Jüdische Studierendenunion

Von AfD bis Zugehörigkeit

Fair und respektvoll sei diskutiert worden, berichtet Mike Delberg von der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD), die am vergangenen Wochenende zu ihrer zweiten Vollversammlung nach Frankfurt eingeladen hatte. Insgesamt 250 Personen nahmen an den verschiedenen Aktivitäten – beginnend mit einem gemeinsamen Schabbaton, zu dem auch junge Juden aus der Frankfurter Gemeinde kamen – im Gemeindezentrum Savignystraße teil.

Empfangen wurden die rund 150 Delegierten von Bürgermeister Uwe Becker, dem Repräsentanten der Gemeinde, Marc Grünbaum, dem Präsidiumsmitglied des Zentralrats der Juden, Harry Schnabel, ZWST-Vizedirektor Aron Schuster sowie dem Zentralratsgeschäftsführer Daniel Botmann.

Sie unterstrichen, wie wichtig die Studierendenunion nicht nur für die Belange der Studenten selbst, sondern vor allem für die Gemeinden als Nachwuchskräfte ist. Sie werden als junge Generation einmal die Geschicke in die Hand nehmen. Auch im Zusammenhang mit der Antisemitismusdebatte sei ihre Stimme unerlässlich, betonten die Redner.

Statements Der Samstag war den zahlreichen eingereichten Statements und Fragen etwa zum Umgang mit der AfD bis zum respektvollen Umgang mit sexuellen Minderheiten und patrilinearen Juden gewidmet. Die Anträge wurden teils modifiziert, um sie am Sonntag zu beschließen.

»Die Diskussion war teilweise hitzig und sehr engagiert, aber immer ungeheurer res­pektvoll«, betont Mike Delberg. So fand der Antrag von Michael Ushakov und Dalia Grinfeld zur Positionierung der JSUD gegenüber der AfD, »jegliche Kooperation, Unterstützung und Zusammenarbeit mit der AfD« zu unterlassen, große Zustimmung. Man wolle gemeinsame Auftritte mit der rechtspopulistischen Partei vermeiden, was aber nicht bedeute, sich nicht aktiv mit ihr auseinanderzusetzen.

Eine große Mehrheit fand der Antrag von Misha Yantian, Arthur Poliakow, Lars Umanski, Anna Shmukler und Aaron V. Sumov, sexuelle Minderheiten in die jüdische Gemeinschaft voll zu integrieren und respektvoll mit ihnen umzugehen. Sie hatten Diskriminierung und Ausgrenzung kritisiert.

Vaterjuden
Respekt und Anerkennung forderten sie in einem zweiten Antrag für patrilineare Juden und Jüdinnen. »Wir wollen uns breiter aufstellen und den Diskurs auch mit ›Netzer‹ und ›Jung und Jüdisch‹ führen«, sagte Delberg. Der Antrag gegen eine Liberalisierung und für die Aufnahme des Begriffs »halachische Juden« in die Satzung, der von Vorstandsmitgliedern des Verbandes jüdischer Studenten in Bayern (VJSB) und des jüdischen Studierendenverbandes Franken (JSF) eingebracht worden war, fand keine Mehrheit.

Wichtig war den Delegierten auch der Austausch zwischen regionalen Studierendenverbänden und der JSUD. Es gehe um die Interessenvertretung der 18- bis 35-Jährigen, auch und gerade, um politisch-gesellschaftliche Forderungen zu formulieren. So sei etwa einem Medizinstudenten mit Exmatrikulation gedroht worden, weil er sich geweigert hatte, eine wichtige Klausur am Schabbat zu schreiben. »Hier haben wir von den Delegierten den klaren Auftrag erhalten, eine Verbesserung herbeizuführen«, sagte Delberg.

Nachwahl Eine Personalie bedauerten viele Studierende sehr. Am Sonntag mussten sie das Vorstandsmitglied Benjamin Fischer verabschieden. Aufgrund seiner neuen Arbeitsstelle beim European Jewish Congress und des damit verbundenen Umzugs nach Brüssel musste er sein Amt niederlegen. Die Delegierten wählten am Sonntag Boris Liven in den Vorstand.

Auf die nächste Vollversammlung verschoben wurde ein Eilantrag, für ausreichend Hummus zu sorgen. Er solle besser vorbereitet werden, hieß es.

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