Schulleitungen jüdischer Schulen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sind Anfang des Monats in München zu einem mehrtägigen Austausch zusammengekommen. Knapp zwei Dutzend Teilnehmer aus Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Frankfurt am Main, Stuttgart, Wien und Zürich trafen sich in den Räumen der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, um Erfahrungen zu teilen, Herausforderungen zu diskutieren und neue Impulse für die jüdische Bildungsarbeit zu gewinnen. Diese Treffen finden, mit einer Unterbrechung während der Corona-Pandemie, seit 2014 regelmäßig statt.
Gastgeberin war in diesem Jahr die Sinai-Ganztages-Grundschule um die religiöse Leiterin Miriam Braun. Für Braun war es bereits die dritte Teilnahme an dem Forum, erstmals jedoch in dieser Rolle.
Besonders wichtig sei ihr gewesen, die Möglichkeiten vor Ort einzubinden und Münchner Ansätze sichtbar zu machen: »Mir lag es am Herzen, dass wir in München nutzen, was wir vor Ort haben.« IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch begrüßte die Schulleitungen und betonte die Bedeutung jüdischer Bildung: »Der bestmögliche Erhalt der jüdischen Schulen bleibt die zentrale Aufgabe für die jüdischen Gemeinden im deutschsprachigen Raum – denn die Zukunft jüdischer Existenz in diesem Land hängt davon ganz entscheidend ab.«
Gleichzeitig betonte sie, dass jüdische Bildung weit über reine Wissensvermittlung hinausgehe. Gerade unter schwierigen Bedingungen müsse früh der Grundstein dafür gelegt werden, dass junge Menschen ihr Jüdischsein als Bereicherung begreifen und den Wert der eigenen Tradition erkennen. Die jüdische Gemeinschaft müsse, so Knobloch, »Trutzburg sein – nicht Wagenburg«.
Im Mittelpunkt standen mehrere Fortbildungen
Nach einem Besuch des Kindergartens und der Sinai-Ganztages-Grundschule tauschten sich die Gäste mit Lehrkräften über den Schulalltag aus – etwa darüber, wie Gebete in den Tagesablauf integriert werden oder wie religiöse Bildung strukturiert ist. Besonders das in München etablierte tägliche gemeinsame Gebet mit den Schülerinnen und Schülern und die gemeinsame wöchentliche Schabbatfeier hinterließen Eindruck bei den Gästen. »Die Kinder können sich dadurch anders in der Synagoge orientieren und den Glauben für sich entdecken«, erklärte Braun.
Im Mittelpunkt standen mehrere Fortbildungen. Eltern- und Paarberaterin Anat Borowski sprach über den Umgang mit Kindern und Eltern, die durch Kriegserfahrungen belastet sind – ein Thema, das viele Schulen im Alltag begleitet. Weitere Workshops wurden gemeinsam mit der Europäischen Janusz Korczak Akademie organisiert. Fachreferent Jonas Mages stellte digitale Methoden für die jüdische Bildungsarbeit vor. Ein Workshop zeigte, wie moderne Technologien – etwa virtuelle Lernumgebungen oder VR-Brillen – neue Zugänge zu Themen wie Schabbat eröffnen können. Ein weiterer widmete sich der künstlichen Intelligenz: Die Teilnehmer lernten, KI-generierte Inhalte zu erkennen, versteckte antisemitische Symboliken in Bildern und Videos zu identifizieren und Schüler zu einem reflektierten Umgang mit solchen Technologien anzuleiten.
Auch eigens konzipierte Projekte stellte die Sinai-Grundschule vor. Gemeinsam mit Liron Koren-Brandl präsentierte Braun die selbst entwickelte »Shabbatshow«, ein Theaterstück, das jährlich wechselnde Geschichten aus dem Tanach mit Tanz, israelischer Musik und Gebeten unter Mitwirkung aller Klassenstufen auf die Bühne bringt und dabei an den Religions- und Hebräischunterricht anknüpft. Die Show mit ihrem besonderen pädagogischen Ansatz sei ein großer Erfolg und begeistere die ganze Schulfamilie für religiöse Themen, wie Braun berichtete. Ziel bleibe, allen Schülern eine stabile jüdische Grundlage zu vermitteln: »Wir wollen, dass sie ihre Wurzeln kennen und den Samen, den wir pflanzen, selbst pflegen können.«