Ausstellung

Von Baku nach Berlin

Es war ein inspirierender Donnerstagabend in der QGallery Berlin, die zur Vernissage des aus Aserbaidschan stammenden Künstlers Rami Meir und seiner Ausstellung Geschichte eines Volkes. Das Leben der Bergjuden in Aserbaidschan geladen hatte. In den vier Ausstellungsräumen traf sich das Publikum, darunter auch Nasimi Aghayev, der Botschafter Aserbaidschans.

Die Werke Meirs zeigen ausdrucksstarke Szenen aus dem Familienleben des Künstlers, Alltagseindrücke aus Baku sowie atemberaubende Landschaften in den Bergen Aserbaidschans. Jedoch setzt sich Rami Meir, der verhindert war, in seinen Kunstwerken nicht nur mit der Geschichte seines Volkes, den Bergjuden, auseinander. Die Motive auf den Leinwänden, Stoffen, Bronzestanzungen und Holzskulpturen zeigen, dass es sich bei Meir um einen Toragelehrten handelt.

kunstschule Geboren 1962 in Baku, schloss Meir die Kunstschule 1981 mit einer Spezialisierung auf »Prägekunst und Schmuck« ab. In den 90er-Jahren wanderte er mit seiner Familie nach Israel aus und hielt sich fortan auch regelmäßig in Russland auf. Seine bergjüdische Identität war weiterhin prägend für die künstlerische Arbeit.

Auf die Verwurzelung der jüdischen Religion und Kultur ging auch Nasimi Aghayev ein: »Aserbaidschan ist ein mehrheitlich muslimisches Land mit einer säkularen weltlichen Regierung. Es gibt Hunderttausende Christen sowie etwa 30.000 Juden, die in Aserbaidschan leben, ohne jegliche Form von Antisemitismus oder Diskriminierung.« Darauf seien alle sehr stolz. »Ich glaube, dass wir unserer Region und der Welt jeden Tag ein Beispiel vorleben, wie Muslime und Juden friedlich zusammenleben können!«

In den 90er-Jahren wanderte Rami Meir mit seiner Familie nach Israel aus und hielt sich fortan auch regelmäßig in Russland auf.

Diese friedliche Koexistenz wurde auch vom Geschäftsführer des Zentralrats der Juden, Daniel Botmann, hervorgehoben: »Während Juden in Europa auf eine Geschichte der Verfolgung zurückblicken, schauen Bergjuden auf eine stolze Geschichte der Koexistenz in Aserbaidschan. Hier zeigen Juden und Muslime seit Jahrhunderten, wie man friedlich zusammenleben kann.« Trotzdem sind die Bergjuden kaum jemandem ein Begriff. »Wir haben extreme Defizite, wenn es um die Geschichte der Bergjuden geht«, führte die Historikerin Eva-Maria Auch von der Humboldt-Universität zu Berlin in ihrem Vortrag aus.

In Aserbaidschan seien die Bergjuden heute vor allem in der malerischen Stadt Quba im Norden des Landes beheimatet. Dorthin haben sie sich im Zuge der Christianisierung Südkaukasiens im vierten Jahrhundert zurückgezogen. Aus der territorialen Beschaffenheit der Region entstand auch die Bezeichnung der Bevölkerungsgruppe: Bergjuden. Ihre religiöse Identität haben die Bergjuden über Jahrhunderte aufrechterhalten und gelebt. Mit seiner Ausstellung bringt Rami Meir uns diese auf eindrucksvolle Weise näher.

»Geschichte eines Volkes« ist noch bis zum 7. Januar 2023 in der QGallery zu sehen. www.qgalleryberlin.de

Erfurt

Jüdisch-Israelische Kulturtage in Thüringen eröffnet

Die diesjährigen Jüdisch-Israelischen Kulturtage bringen israelische Kultur nach Thüringen und setzen mit Konzerten, Lesungen und Debatten ein Zeichen gegen Antisemitismus. Die Eröffnung stand im Zeichen der aktuellen Kämpfe im Nahen Osten

 06.03.2026

Forschungsprojekt

Hochschule für Jüdische Studien will Schüler handlungsfähig machen

Antisemitischer Hass ist im Netz allgegenwärtig. Ein neues Projekt erforscht jetzt linken Judenhass - und befähigt Schüler, der Hetze entgegenzutreten. Entscheidend dabei: Medienkompetenz und historisches Wissen

von Volker Hasenauer  06.03.2026

Hamburg

Jüdische Zukunft an der Elbe

Debattieren, begegnen und einander stärken: Mehr als 400 junge Erwachsene setzten beim Jugendkongress ein Zeichen

von Joshua Schultheis, Mascha Malburg, Moritz Piehler  05.03.2026

Berlin

Jüdisches Krankenhaus sucht weiter nach neuem Träger

Das insolvente Jüdische Krankenhaus Berlin soll zunächst weiter in Eigenverwaltung saniert werden. Der Krankenhausbetrieb wird in dieser Zeit in vollem Umfang aufrechterhalten

 05.03.2026

Reaktionen

Zwischen Sorge und Hoffnung

Jüdinnen und Juden mit iranischen Wurzeln verfolgen intensiv die Nachrichten – sie bangen mit den Israelis und hoffen, eines Tages wieder in den Iran reisen zu können. Wir haben uns umgehört

von Katrin Richter, Christine Schmitt  04.03.2026

Thüringen

Doppelkonzert eröffnet Jüdisch-Israelische Kulturtage

Nach stornierten Flügen gelingt dem israelischen Sharon-Mansur-Trio aus Haifa doch noch die Anreise nach Deutschland. Jetzt starten die Jüdisch-Israelischen Kulturtage Thüringen gemeinsam mit israelischen und iranischen Künstlern

 04.03.2026

Daniel Grossmann

»Wir bleiben sichtbar«

Der Münchener Dirigent erhält die Wilhelm-Hausenstein-Ehrung

von Esther Martel  04.03.2026

München

Verbunden aus Überzeugung

Die IKG ehrte Personen, die sich für die jüdische Gemeinschaft einsetzen

von Esther Martel  04.03.2026

Bedrohung

»Abstrakte Gefährdungslage«

Wegen des Kriegs im Nahen Osten sind die jüdischen Gemeinden in Deutschland alarmiert. Zugleich geht der Zentralrat davon aus, dass der Kampf gegen die Mullahs langfristig Sicherheit schafft

von Helmut Kuhn  04.03.2026