Wohltätigkeit

Vorfreude auf den Mitzvah Day

Beim Mitzvah Day geht es um gute Taten (Archivfoto) Foto: Michael Faust

»Die Kinder freuen sich sehr, ebenso unsere Senioren.« Auch Elina Domnina, Sozialarbeiterin bei der Jüdischen Gemeinde Bochum-Herne-Hattingen ist voller Vorfreude auf den Mitzvah Day. In diesem Jahr werden sie und die Kinder den »Tag der guten Taten« gleich zweimal begehen, denn am Sonntag werden die Gemeindemitglieder zu einem Konzert von Roman Kupferschmidt eingeladen, der im Gemeindesaal auftritt, und am Montag werden die Kinder der Gemeinde-Kita zwölf ältere Leute im Seniorenhaus besuchen und sich später mit etwa 50 Schoa-Überlebenden treffen.

»Die Kinder werden vorsingen und vortanzen«, so Elina Domnina. Im vergangenen Jahr hatten die Senioren den Kindern wiederum Geschenke gebastelt. Und zwar kleine Katzen und Pinguine aus Socken – worüber sich die Kinder enorm gefreut haben. Die Spenden, die beim Konzert zusammenkommen, werden nach Israel gehen.

Gemeinden in ganz Deutschland bereiten sich vor

Die Bochumer Gemeinde ist eine von 70 Organisationen, die sich beim Mitzvah Day engagieren und sich angemeldet haben. Mehr als 3000 Personen werden den Tag nutzen, um Gutes zu tun. Es seien noch mehr Anfragen und Anmeldungen eingegangen als in den vergangenen Jahren, heißt es beim Zentralrat der Juden in Deutschland, der den Mitzvah Day in Deutschland im Jahr 2012 eingeführt hat. 2013 fand der Tag erstmalig bundesweit statt und wurde rasch immer größer.

Am Mitzvah Day werden etwa Briefe für die Soldaten in Israel geschrieben, Gebäck verkauft, dessen Erlös nach Israel geht, Essensspenden gesammelt und vor Ort verteilt, Senioren oder vereinsamte Menschen besucht, Müll in Parks aufgesammelt, Bäume gepflanzt, Geschenke für bedürftige Kinder vorbereitet und vieles mehr. Es geht nicht um Geld, sondern um gespendete Zeit und das Mitwirken jedes Einzelnen.

Die Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Flensburg sind seit Jahren dabei. »Jedes Jahr packen wir mit an«, sagt Elena Buslowicz, Sozialarbeiterin der Gemeinde. Auch hier werden die Veranstaltungen über mehrere Tage verteilt. »Am Mittwoch waren wir bei Regen auf dem Friedhof, um ihn zu säubern.« Da hätten sich alle über die Regenjacken gefreut, die der Zentralrat ihnen vorab geschickt hatte. Denn jede Organisation, die mitmacht, kann grüne T-Shirts, Wimpel, Luftballons und weitere Utensilien bestellen. Die Kinder seien bereits fleißig am Kartenbasteln, es werde zusammen gekocht und gebacken. Schließlich sollen Pakete gepackt und an die älteren Gemeindemitglieder verteilt werden.

Wundern über die Dankbarkeit

Bei der Berliner John-F.-Kennedy-Schule wurde der Mitzvah Day ebenfalls vorgezogen. Am Dienstag räumten die Zweitklässler des Religionsunterrichts den Campus auf, sammelten Müll ein und fegten das Laub zusammen. Alle Schüler des jüdischen Religionsunterrichts hatten in den Wochen zuvor Origami-Herzen gebastelt, sie dekoriert und mit Schokolade gefüllt. Am Mittwoch überreichten einige der Schüler diese dem Team der Rettungsstelle des Helios Klinikums »Emil von Behring«. »Die Krankenschwestern, Pfleger und Ärzte waren sehr gerührt und bedankten sich bei den Kindern«, so Sarit Friedman, Religionslehrerin der John-F.-Kennedy-Schule. Ihre eigene Tochter ist derzeit Reservistin in Israel. »Auf dem Rückweg zur Schule erzählten die Schüler immer wieder, dass sie verwundert waren, wie sehr sich das Team der Rettungsstelle gefreut hat, und dass sie versuchen werden, in Zukunft öfter Danke zu sagen.«

Der Mitzvah Day beruht auf der Überzeugung, dass jeder die Welt positiv beeinflussen kann. Das Konzept basiert auf zentralen jüdischen Werten wie: Tikkun Olam (»Verbesserung der Welt«), Zedek (»Gerechtigkeit«) und Gemilut Chassadim (»Mildtätigkeit«). Juden sollen diese Werte leben und in ihrem Alltag verwirklichen, heißt es auf der Homepage des Zentralrats.

Der Mitzvah Day findet am Sonntag, den 19. November statt. Interessierte können sich auf der Webseite der Aktion anmelden.

Eröffnung

Museum Zwangsarbeit zeigt Ausstellung zu »unerwünschten Kindern«

Beziehungen zwischen Deutschen und Zwangsarbeitern im NS-Regime waren verboten. Trotzdem gab es diese Kontakte ebenso wie Kinder aus diesen Beziehungen. Eine Ausstellung in Weimar widmet sich den Geschichten der betroffenen Eltern und Kindern

 30.10.2026

Frankfurt

Eine Akademie für Deutschland

Am Montag wird die Jüdische Akademie feierlich eröffnet. Sie soll innerjüdische Debatten fördern und jüdische Perspektiven stärker in die Gesellschaft einbringen

von Josef Schuster  30.10.2026

Berlin

Wundersame Rückkehr

Eine Delegation des Temple Chai aus Phoenix, Arizona, brachte einen Wimpel und eine Parochet, die 88 Jahre verschollen waren, zurück in die Synagoge Oranienburger Straße

von Alicia Rust  29.10.2026

Frankfurt am Main

L’Chaim! Auf das Leben

Die Gala »WIZO Night for Children« brachte mehr als 560 Patenschaften

von Eugen El  29.10.2026

Gefahr

Antisemitische Gewalt an Halloween?

In einem Schreiben rät der Zentralrat der Juden für das Wochenende zu Vorsicht und empfiehlt verschärfte Sicherheitsmaßnahmen

 28.10.2026

Seele

Wenn alles zu viel ist

Erstarkende Extreme, Gedanken ans Auswandern, Rechtfertigen im Alltag – eine virtuelle Begegnung mit Jüdinnen und Juden und der Frage: Wie gehtʼs dir?

von Katrin Richter  27.10.2026

Ausstellung

Waschgefäß ohne Geschichte

Das Jüdische Historische Institut in Warschau zeigt Exponate aus dem ehemaligen Berliner Jüdischen Museum – ohne klare Verweise und mit auffälliger Distanzierung

von Ingo Loose  27.10.2026

Frankfurt am Main

Ort jüdischen Denkens: Akademie öffnet

Es ist die erste Institution dieser Art in der Bundesrepublik. Was hat es damit auf sich?

 27.10.2026

Deutschland

Zentralrat der Juden warnt vor möglicher antisemitischer Gewalt bei Protesten am 31. Oktober

In einem Schreiben wird für das Wochenende zu Vorsicht und verschärften Sicherheitsmaßnahmen geraten

 26.10.2026