Synagogen-Gemeinde Köln

Wann ist eine Frau eine Heldin?

Alina-Toyah Sallmon ist Stellvertretende Leiterin der Sozialabteilung der Synagogen-Gemeinde Köln und leitet Kultur le Kulam, die Kulturakademie der Organisation. Foto: Andriy Uzhva

Die neue Kulturakademie der Synagogen-Gemeinde Köln, »Kultur le Kulam«, lädt Mädchen im Alter von 11 bis 14 Jahren zu einem besonderen, mehrtägigen Workshop ein, der Anfang Oktober stattfindet. Es geht um weibliche, jüdische Vorbilder sowie um eigene Stärken.

Unterschiedliche Themen sollen mit den jungen Teilnehmerinnen erörtert werden: Wann ist eine Frau eine Heldin? Welche Frauen aus der Geschichte und der Gegenwart sind meine Vorbilder und warum? Noch wichtiger ist diese zentrale Frage: Wie kann auch ich eine Heldin sein?

Gute Leistung Laut Alina-Toyah Sallmon, die dieses Jahr viel Arbeit in »Kultur le Kulam« investiert hat - inklusive der Planung des Mädchen-Workshops mit dem treffenden Titel »Heldinnen von gestern – Heldinnen von morgen« - werden Mädchen »oftmals nicht so sehr ermutigt, auch mal selbst laut und aktiv und kreativ zu werden.« Vielmehr müssten sie nach Ansicht vieler Menschen brav sein, eine gute Leistung bringen, »aber nicht so viel darüber reden«.

Anders ist es bei dem Workshop im Oktober: »Hier sind sie eben in einem geschützten Raum. Es sind nur Mädchen und hier können sie wirklich spinnen, ihren Gedanken freien Lauf lassen - und sie werden ermutigt, auch mal nachzudenken: Was will ich denn für eine Frau sein? Wer sind meine Vorbilder? Wo sind meine Stärken und wie kann ich auch anderen Gutes tun?«, so Alina-Toyah Sallmon.

Die Heldinnen, mit denen sich die Teilnehmerinnen näher beschäftigen und identifizieren können, wählen sie selbst aus. »Wir geben das nicht vor, sondern wir stellen den Mädchen verschiedene Frauen vor.« In der jüdischen Geschichte und Gegenwart muss nicht lange nach geeigneten Kandidatinnen gesucht werden. Zwischen Golda Meir und Gal Gadot sind unzählige Beispiele für bewundernswerte Frauen vorhanden. »Auch hier in Köln gibt es in der Geschichte jüdische Frauen, die sich für andere eingesetzt haben«, erklärt die Leiterin der Gemeindeakademie.

Internationale Familien Die erwarteten Teilnehmerinnen des Workshops kommen überwiegend aus der Kölner Gemeinde und zum Teil aus internationalen Familien, sagt Bettina Levy vom Gemeindevorstand. »Die Eltern kommen in diesen Fällen aus einem anderen Land, man selbst ist in Deutschland geboren. Dann ist man jüdisch, aber auch das lebt man nicht überall aus. Also man hat fast schon eine gespaltene Persönlichkeit manchmal. Und wir wollen durch diesen Kurs eben den Mädchen eine kulturelle Identität geben, damit sie wissen: Wer bin ich? Woher komme ich?«

Abgesehen von Heldinnen und mit ihnen verbundenen Fragen sind Kreativität und Kunst feste Bestandteile des Workshops »Heldinnen von gestern – Heldinnen von morgen«, der vom 2. bis zum 6. Oktober 2023 stattfindet. Nach einer Einführung in die Collagentechnik »gestalten die Teilnehmerinnen ein Plakat, in dem sie selbst im Zentrum stehen und von diversen Elementen umringt sind, die ihre Ideale, Vorbilder, Stärken und Visionen repräsentieren«, heißt es in einer Ankündigung der Synagogen-Gemeinde.

»Abschließend wird jede Collage fotografiert und gedruckt, sodass sie jedes Mädchen als Poster mit nach Hause nehmen kann.« Wenn die Teilnehmerinnen damit einverstanden sind, wird laut Gemeinde eine Ausstellung der Collagen organisiert.

Guter Anklang Der Workshop ist bereits ein Erfolg, bevor er angefangen hat. Die Organisatorinnen sind mehr als zufrieden: »Es hat guten Anklang gefunden, wie alle Kurse, die wir anbieten«, so Bettina Levy. »Wir sind sehr positiv überrascht.«

Der Kurs wird vom Land Nordrhein-Westfalen gefördert. Auch das jfc Medienzentrum, ein weiterer Verein, ist involviert. Für die Teilnehmerinnen oder deren Eltern ist er ist kostenlos - abgesehen von einem Unkostenbeitrag von 65,00 Euro für eine tägliche, koschere Mahlzeit. Die Zahl der Plätze ist begrenzt. Anfragen können per E-Mail gestellt werden.

»Kultur le Kulam« ist ein brandneues Projekt der Synagogen-Gemeinde Köln. Im Mai wurden die ersten Programme verschickt. Zunächst ging es um Schnupperkurse verschiedener Art, dann folgten die eigentlichen Kurse und der erste Workshop. »Heldinnen von gestern – Heldinnen von morgen« setzt die bisher noch kurze Reihe an Veranstaltungen fort.

»Die Kulturakademie ist ein ganz neues Projekt für die Synagogen-Gemeinde Köln«, betont Bettina Levy. Zuerst sei intern eine Frage gestellt worden: »Wie bringen wir Kinder, junge Leute, aber auch alte Menschen in die Gemeinde? Wir haben ja wie alle Gemeinden ein Problem. Es gibt ein sehr breit gefächertes religiöses Angebot sowie ein großes soziales Netz. Und wir haben trotzdem das Problem, dass nicht alle Leute, die könnten, in die Gemeinde kommen.«

Die Antwort: Kuku, das Kürzel für »Kultur le Kulam«. Mit ihrem Programm zieht die Kunstakademie Menschen an.

München

Religiöse Heimat

Die Stadtteilsynagoge Sha’arei Zion in der Georgenstraße ist seit Jahrzehnten ein Zentrum jüdischen Lebens in Schwabing

von Esther Martel  22.02.2026

Interview

»Alija machen ist wie vom Zehnmeterturm springen«

Sie haben Deutschland verlassen und sich für ein Leben in Israel entschieden. Was hat sie dazu bewogen? Ein Gespräch mit vier »Olim« über Zionismus, einen rastlosen Alltag und die Zukunft des Judentums in der Diaspora

von Joshua Schultheis  19.02.2026

Programm

Lesung, Erkundung, Abrechnung: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 19. Februar bis zum 25. Februar

 19.02.2026

Jewrovision

Unterwegs zum Wettbewerb

Die Lieder stehen fest, die Proben laufen – Hunderte Kinder und Jugendliche in ganz Deutschland fiebern dem Mini-Machane und der Show Mitte Mai schon jetzt entgegen

von Christine Schmitt  19.02.2026

Ukraine-Hilfe

Viele Aufgaben – wenig Geld

Aufwendige Prüfverfahren, zahlreiche Überstunden und unsichere Finanzierung – die Israelitische Gemeinde nimmt auch vier Jahre nach Beginn des Krieges weiterhin Geflüchtete auf

von Anja Bochtler  19.02.2026

Potsdam

Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg und Levinson Stiftung vereinbaren enge Zusammenarbeit

Die Vereinbarung gilt als wichtiger Schritt, um akademische Forschung und rabbinische Ausbildung enger miteinander zu verzahnen und jüdisches Leben in Deutschland langfristig zu stärken

 18.02.2026

Brandenburg

Gesetzestreue Jüdische Landesgemeinde kritisiert Ministerium

Seit vielen Jahren versucht eine streng orthodoxe jüdische Gemeinde in Brandenburg, höhere staatliche Zuschüsse zu bekommen. Dafür werden auch immer wieder die Gerichte eingeschaltet

 18.02.2026

Jugendkongress

400 junge Juden treffen sich in Hamburg

»Strong. Jewish. Here.« - unter diesem Motto kommen rund 400 jüdische junge Erwachsene in Hamburg zu einem bundesweiten Kongress zusammen. Das Treffen soll ein besonderes Signal in politisch angespannten Zeiten sein

von Michael Althaus  18.02.2026

Dresden

Workshops für Polizisten

Der Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden und das Sächsische Innenministerium unterzeichneten einen Kooperationsvertrag

von Helmut Kuhn  17.02.2026