ZWST-Seminar

Volkskrankheit Depression

Fachtagung zur Depression in Frankfurt Foto: Keren Kesselmann

Laut einer Münchner Studie aus dem Jahr 2011 gehen knapp 25 Prozent aller Fehltage im Berufsleben auf das Konto von Depressionen. Inzwischen gilt Depression als Volkskrankheit. Die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) lud am vorvergangenen Wochenende im jüdischen Gemeindezentrum Frankfurt zu einer Fachtagung zum Schwerpunktthema »Depression« ein. Organisiert wurde die Tagung vom Projekt »Gesher – Inklusion von Menschen mit Behinderung« der ZWST.

Zwei Ziele habe man im Ansatz verfolgen wollen: Fachinformationen über das Krankheitsbild und medizinische Behandlungsmöglichkeiten der Depression zu vermitteln sowie Beispiele aus der Projektarbeit zur Gründung von Selbsthilfegruppen für psychisch Erkrankte in jüdischen Gemeinden in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Sachsen-Anhalt vorzustellen.

Rund 70 Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet waren dazu in die Mainmetropole gekommen. Etwa die Hälfte von ihnen waren von einer psychischen Erkrankung Betroffene oder deren Angehörige, die andere Hälfte Sozialarbeiter aus den jüdischen Gemeinden, die in ihrer täglichen Arbeit mit an Depression erkrankten Menschen zu tun haben.

Abwehrhaltung Wie in der nichtjüdischen Gesellschaft, so stellten die Tagungsteilnehmer fest, sei das Sprechen über psychische Erkrankungen auch in jüdischen Gemeinden zunächst mit Abwehr verbunden. Wenn es gelingt, diese Hürde zu überwinden, entstehe jedoch ein großer Gewinn für Betroffene, Angehörige und Sozialarbeiter.

Rund zehn Prozent der Gesamtbevölkerung leiden an Depressionen. In jüdischen Gemeinden kommen Risikofaktoren hinzu, die eine noch höhere Erkrankungsrate vermuten lassen: Traumatisierungen von Schoa-Überlebenden der ersten, zweiten und dritten Generation sowie Erfahrungen von Migration und Heimatverlust.

Selbsthilfegruppen können einen wichtigen Baustein zur Prävention psychischer Erkrankungen leisten. Auch die Supervision von Mitarbeitern der Sozialabteilungen könne helfen, die eigenen Möglichkeiten und Grenzen im Umgang mit depressiv Erkrankten zu erkennen und zu wahren, so das Fazit. ja

Reform

Hilfe im Alltag

Familien mit behinderten Kindern sorgen sich, dass ausgerechnet die Unterstützung gekürzt wird, die ihnen ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht

von Christine Schmitt  05.08.2026

Erfurt

Schicht um Schicht

Dort, wo eben noch Parkplätze waren, wird seit wenigen Tagen nach einem Stück jüdischer Geschichte gegraben. Erst mit dem Bagger, dann von Hand

von Katrin Richter  05.08.2026

Geschichte

Bedrohlich aktuell

Ein Forschungsprojekt von NS-Dokuzentrum und Lenbachhaus untersucht, wie völkische Gedanken vor dem Ersten Weltkrieg wirkten

von Luis Gruhler  05.08.2026

Programm

Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 6. August bis zum 13. August

 05.08.2026

Hamburg

Ruine mit Herz

Einst das Zuhause des Reformjudentums, stand der Israelitische Tempel kurz vor dem Verfall. Eine Bürgerinitiative und die Stadt wollen den historischen Ort nun neu beleben. Ein Besuch im Hinterhof

von Heike Linde-Lembke  02.08.2026

Geschichte

Die Pension in Mumbai

Ellie und Max Lesser aus Dresden waren zwei von vielen sächsischen Juden, die vor den Nazis Sicherheit in Indien suchten. Deren tragische Geschichte recherchierte nun die Journalistin Iris Völlnagel

von Thyra Veyder-Malberg  02.08.2026

Programm

Kultursommer, Führungen und Einstein vs. Hawking: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 31. Juli bis zum 6. August

 02.08.2026

Porträt der Woche

Mehr als ein Beruf

Valerie Vorkul ist Sozialarbeiterin – und jüdischer, als sie lange Zeit annahm

von Leon Stork  02.08.2026

Bundeswehr

Anerkennung für eine Zeitzeugin

Verteidigungsminister Boris Pistorius würdigte IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch mit dem Ehrenkreuz

von Luis Gruhler  01.08.2026