Polen

Vier Rabbiner und drei Kantoren

Fünfundsiebzig Jahre nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen hat das Potsdamer Abraham Geiger Kolleg in der historischen Synagoge zum Weißen Storch in Wroclaw, dem früheren Breslau, zu einer Ordinationsfeier eingeladen. Vier Rabbiner und drei Kantoren führte das Kolleg ins Amt ein.

Die enorme politische Rolle dieser Ortswahl unterstrich Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) durch seine Anwesenheit. Er war eigens aus Berlin angereist, um den sieben Kandidaten persönlich zu gratulieren: den Kantoren Sofia Falkovitch, Aviv Weinberg und Alexander Zakharenko sowie den Rabbinern Julia Margolis, Nils Ederberg, Jonas Jacquelin und Fabian Sborovsky.

Gleichzeitig erinnerte der Außenminister an die religiöse Bedeutung dieses Ortes, von dem bis Ende der 30er-Jahre Gelehrsamkeit ausging. Für sein klares und unmissverständliches Eintreten gegen Antisemitismus erhielt Steinmeier spontanen Beifall. Es grenze an ein Wunder, dass man 75 Jahre nach Deutschlands verheerendem Überfall auf Polen gemeinsam – Christen und Juden, Polen und Deutsche – eine Ordination in Breslau feiere, sagte Steinmeier.

Absolventen Die sieben Absolventen erhielten Grüße von einem Vertreter der polnischen Regierung, dem Präsidenten der World Union for Progressive Judaism und der Präsidentin des ELES-Studienwerks, Charlotte Knobloch. Die Glückwünsche des Zentralrats übermittelte Reinhard Schramm, Vorsitzender der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen, der seine Rede aus Dank an den Gastgeber auf Polnisch hielt. Alle Redner betonten die große Bedeutung des Festakts.

Das Abraham Geiger Kolleg hatte die polnische Stadt für die Ordinationsfeier bewusst gewählt: Der Namensgeber der Rabbinerausbildungsstätte amtierte rund 20 Jahre lang in Breslau. Nach einem siebenjährigen Zwischenstopp in Frankfurt gehörte er zu den Gründern der Berliner Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, an der er von 1872 bis zu seinem Tod 1874 lehrte.

Die neuen Rabbiner und Kantoren kommen aus Frankreich, Paraguay, Russland und Deutschland. Voraussichtlich werden nur zwei von ihnen nach ihrer Ordination in Deutschland bleiben: Alexander Zakharenko wird eine Kantorenstelle in Erfurt übernehmen, und Nils Ederberg ist in Berlin fest verankert. Die anderen Absolventen wird es in alle Winde verstreuen. So kehrt beispielsweise Jonas Jacquelin in seine Heimatstadt Paris zurück, Sofia Falkovitch wird Kantorin in Luxemburg, und Julia Margolis geht nach Südafrika.

Lesen Sie mehr über die Absolventen:
www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/19962

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