Bamberg

Vermittler zwischen Religionen und Kulturen

Rabbinerin Yael Deusel (2.v.l.) und Schatzmeisterin Fiona Atay-Sandyk (3.v.l.) mit der Auszeichnung Foto: Marion Krüger-Hundrup

Feierstimmung herrschte am Sonntag in der Liberalen Jüdischen Gemeinde Mischkan ha-Tfila Bamberg am Schillerplatz, denn es wurde die Israel-Jacobson-Plakette an drei Gründungsmitglieder der Gemeinde verliehen. Rabbinerin Antje Yael Deusel, Gemeindevorsitzender Israel Schwierz in Abwesenheit – er wartet in Israel auf die Ausreise – und Schatzmeisterin Fiona Atay-Sandyk erhielten die Ehrung. Der Grundtenor der Feier war wegen der aktuellen Situation in Israel ein ernster.

»Die Auszeichnung mit der Plakette ist eine besondere Ehre und gerade in diesen Zeiten eine Verpflichtung zu einem lebendigen und offenen Judentum in unserem Land«, sagte die Vorsitzende der Union progressiver Juden in Deutschland (UpJ), Irith Michelson, in ihrer Laudatio. Dass jüdisches Leben in Bayern und Oberfranken seit vielen Jahren nicht nur einen festen Platz habe, sondern Heimat für immer mehr Menschen jüdischen Glaubens geworden sei, »macht uns stolz«, so Michelsohn.

Engagement für jüdisches Leben

Engagement für ein jüdisches Leben in Bamberg und das Wachhalten der Erinnerung an die Schoa seien fundamentale Säulen auch des progressiven jüdischen Lebens, das die Gemeinde Mischkan ha-Tfila verkörpere. »Der interreligiöse Dialog ist essenziell für den gesellschaftlichen Zusammenhalt«, fuhr die Rednerin fort und mahnte an, dass die Lehren aus der Schoa zum Kern der politisch-historischen Bildung an den Schulen gehören müssten, »als Teil unserer Staatsräson«.

Michelsohn würdigte die Ausgezeichneten als Brückenbauer zwischen den Religionen und Kulturen – mit außerordent­lichem Engagement sowie Offenheit für das interkulturelle und interreligiöse Gespräch. Die Vorsitzende der UpJ hob besonders Rabbinerin Deusel hervor, »ohne die es diese Gemeinde nicht gäbe«.

Mit ihrem Durchhaltevermögen, ihrem großen Herzen, ihrer sozialen Kompetenz habe sie unermüdlich das Angebot jüdischen Lebens in der Stadt und im Landkreis Bamberg ausgebaut – allen Unwegsamkeiten und Kämpfen um Anerkennung zum Trotz. Die Rabbinerin vermittle allen, dass jüdisches Leben in Deutschland so selbstverständlich zur Stadtgesellschaft gehört wie das Leben von Bürgern christlichen, muslimischen Glaubens oder anderer Religionen oder einer überzeugten nichtreligiösen Bindung.

Schutz jüdischen Lebens

Ernste Töne schlug Ludwig Spaenle, Beauftragter der bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, an. Der Überfall der Hamas auf unschuldige Menschen sei ein »Massenmord, ein Genozid, der einmalige Dimensionen hat und Israel im Kern herausfordert«. Angesichts eines »unerträglichen Antisemitismus in unserem Land« müsse als Staatsziel der Schutz jüdischen Lebens in die bayerische Verfassung aufgenommen werden, betonte der CSU-Politiker.

Und: »Wir müssen für jüdische Menschen Partei ergreifen, nicht nur aus historischer Verantwortung, sondern für jedes bedrohte jüdische Leben.« Für die Stadt Bamberg drückte Wolfgang Metzner, Dritter Bürgermeister, die Wertschätzung der Liberalen Gemeinde Mischkan ha-Tfila aus. Metzner beklagte, dass »die Menschheit leider nicht schlauer wird«.

Rabbinerin Deusel konnte Erfreuliches berichten: Ihre Gemeinde, am 23. September 2016 offiziell gegründet, sei mit einem Durchschnittsalter von weniger als 50 Jahren recht jung: »Unser jüngstes Mitglied ist anderthalb, unser ältestes Mitte 80.« Auch die internationale Zusammensetzung der Gemeinde unterscheide sie von anderen: »Unsere Mitglieder kommen aus Deutschland, England, Amerika, Frankreich, Israel und weiteren Ländern.«

Ein Doppeljubiläum

Aus Anlass des Doppeljubiläums »250 Jahre liberales Judentum – 25 Jahre Union progressiver Juden in Deutschland« hat die UpJ im vergangenen Jahr deutschlandweit die Israel-Jacobson-Jubiläumsplakette ausgelobt. Mit dieser Auszeichnung würdigt der Verband das Engagement all derjenigen, die Pioniere beim Aufbau ihrer Gemeinden und Institutionen geworden sind und das Wiedererstarken des liberalen Judentums in Deutschland möglich gemacht haben.

Es folgte ein Nominierungsprozess, dessen Ergebnis die Grundlage für die Entscheidung im Vorstand der UpJ gewesen ist, den drei Bambergern die Plakette zu verleihen. Die Auszeichnung ist nach Israel Jacobson (1768–1828), dem Begründer des liberalen Judentums, benannt. Heute bekennen sich weltweit rund 1,8 Millionen Menschen zu dieser Strömung.

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