jüdischen Welt; ein Israel, das ein sicherer Hafen und ein Zuhause für alle Juden ist; ein erfolgreiches Israel, auf das wir alle stolz sein können.»

Diese Definition, mit der sich die Vereinigte Israel Aktion e.V. selbst beschreibt, umreißt klar Ziel und Aufgaben. Weltweit tragen zum Erfolg unzählige Menschen bei – als Spender, aber auch als diejenigen, die sich um das Einbringen von Spenden bemühen.

«Dabei bin ich mir nie als Schnorrer vorgekommen», sagt David Leschem, langjähriger Vorsitzender von Keren Hayesod München. Es war ja immer für den guten Zweck, und viele Menschen bedankten sich bei ihm, dass er diese Aufgabe übernommen hatte. «Das ist für mich das Phänomen, das mich immer wieder aufs Neue überrascht und mir die Kraft gegeben hat, dieses Amt weiterzuführen.»

ideen Dass er dieses nun an Amir Borenstein übergibt, hat mehrere Gründe. Zum einen ist es das Alter. So suchte er nach all den Jahren jemanden, der neue Ideen für die jüngere Generation entwickeln würde. Und die braucht es, um die Menschen für Keren Hayesod zu begeistern. Denn ein Fest alleine macht den Erfolg noch lange nicht aus. Das Rahmenprogramm dabei ist zwar wichtig. An erster Stelle, so betont Leschem, müssten allerdings Ehrengast und Laudatoren stehen.

Dafür entwickelte Leschem eine grandiose Idee: die Verleihung des «Shield of Keren Hayesod» in München. Der Erste, dem diese Auszeichnung außerhalb Israels zuteilwurde, war 2006 der frühere Bundesinnenminister Otto Schily. «Seine Freundschaft zu unserem Land und seine außerordentlich guten Verbindungen zu den jüdischen Gemeinden in Deutschland» hob damals der seinerzeitige Weltpräsident des Keren Hayesod aus Jerusalem, Avi Pazner, hervor.

Im Jahr 2012 erhielt dann der ehemalige bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein diese Auszeichnung – als Ausdruck tief empfundener Dankbarkeit der jüdischen Gemeinschaft für all jenes, was er im Laufe der Jahrzehnte für die Juden in Bayern, in Deutschland, in Israel und der ganzen Welt geleistet hatte, erklärte seinerzeit Laudatorin Charlotte Knob­loch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. 2016 ging die Auszeichnung schließlich an den Dirigenten Zubin Mehta, der seit vielen Jahrzehnten um die Musikförderung in Israel bemüht ist und von 1977 bis 2019 Chefdirigent des Israel Philharmonic Orchestra (IPO) war. Die Laudatio auf den Musiker von Weltruf hielt Sir Peter Jonas, während dessen Intendanz Mehta bis 2006 Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper in München war.

hilfe Ganz zurückziehen aus der Arbeit von Keren Hayesod München will sich David Leschem nicht. Er will weiter «seine» Spender betreuen, sich nach wie vor einbringen. Die Geschäfte des Vorsitzenden will er aber in jüngere Hände legen. Seine – schließlich auch erfolgreiche – Wahl ist auf Amir Borenstein gefallen, von dem er sich auch neue Ideen erhofft. Genau so wie Leschem bei seinem Amtsantritt von Buma Sandler sel. A. unterstützt wurde, so will auch er seinem Nachfolger jegliche Hilfe geben. Familiär und auch sonst verbindet Borenstein viel mit Israel. Seine Söhne studieren dort. Er selbst ist häufig in dem Land, in dem seine Großmutter geboren und seine Mutter aufgewachsen ist. Was Keren Hayesod betrifft, hat er von seinem Vater schon von Jugend an viel über die Organisation gehört. Als Jugendlicher engagierte sich Amir Borenstein dann selbst bei Young Leadership.

Familiär und auch sonst verbindet Amir Borenstein viel mit Israel.
Ein israelischer Freund wirkte beim Aufbau von «Nirim» für schwer erziehbare und straffällig gewordene Jugendliche mit. Die Einrichtung liegt an der nördlichen Küste Israels. Nirim bietet gefährdeten Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren eine oft letzte Gelegenheit, ihre harten Lebensumstände zu überwinden, ihre Stärken zu entdecken und selbstbewusste und erfolgreiche Mitglieder der Gesellschaft zu werden. Borenstein war von dem Projekt und dem Erfolg der Schule begeistert, die inzwischen den besten Notendurchschnitt in Israel erreicht.
Aktuell sind einige Absolventen Offiziere bei den Israelischen Verteidigungsstreitkräften (IDF).

Erfolg Die Erfolgsgeschichte von Nirim, das einen wertvollen Beitrag für Israel leistet, wollte Amir Borenstein von Anfang an auch finanziell unterstützen. Sein Einsatz und der seiner Unterstützer führte ihn zu Keren Hayesod, der das Projekt in seine Förderliste aufnahm. Um bei der Vereinigung aktiv mitzuwirken, fehlte dem Unternehmer allerdings noch lange die Zeit. Inzwischen hat er sich aus dem operativen Geschäft seiner Firma in den Aufsichtsrat zurückgezogen. So bleibt für ihn genügend Freiraum, sich aktiv in die Arbeit von Keren Hayesod einzubringen.

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